Der Gebert-Indikator (oder "Börsenindikator Deutschland") wurde vom Physiker Thomas Gebert bereits in den 90er Jahren nach umfangreichen Backtests entwickelt. Gebert wertete die DAX-Entwicklung in Abhängigkeit von zahlreichen wirtschaftlichen Faktoren aus und entwickelte ein einfaches Punktesystem, das in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber dem DAX eine deutliche Outperformance zeigte.

    Insgesamt müssen zur Auswertung des Gebert-Indikators monatlich vier Fragen beantwortet werden. Aus jeder Frage ergibt sich jeweils ein Punkt oder kein Punkt. Steht der Indikator insgesamt auf 4 oder 3 Punkten, positioniert sich ein Anleger, der dem Gebert-Indikator folgt, long im DAX (z.B. über Zertifikate oder ETFs). Steht der Indikator auf 0 oder 1 Punkt, ist der Anleger nicht im DAX investiert sondern parkt das Geld beispielsweise auf Tagesgeldkonten. Bei 2 Punkten wird die bisherige Positionierung beibehalten.

    Die vier Fragen lauten:

    • Ist die zuletzt von Eurostat ermittelte Jahresinflationsrate für die Eurozone tiefer als im entsprechenden Monat des Vorjahres? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)
    • War die letzte Zinsänderung der EZB eine Leitzinssenkung? (Zinssenkung: 1 Punkt, Zinserhöhung: 0 Punkte). Hinweis: Es zählt die letzte Zinsänderung, egal wie lange diese bereits zurück liegt.
    • Steht der Euro/Dollar-Kurs heute tiefer als vor einem Jahr? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)
    • Befinden wir uns aktuell im Zeitraum zwischen 1. November und 30. April? (Ja: 1 Punkt, Nein: 0 Punkte)

    Nachdem vor wenigen Minuten die vorläufige Inflationsrate für die Eurozone im April (0,7%) veröffentlicht wurde, kann nun die Auswertung für Anfang Mai bereits gemacht werden. Dabei unterstellen wir, dass der Euro-Dollar-Kurs bis morgen nicht mehr extrem stark (unter 1,3167) einbrechen wird.

    Die Auswertung für Anfang Mai ergibt jeweils einen Punkt für die ersten beiden Fragen und keinen Punkt für die letzten beiden Fragen. Damit ergeben sich für Mai insgesamt 2 Punkte, nach 3 Punkten im April. Bei 2 Punkten wird gemäß Gebert-Indikator die bisherige Positionierung beibehalten (in diesem Fall also long im DAX).

    Der Punktestand von 2 Punkten dürfte für einige Zeit Bestand haben, da bei keinem der Kriterien aktuell Veränderungen absehbar sind, die den Punktestand verändern würden. Für den vierten Punkt ist eine Änderung bis Anfang November ausgeschlossen.

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    Hinweis: Bitte beachten Sie, dass der obige Artikel keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren darstellt, sondern ausschließlich den Gebert-Indikator vorstellen soll. Es wird ausdrücklich keine Aussage darüber getroffen, ob eine Investition anhand des Gebert-Indikators in Zukunft eine positive Performance erwirtschaftet oder nicht. Ein Totalverlust ist grundsätzlich immer möglich!