Gibt es einen Indikator, mit dem sich die Entwicklung des DAX treffsicher prognostizieren lässt? Eine vom Physiker Thomas Gebert bereits in den 90er Jahren entwickelte Strategie ("Börsenindikator Deutschland", heute meist als "Gebert-Indikator" bezeichnet) hat in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls deutlich besser abgeschnitten als der DAX selbst. Hätte man bereits im Jahr 1962 angefangen, auf Basis des Börsenindikators zu handeln, hätte sich das Depot bis heute um den unglaublichen Faktor 545 vermehrt, während sich der DAX nur verdreizehnfachte. Aus 1.000 Euro wären also mit dem Gebert-Indikator rund 545.000 Euro geworden, bei einem reinen DAX-Investment hingegen nur rund 13.000 Euro.

    Der Gebert-Indikator basiert nicht auf der technischen Analyse, sondern auf vier einfachen wirtschaftlichen Kennziffern und kann nur die Werte 0,1,2,3 oder 4 annehmen. Je nachdem, welchen Wert der Indikator annimmt, sollte der Anleger nach der Empfehlung des Indikator-Erfinders entweder voll im DAX oder voll im Geldmarkt investiert sein. Steht der Indikator auf 4 oder auf 3 Punkten, positioniert sich der Anleger voll im DAX. Steht der Indikator auf 0 oder 1 Punkt ist der Anleger nur im Geldmarkt investiert. Bei 2 Punkten wird die bisherige Positionierung beibehalten.

    Wir werden die einzelnen Punkte nun berechnet? Um die Punkte zu vergeben oder nicht zu vergeben muss der Anleger nur vier einfache Fragen beantworten:

    - Ist die zuletzt von Eurostat ermittelte Inflationsrate für die Eurozone (HCPI, harmonisierter Verbraucherpreisindex) tiefer als im entsprechenden Monat des Vorjahres? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)

    - War die letzte Leitzinsänderung der EZB eine Zinssenkung? (Zinssenkung: 1 Punkt, Zinserhöhung: 0 Punkte). Hinweis: Es zählt die letzte Zinsänderung, egal wie lange diese zurück liegt. Ändert die EZB den Leitzins nicht, hat dies keinen Einfluss auf den Indikator.

    - Steht der Euro/Dollar-Kurs heute tiefer als vor einem Jahr? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)

    - Befinden wir uns aktuell im Zeitraum zwischen 1. November und 30. April? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)

    Der Indikator wurde aufgrund von empirischen Untersuchungen entwickelt, aber es lässt sich aus fundamentaler Sicht durchaus erklären, warum die einzelnen Faktoren eine Rolle spielen. Eine niedrige Inflationsrate bedeutet meist, dass die Wirtschaft aktuell schwächelt (und die Börsenkurse deshalb wohl eher auf niedrigem Niveau sind). Außerdem bedeutet eine niedrige Inflationsrate, dass die Notenbank mehr Spielraum für weitere Stimulierungsmaßnahmen hat. Niedrige Leitzinsen wiederum sind generell positiv für Aktien, weil sie zu niedrigeren Zinskosten für Unternehmen führen. Ein niedriger Euro/Dollar-Kurs ist positiv für exportierende Unternehmen, weil sie ihre Waren auf dem Weltmarkt billiger anbieten können oder bei gleichbleibenden Preisen auf Euro-Basis mehr Gewinn machen. Der Zeitraum November bis April hat historisch eine deutlich bessere Performance verzeichnet als die Monate von März bis Oktober und ist deshalb Teil des Börsenindikators („Sell in May and go away“).

    Aktuell steht der Gebert-Indikator bei drei Punkten: Die HCPI-Inflationsrate ist tiefer als vor einem Jahr (1,2% im April 2013 gegenüber 2,6% im April 2012), die letzte Zinsänderung der EZB war eine Zinssenkung (gestern) und der Euro-Dollar-Kurs steht heute tiefer als vor einem Jahr (1,312 gegenüber 1,315). Bis vor wenigen Tagen stand der Indikator noch auf vier Punkten – wir befanden uns nämlich noch im April. Es ist außerdem bereits absehbar, dass der Indikator in den kommenden Tagen auf 2 Punkte sinken dürfte. Denn der Euro/Dollar-Kurs brach im vergangenen Jahr im Mai deutlich ein. Verliert der Euro-Dollar-Kurs in den kommenden Tagen nicht deutlich an Boden, dürfte der Euro-Dollar-Kurs bald über dem Vorjahresniveau liegen. Dann würde der Indikator auf 2 Punkte sinken, was für die Positionierung aber keine Änderung bedeuten würde. Dass der Indikator auf unter 2 sinkt, ist aktuell nicht absehbar, denn weder dürfte die EZB in der nächsten Zeit die Leitzinsen anheben noch dürfte die Inflationsrate bald wieder höher als vor einem Jahr liegen.

    Die Strategie von Thomas Gebert wurde von Merrill Lynch auch als Anlagezertifikat verbrieft. Ein erstes Zertifikat (ML0BDM), das 2006 aufgelegt wurde, kann inzwischen nicht mehr über die Börse erworben werden. Ein neues Zertifikat (ML0RR6) wurde im vergangenen Jahr emittiert. Details zu den Zertifikaten können sie hier nachlesen. Thomas Gebert betreibt auch selbst eine Internetseite ([Link "http://www.gebert-börsenindikator.de" auf www.gebert-b%C3%B6rsenindikator.de/... nicht mehr verfügbar]) mit Informationen zu der von ihm entwickelten Strategie.

    Oliver Baron

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