DAX

    Die Zeiten stehen vorerst wieder einmal auf Verunsicherung und Risikoaversion. Die Vorgaben aus den USA und Asien beförderten den Deutschen Leitindex gleich zu Handelsbeginn deutlich unter die 10.000-Punkte-Marke. Innerhalb weniger Tage ist damit der gesamte Jahresgewinn des Deutschen Aktienindex wieder dahin. Eine mögliche US-Zinswende im September, Sorgen um China und die Schwellenländer, neue Wahlen in Griechenland werfen ihre Schatten an den Aktienmärkten voraus. Börsianer scheinen angesichts dieser Belastungsfaktoren kalte Füße zu bekommen und schichten derzeit verstärkt aus Aktien in als sicher geltende Renten um. Zuletzt notierte der DAX mit 3,36 Prozent im Minus bei 9.784 Punkten. Impulse von Konjunkturdatenseite könnten heute höchstens durch den Chicago Fed National Activity Index aus den USA kommen.

    Charttechnik

    Die schwachen Bemühungen der Käufer im DAX reichen bisher nicht aus und so verharrt der Index weiterhin im Abwärtstrend. Solange der Ausbruch über 9.935 Punkte nicht gelingt, könnte es nochmals ein neues Tief geben. Das Abwärtspotenzial scheint jedoch dann schon größtenteils ausgeschöpft, so dass neue Erholungsversuche starten könnten. Ein Anstieg über 9.935 Punkte könnte eine solche direkt einleiten.

    Thema des Tages

    Jahrelang profitierten die westlichen Industriestaaten vom rasanten Wachstum in China - doch nun sieht es so aus, als seien die fetten Zeiten vorbei. Zwar war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt von Januar bis Juni noch um sieben Prozent gewachsen. Aber das Wachstum war so schwach wie seit 25 Jahren nicht mehr. Und auch die Börsen in China spielen weiter verrückt, da helfen die hilfslos wirkenden Stützungsmaßnahmen der politischen Führung nicht mehr viel. So beschleunigte sich bei den chinesischen Festlandbörsen zu Wochenbeginn die Talfahrt, obwohl die Regierung zuvor angekündigt hatte, den chinesischen Pensionsfonds zu erlauben, in den Aktienmärkten zu investieren.

    Laut einem Bericht des Wall Street Journals will Chinas Zentralbank zudem den Mindestreservesatz für Banken senken, um die Konjunktur weiter zu stützen. Dabei würde der Mindestreservesatz um einen halben Punkt gesenkt werden, was den Banken theoretisch weitere Mittel zur Verfügung stellt, die sie als Kredite in den Wirtschafskreislauf werfen können. Der Schritt soll aber nicht sofort erfolgen, sondern erst zum Monatsende oder zu Septemberbeginn. Die bloße Ankündigung reichte den Anlegern offensichtlich bei weitem nicht aus.

    Die chinesischen Behörden hatten zuletzt mehrfach interveniert, um die Abwärtsspirale an den heimischen Börsen einzudämmen. Die chinesische Zentralbank PBoC senkte die Leitzinsen auf ein Rekordtief, stoppte neue Börsengänge und drohte Short-Sellern mit strafrechtlichen Konsequenzen. Zugleich führte die chinesische Börsenaufsicht massive Aktienkäufe durch. Unternehmen durften ihre eigenen Aktien vom Handel aussetzen. Nach Ansicht der Baader Bank bleiben Chinas Börsen dennoch auf weitere Sicht eine erdrutschgefährdete Zone. „Äußerungen der Wertpapieraufsicht, zwar langfristig dem Markt unter die Arme greifen zu wollen, aber künftig nur noch zu intervenieren, wenn ungewöhnliche Fluktuationen oder andere schwere Risiken auftauchten, deuten darauf hin, dass künftig mit weniger staatlichen Eingriffen zu rechnen ist“, so Analyst Klaus Stopp.

    Aktien im Blick

    Die Aktien der Deutschen Autobauer, für die China einer der wichtigsten Absatzmärkte ist, leiden unter den Sorgen um die Konjunktur im Reich der Mitte. Daimler und BMW lagen am Mittag jeweils knapp 3 % im Minus.

    Der kriselnde Energieversorger RWE reagiert auf seine aktuellen Vertriebsprobleme in Großbritannien. Der Vorstand der britischen RWE-Tochter npower werde ausgetauscht, teilte der Konzern mit. Die Aktie schmiert zur Stunde um 5,26 % ab.

    Konjunktur

    Die aktuellen Kurseinbrüche an den Börsen halten die Experten von JPMorgan für übertrieben. „Die pessimistische Stimmung scheint überwältigend zu sein, während wir zugleich feststellen, dass eine Reihe wichtiger Variablen dieses negative Bild nicht untermauern“, heißt es in einer Studie.

    Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Wachstumsprognose der Weltwirtschaft für dieses Jahr um 0,3 Punkt auf 3,2 Prozent gesenkt.

    Zur Schuldenerleichterung Griechenlands gibt es in Brüssel offenbar Überlegungen, die vergleichsweise teuren Darlehen des Internationalen Währungsfonds vorzeitig abzulösen. Dafür könnte Geld des Eurorettungsschirms ESM eingesetzt werden, berichtet „Der Spiegel“.

    Währungen

    Der US-Dollar ist schwächer in die neue Handelswoche gestartet. Dabei leidet der Greenback unter den Sorgen um die Entwicklung in China, was eine baldige Zinsanhebung seitens der Federal Reserve Bank immer unwahrscheinlicher macht. EUR/USD setzt angesichts dessen seine letztwöchige Rally fort und hat bei der runden 1,15er-Marke ein frisches Sechsmonatshoch erreicht.

    GBP/USD hat bei 1,5726 ein Siebenwochenhoch markiert, während AUD/USD im Zuge der Sorgen um China, den wichtigsten Abnehmer für australische Rohstoffe, auf ein Sechsjahrestief bei 0,7200 gefallen ist. Der Yen ist in der Krise als sicherer Hafen gefragt. USD/JPY fiel auf ein Dreimonatstief bei 120,28. Dabei profitiert der Yen auch von dem Anstieg der japanischen Frühindikatoren.

    Rohstoffe

    Die abbröckelnden Konjunkturaussichten schicken auch den Ölpreis auf Talfahrt. Am Mittag fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent 43,70 US-Dollar und damit um weitere knapp vier Prozent. Wenn die Industrie schwächelt, wird auch weniger Öl nachgefragt.