Einer der zuverlässigsten Indikatoren für den deutschen Aktienmarkt liefert am Montag ein frisches Verkaufssignal. Der vom Physiker Thomas Gebert bereits in den 90er Jahren entwickelte "Börsenindikator Deutschland", heute meist als "Gebert-Indikator" bezeichnet, hat in den vergangenen Jahrzehnten die Entwicklung des DAX treffsicher prognostiziert.

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    Seit Anfang 2008 hätten Anleger mit der Strategie eine Performance von 137 % erzielt, wie ein von Merril Lynch emittiertes Strategiezertifikat zeigt. Der DAX selbst brachte es im gleichen Zeitraum nur auf ein Plus von rund 25 %. Hätte man bereits im Jahr 1962 angefangen, auf Basis des Börsenindikators zu handeln, hätte sich das Depot bis zum Jahr 2013 um den unglaublichen Faktor 545 vermehrt, während sich der zurückgerechnete DAX nur verdreizehnfachte.

    Der Gebert-Indikator basiert auf drei fundamentalen und einem saisonalen Kriterium. Dabei kann der Gebert-Indikator zwischen null und vier Punkten schwanken. Steht der Indikator auf vier oder auf drei Punkten, ist der Anleger im DAX investiert (zum Beispiel über einen ETF oder ein Indexzertifikat). Steht der Indikator auf null oder einem Punkt, ist der Anleger nur im Geldmarkt investiert bzw. parkt das Geld auf dem Girokonto. Bei zwei Punkten wird die bisherige Positionierung beibehalten.

    Wir werden die einzelnen Punkte nun berechnet? Um die Punkte zu vergeben oder nicht zu vergeben muss der Anleger nur vier einfache Fragen beantworten:

    • Ist die von Eurostat ermittelte Inflationsrate für die Eurozone (HCPI, harmonisierter Verbraucherpreisindex) tiefer als im entsprechenden Monat des Vorjahres? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)
    • War die letzte Leitzinsänderung der EZB eine Zinssenkung? (Zinssenkung: 1 Punkt, Zinserhöhung: 0 Punkte). Hinweis: Es zählt die letzte beim Hauptrefinanzierungssatz, egal wie lange diese zurück liegt. Ändert die EZB den Leitzins nicht, hat dies keinen Einfluss auf den Indikator.
    • Steht der Euro/Dollar-Kurs heute tiefer als vor einem Jahr? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)
    • Befinden wir uns aktuell im Zeitraum zwischen 1. November und 30. April? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)

    Anfang Mai ist der Gebert-Indikator nun auf einen Punkt gesunken. Das bedeutet, dass Anleger, die dem Indikator folgen, heute aus dem DAX aussteigen würden.

    Buchtipp: Wie der Gebert-Indikator genau funktioniert, erfahren Sie im Buch "Der große Gebert" von Thomas Gebert.

    Verantwortlich für den Rückgang des Gebert-Indikators ist die wohlbekannte Saisonalität, nach der Anleger von Mai bis Oktober besser nicht in den Aktienmarkt investiert sein sollten. Der einzige verbliebene Punkt stammt vom zweiten Kriterium, dem EZB-Leitzins, der erst im März gesenkt wurde.

    Der Euro notiert höher als vor einem Jahr (ergibt keinen Punkt) und die für März gemeldete Inflationsrate lag ebenfalls höher als vor einem Jahr (ebenfalls kein Punkt).

    Bezüglich der Inflationsrate gilt es allerdings einen wichtigen Punkt zu beachten: Am Freitag hat die europäische Statistikbehörde Eurostat bereits vorläufige Inflationsdaten für April 2016 veröffentlicht. Demnach lag die Inflationsrate bei -0,2 %. Vor einem Jahr lag die Inflationsrate noch bei 0,0 %. Würde man die vorläufigen Daten zur Inflation berücksichtigen, wäre der Gebert-Indikator weiter bei zwei Punkten, was bedeuten würde, dass man die Positionierung (investiert im DAX) nicht verändern würde.

    Nach dem offiziellen Gebert-Indikator fließen die vorläufigen Daten allerdings nicht in die Berechnung mit ein, weil bei der Entwicklung des Börsenindikators 1992 das Statistische Bundesamt die Inflationszahlen immer erst zu Anfang des übernächsten Monats bekannt gegeben hat. Es werden beim "offiziellen" Gebert-Indikator deshalb nur endgültige Inflationsdaten und diese auch nur mit 24-tägiger Verzögerung verwendet. Allerdings werden inzwischen die Daten für die Eurozone und nicht allein für Deutschland verwendet.

    Man kann also festhalten, dass der Gebert-Indikator offiziell auf „rot“ (ein Punkt) gedreht hat. Würde man allerdings auch die vorläufigen Inflationsdaten berücksichtigen, wäre der Gebert-Indikator weiter auf "gelb" (zwei Punkte). Dann würden Anleger ihre bisherige Positionierung („investiert im DAX“) beibehalten.

    Was denken Sie? Drohen dem DAX weitere deutliche Kursverluste? Oder liegt der Gebert-Indikator dieses Mal falsch? Diskutieren Sie dieses Thema auch auf meinem Desktop der Investment- und Analyseplattform Guidants.

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