DAX

    Am deutschen Aktienmarkt ist Zurückhaltung das Gebot der Stunde. Der DAX gibt in einem ruhigeren Umfeld gegen Mittag ein knappes Prozent auf 10.120 Punkte nach. Die Zinssitzung der US-Notenbank am kommenden Donnerstag wirft ihren Schatten voraus. Der Broker Peregrine & Black sprach von nur geringen Impulsen für den Markt. „Viele Händler warten an den Seitenrändern auf die nächste Woche.“ Es herrscht weiter Unsicherheit darüber, ob die Fed den Leitzins bereits im September erstmals seit fast 2006 anheben wird oder nicht. Ob eine kleine Zinswende in den Kursen schon eingepreist ist oder die Kurse purzeln lässt, darüber herrscht weiter Uneinigkeit unter den Finanzexperten. Heute schauen Anleger auf die Zahlen zum Verbrauchervertrauen und zu den Erzeugerpreisen aus den USA.

    Charttechnik

    Der DAX setzt seine Abwärtsbewegung auch heute weiter fort und erreichte die Unterstützung bei 10.079 Punkten. Hier zeigte sich die letzte Stunde leichtes Kaufinteresse. Eine Erholung auf 10.175 bis letztlich sogar knapp 10.300 Punkte wäre technisch möglich, ohne den kurzfristigen Abwärtstrend auf Stundenebene zu beenden. Das Potenzial muss jedoch nicht ausgeschöpft werden, um sich im Tagesverlauf weiter in Richtung Süden zu bewegen. Die nächste Unterstützung unterhalb von 10.175 Punkten wäre bei ca. 10.000 Punkten zu finden.

    Thema des Tages

    Für die Energiekonzerne in Deutschland droht das Ende der Atomkraft zu einem unkalkulierbaren Risiko zu werden. Wie das Handelsblatt am Freitag schreibt, müssen die Versorger ihre Atomrückstellungen voraussichtlich deutlich aufstocken. „Es scheint das Ziel der Bundesregierung zu sein, alle vier Energiekonzerne, die Kernkraftwerke betreiben, in Bad Banks zu verwandeln“, zitiert das Blatt einen Manager.

    Grund für den Ärger sind die Stresstests, die das Wirtschaftsministerium angeordnet hat. Dabei wurden die Rückstellungen von 39 Mrd. Euro geprüft, die die vier Konzerne für den Rückbau der Meiler und die Endlagerung des Atommülls gebildet haben. Nach Informationen des Handelsblatts wird in den Stresstests die Frage behandelt, ob die Rückstellungen noch angemessen abgezinst sind. Die Unternehmen operieren derzeit mit Zinssätzen zwischen vier und 4,7 Prozent. Je höher der Zinssatz ist, desto niedriger ist der Gegenwartswert der Rückstellungen und damit die bilanzielle Belastung für die Konzerne. Angesichts der niedrigen Kapitalmarktzinsen erscheint ein Zinssatz von mehr als vier Prozent aber kaum realistisch.

    Die Konsequenzen einer Anpassung des Zinsniveaus für die Konzerne wären fatal, konstatiert das Handelsblatt. „Wenn wir den Zinssatz halbieren, müssen wir die Rückstellungen verdoppeln. Das wäre für uns der Killer“, heiße es bei einem Energieriesen. In den Konzernen werde deshalb hektisch gerechnet.

    Aktien im Blick

    Die Versorgertitel RWE und E.ON bleiben nach dem Handelsblatt-Bericht unter Druck RWE geben zur Stunde 2,16 % ab, E.ON verbilligen sich um weitere 2,17 %.

    Der Modekonzern Gerry Weber meldete für das dritte Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang. Die Aktie bricht um 8,71 % ein.

    Konjunktur

    Bundesfinanzminister Schäuble hat sich besorgt über die globale Liquiditätsschwemme geäußert. „Wir bewegen uns auf die nächste Blase zu“, sagte er.

    Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im August nur leicht gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 0,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Sowohl die Preise für leichtes Heizöl als auch für Benzin und Diesel sind spürbar zurückgegangen.

    Währungen

    Der US-Dollar gibt auf breiterer Basis nach, wobei EUR/USD angesichts der Unsicherheit über die Fed-Strategie bereits den 6. Tag in Folge zulegt. In der Spitze notierte das Währungspaar bislang bei 1,1310. GBP/USD notierte hingegen angesichts gesunkener Inflationserwarten für Großbritannien bislang bei 1,5421 im Tief.

    USD/JPY gab nach Veröffentlichung eines starken BSI Manufacturing Index bislang bis 120,32 im Tief nach. USD/SEK notierte nach einem überraschend starken Anstieg des schwedischen Bruttoinlandsprodukts um 3,3 Prozent im zweiten Quartal bislang bei 8,2865 im Tief.

    Rohstoffe

    Die Ölförderung in den USA dürfte 2016 nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) deutlich zurückgehen. Demnach soll die Ölproduktion außerhalb der OPEC-Staaten im kommenden Jahr um 500.000 Barrel auf 57,7 Millionen Barrel pro Tag sinken. Der Ölpreis hat im August ein Sechs-Jahres-Tief erreicht, seit dem Vorjahr hat er sich mehr als halbiert. Die OPEC produziert derzeit trotz des Ölpreisverfalls so viel wie noch nie, um die Konkurrenz von außen zu verdrängen.