DAX

    Quo vadis Griechenland? Kommt es zu einen Kompromiss mit den Geldgebern oder ist der Grexit unausweichlich? Licht ins Dunkel soll der heute Abend stattfindende EU-Sondergipfel bringen. Zuvor treffen sich zu Beratungen in Sachen Hellas die Finanzminister der Euro-Länder. Vermutlich werde geprüft, inwieweit Hilfsgelder aus dem Euro-Rettungsfonds ESM für eine weitere Stützung Griechenlands in Frage kommen, vermuteten die Analysten der LBBW. "Die Odyssee geht weiter. Nach sechsmonatigen Verhandlungen, dem Platzen der Gespräche und anschließendem Referendum mit bekanntem Ausgang heißt es nun Zurück auf Los", hieß es lakonisch vom Broker IG. Vor dem wegweisenden Termin halten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt bedeckt. Der DAX gibt am Mittag ein gutes halbes Prozent ab und notiert bei 10.830 Punkten.

    Thema des Tages

    Die Europäische Zentralbank könnte nach Einschätzung von Ratsmitglied Nowotny Griechenland bis zur Vereinbarung eines neuen Hilfspakets beistehen. „Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch die EZB Liquidität geben, wenn das entsprechend den Regeln möglich ist", sagte der österreichische Notenbankchef am Montagabend. „Es ist ja das Bemühen Griechenlands über den ESM ein neues Programm zu machen. Hier ist die Diskussion, ob man nicht eine Art Vorgriff machen kann als Brückenprogramm, damit ich aus dieser würgenden Finanzierungsnot herauskomme. ESM ist der ständige Rettungsfonds der Euroländer, aus dem auf Antrag Hilfen fließen würden.

    Das letzte Hilfspaket der internationalen Geldgeber für Athen war am 30. Juni ausgelaufen. Am Abend wollen die Staats- und Regierungschef der Eurozone erneut über einen Ausweg aus der Griechenland-Krise beraten. Die Regierung in Athen hat angekündigt, einen neuen Verhandlungsvorschlag für das Treffen vorlegen zu wollen. Nach SZ-Informationen unterscheidet sich das Papier des neuen Finanzministers Tsakalotos nur unwesentlich von dem Reformplan der Gläubiger, den die Griechen in der Volksabstimmung mehrheitlich abgelehnt hatten. So wolle Athen etwa die niedrigere Mehrwertsteuer auf den bei Touristen beliebten Inseln beibehalten.

    Der slowakische Finanzminister Kazimer bleibt skeptisch, ob heute ein Deal mit der griechischen Regierung erreicht wird. Einen nominalen Schuldenschnitt für Griechenland schließt Kazimer jedenfalls strikt aus, er sprach „von einer roten Linie“ für die Slowakei. Der französische Ministerpräsident Valls betonte dagegen, ein Schuldenschnitt dürfe kein Tabu sein. Ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone dürfe man nicht riskieren.

    Aktien im Blick

    Die Medienkonzerne Axel Springer und ProSiebenSat.1 prüfen angeblich eine Fusion. Das "Wall Street Journal" und mehrere Nachrichtenagenturen berichten, die Gespräche befänden sich in einem frühen Stadium. Die Konzerne lehnten eine Stellungnahme ab. Axel Springer steigen um 3,48 %, die Papiere von ProSiebenSat.1 legen um 0,45 % zu.

    Die UBS rechnet mit Rückenwind für SAP durch die schnelle Datenbanktechnik Hana, die Aktie profitiert von dem positiven Analysenvotum und gewinnt gegen den Trend 0,76 %.

    Konjunktur

    SPD-Chef Sigmar Gabriel kann sich bei entsprechender Reformbereitschaft der griechischen Regierung einen Schuldennachlass für das Land vorstellen, wie er im Interview mit dem "stern" sagte.

    Die Produktion deutscher Unternehmen hat im Mai auf saison- und kalenderbereinigter Basis im Vergleich zum Vormonat nur stagniert, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Experten hatten mit einem Anstieg um 0,1 Prozent gerechnet.

    Währungen

    Der Euro hält sich gegen Mittag deutlich unterhalb der Marke von 1,10 Dollar auf, nachdem er gestern zwischenzeitlich Kurse von 1,11 ins Visier genommen hatte, die aber dann nicht erreicht wurden.

    Der Euro erleidet zudem Verluste gegenüber dem Yen. Der EUR/JPY Kurs lag zuletzt bei 134,11, hält sich damit aber immer noch über dem Tief vom Montag von 133,85.

    Der EUR/CHF-Kurs notiert momentan bei 1,0398. Laut Markbeobachtern versucht die Schweizer Notenbank (SNB) den Wechselkurs oberhalb der Marke von 1,03 zu halten, auch wenn diese Marke nicht offiziell verkündet wurde

    Rohstoffe

    Die Ölpreise zeigen sich am Dienstag nach mehreren Tagen mit Rückgängen stabil. So kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent gegen Mittag 57,14 US-Dollar. Das waren 60 Cent mehr als am Vortag. Händler erklärten den Anstieg mit der jüngsten Entwicklung der Verhandlungen im Atomstreit zwischen den westlichen Industriestaaten und dem Iran. Der zuletzt starke Rückgang der Ölpreise war nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank „auch den Erwartungen geschuldet, dass in dieser Woche eine endgültige Einigung in den Atomverhandlungen erzielt wird“. Sollten die Gespräche scheitern, bleiben die Wirtschaftssanktionen den Iran bestehen, der dann seine Ölexporte nicht ausweiten kann.