Die konzertierte Aktion der Notenbanken weltweit mit deutlichen Leitzinssenkungen verpuffen tatsächlich sang- und klanglos im Markt.

    Das muß bedenklich stimmen. Wenn eine solche Maßnahme keine Gegenbewegung einleiten kann, was dann ?

    Vor allem stelle ich mir die Frage, ob es schon einmal eine solche Situation gegeben hat: Notenbanken senken außerplanmäßig Leitzinsen und kurstechnisch tut sich danach gar nichts.

    Erst vor wenigen Wochen sah die Situation noch ganz anders aus. Lehman Brothers gingen insolvent, der Markt hielt sich. Washington Mutual mußten vom Markt genommen werden, kein Problem, der Markt hielt sich.

    Das Problem, um es mal so auszudrücken, ergab sich durch die Verweigerung des 700 Milliarden US-Dollar Pakets durch das US Repräsentantenhaus. Letztere waren über die Reakion des Marktes sichtlich selbst überrascht. Einige Tage später wurde das Gesetz durchgewunken, da war es aber schon zu spät. Zu spät deswegen, weil der Aktienmarkt wichtige Unterstützungsmarken gerissen hatte und eine Stoplosslawine losgetreten worden war. Eine solche Stoplosslawine kann nicht mehr aufgehalten werden, genauso wenig wie eine echte Lawine aus Schnee und Eis in den Bergen durch irgendeinen eilig dazwischengefahrenen Traktor aufgehalten werden kann.

    Hier sieht man sicherlich auch wieder die Bedeutung von zentralen Unterstützungen charttechnischer Natur. Warum funktioniert denn die Charttechnik ? Weil sich Marktteilnehmer im Kursgeschehen relativ orientieren müssen. Sie benötigen Anhaltspunkte, wo sie sich mit Stoploss absichern. Unterhalb der 5.800 im DAX dürften Stoplossabsicherungen von mittel- und langfristig ausgericheten Marktakteuren gelegen haben, unterhalb der 1.100er Marke im S&P 500 Index ebenso und unterhalb der 10.500 im DOW Jones ebenfalls.

    In der ohnehin heiklen Marktphase findet sich nun niemand, der gegensteuert. Stattdessen ergibt sich nun eine Marktbereinigung, die sicherlich zunehmend auch größere Adressen erreicht, die eigentlich Positionen langfristig halten und sich nicht durch mittelfristige Korrekturen aus dem Markt bewegen lassen.

    Bei 944 Punkten hat der S&P 500 Index eine wichtige horizontale Unterstützung. Angesichts des sehr starken negativen Momentums des Abverkaufs, kann mit sehr hoher Warscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Index diese zunächst erheblich nach unten durchbrechen wird. In Sell Off Phasen werden Unterstützungen gebrochen! Insofern ist während Sell Offs das Kaufen von solchen Unterstützungen kontraindiziert. Eher shorten, als kaufen.

    Der S&P 500 Index hätte heute über 1.021 Punkte ansteigen müssen, um endlich eine Gegenreaktion einleiten zu können. S Kommentar. Hat er nicht, damit ergab sich auch kein Kaufsignal! Der investierte Hammer des gestrigen Tages wird dadurch zu einem Fortsetzungssignal.

    Solche Marktphasen, wie die in 2008, können nur gehandelt werden, wenn das Kursgeschehen engmaschig auswertet und dementsprechend die Positionierung konsequent und schnell anpaßt wird. Eigentlich hatten wir nochmals eine Gegenbewegung bei der Commerzbank erwartet und waren tatsächlich vorhin long positioniert, als die Aktie dann nach US Eröffnung wieder verkauft wurde, wurde sofort verkauft und die Position direkt gedreht. Jetzt stehen wir mit einem Shortzertifikat auf die Aktie im Markt. Die kurzfristige technische Reaktion in Richtung 13,30 Euro lassen sie nämlich aller Voraussicht nach ausfallen und schieben nun direkt unten heraus.

    Herzliche Grüße,
    Harald Weygand