• Nord Stream 2: US-Senatoren drohen deutschem Hafen mit wirtschaftlicher Vernichtung
    • US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sinken überraschend deutlich
    • Henkel verbucht Umsatz- und Gewinnrückgang
    • adidas erwartet Besserung im dritten Quartal
    • Merck konkretisiert Ausblick
    • Siemens übertrifft die Erwartungen
    • Munich Re verzichtet weiter auf Prognose
    • Deutschland: Auftragseingang Industrie erholt sich stärker als erwartet
    • Bank of England verändert Geldpolitik nicht

    Märkte

    • Der deutsche Aktienmarkt hat auch am Donnerstag eine Berg- und Talfahrt veranstaltet, ohne sich nachhaltig wirklich von der Stelle zu bewegen. Der DAX beendete den Xetra-Handel mit einem Minus von 0,54 Prozent auf 12.591,68 Punkte. Nach deutlichen Zugewinnen im frühen Handel gab das Börsenbarometer im weiteren Handelsverlauf angesichts aufgewärmter Corona-Sorgen erneut nach. Am Donnerstag standen erneut die Quartalszahlen zahlreicher DAX-Konzerne (Siemens , Merck , Henkel , Munich Re , Adidas und Beiersdorf) und weiterer Unternehmen aus Deutschland (z.B. Lufthansa) im Fokus.
    • Die Rekordjagd bei Gold geht weiter. Das Edelmetall konnte am Donnerstag abermals ein neues Rekordhoch markieren und steht inzwischen bei 2.064 Dollar je Feinunze. Auch Silber legt wieder stark auf ein frisches Sieben-Jahres-Hoch zu. An der US-Technologiebörse Nasdaq konnten am Donnerstag der Nasdaq-100 und der Nasdaq Composite auch am Donnerstag marginal höhere Allzeithochs erreichen.

    Chartanalysen & Artikel des Tages

    Unternehmensnachrichten

    • LEG Immobilien hat seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr offenbar etwas nach oben geschraubt. Beim Betriebsgewinn (FFO I) wird jetzt die obere Hälfte der Prognosespanne von 370 bis 380 Millionen Euro erwartet, wie aus einer kurzzeitig auf der Internetseite abrufbaren Präsentation hervorging. Die Marge des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Marge) soll 74 Prozent betragen. Im ersten Halbjahr konnte LEG Immobilien das EBITDA um acht Prozent auf 235,2 Millionen Euro und das FFO I um 14 Prozent auf 194,6 Millionen Euro steigern.
    • Das japanische Videospielunternehmen Nintendo hat im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal erheblich von der Corona-Pandemie profitiert. Der operative Gewinn erhöhte sich um 428 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 106,6 Milliarden Yen (rund 850 Millionen Euro) und damit deutlich stärker als erwartet. Der Umsatz konnte sich mehr als verdoppeln auf 358 Milliarden Yen (rund 2,9 Milliarden Euro). Der Verkauf der Switch-Konsolen zog so stark an, dass die Geräte in manchen Regionen ausverkauft waren. Das Spiel "Animal Crossing: New Horizons" verkaufte sich seit Start im März mehr als 22 Millionen mal.
    • Das Biotechunternehmen MorphoSys hat nach einem deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang im zweiten Quartal seine Ziele für das Gesamtjahr bestätigt. Das Unternehmen rechnet weiter mit einem Konzernumsatz von 280 bis 290 Millionen Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwischen minus 15 und plus 5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal brach der Umsatz auf 18,4 Millionen Euro ein, von 33,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das EBIt verringerte sich von minus 5,7 auf minus 50,1 Millionen Euro, der Gewinn unter dem Strichvon minus 5,9 auf minus 53,1 Millionen Euro.
    • Das Technologieunternehmen Jenoptik hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 164,6 Millionen Euro (VJ: 199,1 Millionen Euro), einen Auftragseingang von 122,2 Millionen Euro (VJ: 182,2 Millionen Euro), ein bereinigtes EBIT von 13,5 Millionen Euro (VJ: 19,7 Millionen Euro) und ein Ergebnis nach Steuern von 11,0 Millionen Euro (VJ: 14,0 Millionen Euro) erzielt. Im Ausblick auf 2020 erwartet das Management einen Umsatz (ohne Trioptics) von 770 bis 790 Millionen Euro.
    • Die Online-Apotheke Shop Apotheke Europe hat nach einem kräftigen Wachstum im ersten Halbjahr ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. So soll der Umsatz nun um mindestens 30 Prozent zulegen, nachdem zuvor ein Anstieg um mindestens 20 Prozent in Aussicht gestellt wurde. Die bereinigte EBITDA-Marge soll im Bereich von ein bis zwei Prozent liegen (bisher: ein positives bereinigtes EBITDA). Im ersten Halbjahr legte der Umsatz um 37 Prozent auf 464,7 Millionen Euro zu. Das bereinigte EBITDA betrug 11,3 Millionen Euro, nach minus 9,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019. Unter dem Strich wurde ein Verlust von 5,12 Millionen Euro verbucht, nach einem Verlust von 21,33 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
    • Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA hat seinen Ausblick für das Gesamtjahr konkretisiert und rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 16,9 und 17,7 (bisher: 16,8 bis 17,8) Milliarden Euro, einem EBITDA vor Sondereffekten (EBITDA pre) von 4,45 bis 4,85 (bisher: 4,35 bis 4,85) Milliarden Euro und einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 5,60 bis 6,25 Euro. Im zweiten Geschäftsquartal per Ende Mai konnte der Umsatz um 3,7 Prozent auf 4,119 Milliarden Euro zulegen, was aber auf Sondereffekte zurückzuführen war. Organisch sank der Umsatz um 2,5 Prozent. Der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA pre) verringerte sich um 5,7 Prozent auf 1,074 Milliarden Euro, während der Nettogewinn von 471 Millionen Euro auf 289 Millionen Euro schrumpfte. Der bereinigte Gewinn je Aktie sank von 1,54 Euro auf 1,30 Euro, was leicht unter den Erwartungen von 1,34 Euro lag.
    • Der Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise hat im zweiten Quartal trotz Krise einen deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg verbucht. Der Umsatz legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,6 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro zu, während der operative Gewinn (EBITDA) um 11,9 Prozent auf 393 Millionen Euro stieg. Unter dem Strich erhöhte sich der Nettogewinn von 153 auf 169 Millionen Euro. Rund die Hälfte des Umsatzwachstums ging auf die Übernahme der ADF/IDF-Unternehmensgruppe zurück. Organisch legten die Erlöse um 3,4 Prozent zu. Vor dem Hintergrund der starken Geschäfts- und Profitabilitätsentwicklung im ersten Halbjahr hat Symrise den Ausblick für die EBITDA-Marge im Gesamtjahr von bislang über 20 Prozent auf eine Spanne von 21 bis 22 Prozent erhöht. Das Unternehmen geht weiter davon aus, im verbleibenden Jahresverlauf erneut schneller als der relevante Markt zu wachsen. Schätzungen zufolge soll das Marktwachstum etwa 3 bis 4 Prozent betragen. Symrise sieht sich gut aufgestellt, um die Anfang 2020 bestätigten Umsatzziele zu erreichen.
    • Die Corona-Pandemie hat den Sportartikelhersteller adidas auch im zweiten Quartal schwer getroffen. Der Umsatz sank von 5,5 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 3,58 Milliarden Euro, womit die Analystenschätzungen von 3,25 Milliarden Euro allerdings leicht übertroffen wurden. Das Betriebsergebnis ging von plus 643 Millionen Euro auf minus 333 Millionen Euro zurück, was leicht unter der Prognose von minus 314 Millionen Euro lag. Der Nachsteuerverlust im fortgeführten Geschäft betrug 306 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 462 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Auf einen Ausblick für das Gesamtjahr verzichtet adidas weiter, stellt aber für das dritte Quartal wieder einen positiven Betriebsgewinn zwischen 600 und 700 Millionen Euro in Aussicht. Der Umsatzrückgang soll außerden nicht mehr so stark sein wie zuletzt. "Nach allem, was wir heute wissen, wird sich die Erholung unseres Geschäfts im dritten Quartal fortsetzen", sagte adidas-Chef Kasper Rorsted.
    • Der Konsumgüterkonzern Henkel hat im zweiten Quartal Corona-bedingt einen Umsatz- und Ergebniseinbruch verbucht. Der Umsatz sank um 6 Prozent (organisch um 5,2 Prozent) auf 9,5 Milliarden Euro, wie Henkel am Donnerstag mitteilte. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes EBIT) sank um 27,5 Prozent auf 1,191 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie sank um -29,2 Prozent von 2,77 Euro in der ersten Hälfte von 2019 auf 1,96 Euro. Bei konstanten Wechselkursen ging das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie um -28,2 Prozent zurück. "Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten können wir derzeit keinen neuen und belastbaren Ausblick für das Gesamtjahr geben", sagte Henkel-Chef Carsten Knobel.
    • Der Technologiekonzern Siemens hat in seinem dritten Geschäftsquartal unerwartet einen operativen Gewinnanstieg verbucht und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITA) legte um acht Prozent auf 1,79 Milliarden Euro zu, wie Siemens mitteilte. Erwartet wurde hingegen ein Rückgang auf 1,17 Milliarden Euro. Der Umsatz verringerte sich um fünf Prozent auf 13,49 Milliarden Euro, lag damit aber ebenfalls deutlich über den Schätzungen von 12,75 Milliarden. Unter dem Strich erzielte Siemens einen Gewinn nach Steuern von 0,535 Milliarden Euro, nach 1,137 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. "Trotz der ernsten globalen Krise konnten wir eine überzeugende operative Performance abliefern", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. "Das Strategiekonzept Vision 2020+ greift und zeigt am Beispiel der Healthineers die strategische und transformatorische Kraft, die darin steckt." Auf eine Ergebnisprognose für das noch bis Ende September laufende Geschäftsjahr 2019/20 verzichtet Siemens weiter, während für den Umsatz weiter ein Rückgang um bis zu fünf Prozent erwartet wird.
    • Der Rückversicherungskonzern Munich Re verzichtet weiter auf eine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Im zweiten Quartal brach der Nachsteuergewinn wie bereits bekannt auf 579 Millionen Euro ein, von 993 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Bruttobeiträge erhöhten sich um 8,7 Prozent auf 12,83 Milliarden Euro. Die Schäden im Zusammenhang mit der Corona-Krise beziffert Munich Re bisher auf rund 700 Millionen Euro. Wie das Unternehmen im Rahmen der Vorlage des Quartalsberichts weiter mitteilte, konnte in der zum 1. Juli anstehenden Erneuerungsrunde der Rückversicherungsverträge ein Anstieg des Geschäftsvolumens um 8,3 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro verzeichnet werden. Das Preisniveau erhöhte sich um 2,8 Prozent.
    • Die Lufthansa hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 1,89 Milliarden Euro (VJ: 9,57 Milliarden Euro) erzielt, davon Verkehrserlöse von 1,10 Milliarden Euro (VJ: 7,57 Milliarden Euro), ein EBITDA (bereinigt) von minus 1,03 Milliarden Euro (VJ: 1,41 Milliarden Euro), ein EBIT (bereinigt) von minus 1,67 Milliarden Euro (VJ: 0,754 Milliarden Euro, Analystenprognose: minus 1,961 Milliarden Euro) und ein Konzernergebnis von minus 1,49 Milliarden Euro (VJ: 0,224 Milliarden Euro, Prognose: minus 1,774 Milliarden Euro). Lufthansa will Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern; Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen nicht mehr realistisch; seit Anfang Juli 2,3 Milliarden Euro aus Staatshilfen erhalten; Ticketnachfrage dürfte frühestens 2024 das Niveau von 2019 erreichen; Sanierungsprogramm umfasst Abbau von 22.000 Vollzeitjobs; per Ende Juni wurden fast 8.300 Stellen im Vergleich zum Vorjahr abgebaut.
    • Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf hat im ersten Halbjahr einen Umsatz von 3,44 Milliarden Euro (VJ: 3,83 Milliarden Euro), ein EBIT (ohne Sondereffekte) von 472 Millionen Euro (VJ: 593 Millionen Euro), eine Umsatzrendite nach Steuern von 8,4 Millionen Euro (VJ: 10,9 Millionen Euro) und ein Ergebnis nach Steuern von 291 Millionen Euro (VJ: 417 Millionen Euro) erzielt. Im Ausblick auf 2020 erwartet das Management einen Umsatzrückgang und eine EBIT-Rendite (bereinigt) die sich "signifikant" unter dem Vorjahreswert befindet.

    Konjunktur & Politik

    • Im Streit um die Ostseepipeline Nord Stream 2 haben US-Senatoren dem deutschen Fährhafen Sassnitz auf Rügen "rechtlich verbindliche" und wirtschaftlich "vernichtende" Sanktionen angedroht, wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet. Der Hafen liege im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel, schreibt das Blatt. Merkel könnte sich deshalb entschiedener als bisher hinter die betroffenen deutschen Unternehmen stellen, heißt es.
    • Nach Anstiegen in den beiden Vorwochen sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche überraschend stark gesunken. Insgesamt stellten 1,186 Millionen US-Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Damit wurde das niedrigste Niveau seit März erreicht. Erwartet wurden 1,410 Millionen Erstanträge, nach 1,434 Millionen in der Vorwoche. In den beiden Vorwochen waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe von einem ohnehin stark erhöhten Niveau aus wieder angezogen, was den Markt verunsichert hatte.
    • Die Bank of England hat ihren geldpolitischen Kurs beim Zinsentscheid am Mittwoch nicht verändert. Das Volumen des Wertpapierkaufprogramms wurde unverändert bei 745 Milliarden Pfund belassen, nachdem es im Juni um 100 Milliarden Pfund aufgestockt worden war. Nach dem aktuellen Stand dürfte das Anleihekaufprogramm zum Jahresende beendet sein, so die Notenbank. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,10 Prozent. Die Notenbank betonte aber die Bereitschaft, falls notwendig weitere Maßnahmen zu ergreifen. Die Entscheidung zum Leitzins fiel einstimmig, die Entscheidung zum Anleihekaufprogramm mit acht zu eins Stimmen.
    • Der reale Auftragseingang in der deutschen Industrie ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Juni 2020 saison- und kalenderbereinigt um 27,9 Prozent gegenüber dem Vormonat Mai angestiegen. Erwartet wurde nur ein Anstieg um 10,3 Prozent, nach einem Plus von 10,4 Prozent im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Juni 2019 gab es einen kalenderbereinigten Rückgang um 11,3 Prozent. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen lag der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im Juni 2020 saison- und kalenderbereinigt 23,8 % höher als im Mai 2020.

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