DAX

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    Die Zuspitzung der griechischen Schuldenkrise über das Wochenende hat für einen denkbar schwachen Start am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Vorbörslich hatte sich beim DAX ein Minus von fast 6 Prozent angedeutet. Dann blieb es im deutschen Leitindex jedoch bei einem Rückschlag um in der Spitze 4,5 Prozent auf 10.964 Punkte. Im Mittagshandel zeigt sich das Börsenbarometer aber etwas robuster und erklomm zuletzt die Marke von 11.120 Punkten. Die Unsicherheit darüber, ob Griechenland nun im Euro bleibt, aber dürfte den deutschen Aktienmarkt die nächsten Tage weiter belasten.

    Nachdem sich der Markt heute allerdings ausgeschüttelt hat, könnte zumindest kurzfristig auch eine Gegenbewegung eingeleitet werden. Viele Anleger könnten zu den günstigeren Kursen prompt wieder in den Markt einsteigen, sagte ein Experte von Feingold Research. Auch Marktexperte Uwe Eilers von der Geneon Vermögensmanagement AG rechnet nicht mit einer nachhaltig negativen Reaktion der Aktienmärkte. „Weiterhin gehe ich von einer schnellen Erholung aus, da endlich ein Schlussstrich unter die endlosen Verhandlungen gezogen wurde". Damit ist der ewige Unsicherheitsfaktor Griechenland bald Geschichte“. Dies sorge auf Dauer für Sicherheit.

    Thema des Tages

    Überraschend wurden am Wochenende die Verhandlungen zwischen Griechenland und den internationalen Kreditgebern ohne Einigung abgebrochen. Nachdem die griechische Regierung angekündigt hatte, ihr Volk via Referendum über die Reformvorschläge abstimmen zu lassen und gleichzeitig für ein „Nein“ bei der Abstimmung warb, wurden die Verhandlungen über die Auszahlung der letzten Tranche aus dem Hilfspaket am Samstag für gescheitert erklärt.

    Gemäß Parlamentsvotum soll die griechische Bevölkerung nun am 5. Juli darüber abstimmen, ob die von den internationalen Geldgebern vorgeschlagenen Sparmaßnahmen angenommen werden. Dazu gehören unter anderem Mehrwertsteuererhöhungen und eine Rentenreform. Griechenlands Premier Tsipras hat heute in einem Schreiben an die Regierungschefs der Eurozone dazu aufgerufen, die Entscheidung zur Ablehnung einer einmonatigen Verlängerung des Hilfspakets zu überdenken. Die Abhaltung des Referendums sei das demokratische Recht des griechischen Volkses, so Tsipras.

    Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich am Montag in einer Rede weiter gesprächsbereit, allerdings nicht um jedem Preis. Die europäischen Grundsätze dürften nicht ignoriert werden, so Merkel in Berlin. „Wir könnten sie kurzfristig vielleicht aufgeben. Wir könnten vielleicht sagen, geben wir einfach mal nach. Aber ich sage: Mittel- und langfristig werden wir damit Schaden nehmen“. Ohne die griechische Regierung direkt zu erwähnen, rief sie Athen auf, seinen eigenen Teil zur Lösung der Probleme beizutragen. Solidarität und Eigenverantwortung seien zwei Seiten einer Medaille.

    Unterdessen hat Athen erklärt, dass die Banken des Landes bis einschließlich 6. Juli geschlossen bleiben. Auch die Abhebungen an Geldautomaten sind ab sofort auf 60 Euro pro Tag und Bankkarte begrenzt. Um einen weiteren Abfluss von Kapital ins Ausland zu verhindern hat sich die Regierung zudem für Kapitalverkehrskontrollen entschieden. Überweisungen in das Ausland brauchen nunmehr die Genehmigung des Finanzministeriums.

    Derzeit ist noch nicht klar, welche Konsequenzen aus der jetzigen Situation resultieren werden. Nach Einschätzung von EU-Währungskommissar Pierre Moscovici wird Athen die am Dienstag fällige Rate von rund 1,6 Mrd. Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wohl nicht zahlen. „Es (Griechenland) wird es wahrscheinlich nicht machen“, sagte Moscovici am Montag dem französischen Sender RTL.

    Aktien im Blick

    Die Papiere der Deutschen Bank geraten heute nicht nur wegen des Griechenland-Debakels mit fast 6 % Minus unter die Räder. Die Financial Times berichtete, dass die Bafin dem Co-Chef Anshu Jain im Zusammenhang mit den Untersuchungen des Libor-Skandals Irreführung vorwirft.

    Das Bankhaus Metzler strich in einer Studie vom Montag die Verkaufsempfehlung für die Lufthansa. Die Aktie verliert heute in der Spitze „lediglich“ 1,5 %.

    Konjunktur

    Griechenland will im Euro bleiben. „Ein Ausstieg aus der Eurozone war für die griechische Regierung nie eine Option und ist auch jetzt keine Option“, sagte Syriza-Politiker Giorgos Chondros.

    Die direkten Gefahren einer griechischen Staatspleite für deutsche Banken sind derweil recht gering. Ende 2014 hatten die Institute nach Berechnungen der Bundesbank in dem Euro-Land noch 2,4 Milliarden Euro verliehen. Staatsanleihen halten sie seit dem Schuldenschnitt vom Frühjahr 2012 kaum noch.

    Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone, gemessen am Economic Sentiment Indicator (ESI), ist im Juni überraschend um 0,3 Punkte auf 103,5 Punkte gesunken.

    Das Geschäftsklima in der Eurozone, der sog. Business Climate Indicator (BCI), fiel zugleich von 0,28 Punkten im Vormonat auf 0,14 Punkte.

    Währungen

    Die drohende Staatspleite Griechenlands und der wahrscheinlicher werdende Grexit haben EUR/USD zu Wochenbeginn auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Nach einem Freitagsschlusskurs bei 1,1157 stürzte das Währungspaar im asiatischen Geschäft zunächst bis zutiefst 1,0955 ab, bevor sich die Notierungen im europäischen Handel jedoch bereits wieder bis bislang 1,1125 im Hoch erholen konnten.

    GBP/USD fiel vom Freitagsschluss bei 1,5740 bis 1,5662 im Tief zurück und erholte sich parallel zu EUR/USD daraufhin bis bislang 1,5745 im Hoch. Die zu Wochenbeginn aus Großbritannien gemeldeten Kreditdaten sind schwächer als erwartet ausgefallen. USD/JPY ist vom Freitagsschluss bei 123,83 bis bislang zutiefst 122,11 zurückgefallen. Die über Nacht aus Japan gemeldeten Wirtschaftsdaten sind gemischt ausgefallen. Während Daten aus der Industrie weiterhin Anlass zur Sorge geben, zeigen sich die Japaner überraschend konsumfreudig.