DAX

    Eine Einigung im griechischen Schuldendrama scheint wieder in Reichweite. Athen hat am Sonntag neue Vorschläge für eine „endgültige Lösung“ der Krise vorgelegt. Die Europäische Kommission hat am Montagmorgen mit Zuversicht auf den Reformkatalog reagiert. Der Kabinettschef von Kommissionspräsident Juncker, Selmayr, schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Vorschläge seien eine gute Basis für Fortschritte. Selmayr sprach aber auch von einer „Zangengeburt“.

    Das Schreiben aus Athen sei auch bei der Europäischen Zentralbank und beim Internationalen Währungsfonds eingegangen. Die von Griechenland am Wochenende vorgelegten Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise sehen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen vor, um die Budgetziele zu erfüllen. Nach den Worten von EVP-Fraktionschef Weber sind die neuen Ansätze aus Griechenland „substanzieller“. Er deutete an, dass ein Grexit vermeidbar ist.

    Nach den Worten des griechischen Staatsministers Flambouraris geht es im Schuldenstreit mit den Gläubigern nur noch um Maßnahmen im Volumen von 450 Millionen Euro. Finanzminister Varoufakis rechnet deshaul auch mit einer Übereinkunft mit den Kreditgebern. „Wir sind auf dem Weg zu einer Lösung“, so Varoufakis am Sonntag.

    Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) zufolge übermittelte die EU-Kommission der griechischen Regierung am Wochenende einen weiteren Fahrplan zur Einigung auf ein Reformprogramm. So muss Athen jährlich Einsparungen in Höhe von 2,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung erzielen, das sind 4,5 Milliarden Euro. EU-Parlamentspräsident Schulz (SPD) warnte Athen vor den Folgen eines Bruches mit der Eurozone. Der FAS sagte er: „Was nicht geht: aus dem Euro ausscheiden, seine Schulden nicht zurückzahlen, aber erwarten, dass die Mittel aus dem EU-Haushalt weiter fröhlich fließen.“

    Der griechische Ministerpräsident Tsipras wird heute noch vor dem Auftakt zum Euro-Sondergipfel mit den internationalen Geldgebern zusammenkommen. Nach übereinstimmenden Medienberichten trifft der griechische Premier in Brüssel Kommissionspräsident Juncker, Eurogruppen-Chef Dijsselbloem sowie die Spitzen von IWF und EZB, Lagarde und Draghi. Bundesfinanzminister Schäuble rechnet auch beim heutigen Treffen der Staats- und Regierungschefs nicht mit einem konkreten Ergebnis. Es sei natürlich legitim, dass EU-Ratspräsident Donald Tusk zu dem Treffen eingeladen habe. Ob dabei viel herauskomme, sei eine andere Frage, sagte Schäuble. Auch der CDU/CSU-Obmann im Bundestagsfinanzausschuss, Michelbach, kann nicht an einen Durchbruch in der griechischen Finanzkrise glauben. „Ich warne vor faulen politischen Kompromissen beim bevorstehenden EU-Sondergipfel. Nur eine ökonomisch nachhaltige Lösung ist vertretbar", mahnte Michelbach.

    Die Hoffnung auf einen Durchbruch in der Griechenlandkrise treibt den DAX vorbörslich enorm an. Banker und Broker taxieren die 30 deutschen Standardwerte eine Viertelstunde vor Handelsauftakt 2,45 Prozent höher bei 11.312 Punkten. Die deutschen Standardwerte folgen damit auch den guten Vorgaben aus Asien.

    EZB weitet ELA-Rahmen erneut aus

    Die Europäische Zentralbank hat den Rahmen der ELA-Notkredite für griechische Banken abermals ausgeweitet. Wegen massiver Kapitalabflüsse hatte die griechische Notenbank den Antrag auf eine Anhebung um 3,3 Milliarden Euro gestellt. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete, die EZB habe der Erhöhung in der beantragten Größenordnung zugestimmt. Erst am Mittwoch hatte die EZB das Volumen um 1,1 Milliarden Euro auf 84,1 Mrd. erhöht.

    Asselborn sieht TTIP-Verhandlungen kritisch

    Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sieht ein Vorankommen bei den Verhandlungen über das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) mit großer Skepsis. „Ich sehe weder in der Substanz noch im Prozess eine Chance, dass unter luxemburgischer Präsidentschaft die TTIP-Verhandlungen abgeschlossen werden", sagte er der Süddeutschen Zeitung.

    Erdgaspipelinebetreiber Williams Cos stemmt sich gegen Übernahmeversuche

    Der US-Erdgaspipelinebetreiber Williams Cos hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 48 Milliarden Dollar (64 Dollar je Aktie) von einem nicht genannten Bieter abgelehnt, da es den Wert des Unternehmens „nicht angemessen widerspiegele“. Die Investmentbanken Barclays und Lazard seien damit beauftragt, Alternativen wie eine Fusion oder einen Verkauf auszuloten.

    Bouygues weist Angebot von Altice zurück

    Der französische Milliardär Patrick Drahi will Kreisen zufolge für mehr als 10 Milliarden Euro Frankreichs drittgrößte Telekomfirma vom Mischkonzern Bouygues kaufen. Drahis Kabel- und Telekomkonzern Altice habe die Offerte für Bouygues Telecom über seinen französischen Kabel- und Telekomkonzern Numericable-SFR gemacht, berichtete Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Bouygues Telecom soll das Angebot von Altice „unerwünscht“ bezeichnet und zurückgewiesen haben. Es fänden keine Gespräche statt, hieß es aus Paris.

    Deutsche Annington schaut sich weiter um

    Der größte deutsche Wohnungsvermieter Deutsche Annington plant weitere Übernahmen. Der Welt am Sonntag sagte Konzernchef Buch: „Wir schauen uns jedes Portfolio ab 1.000 Einheiten an, das in Deutschland auf den Markt kommt, ob es strategisch zu uns passt, und werden weiter zukaufen.“

    Steuereinnahmen in Deutschland legen zweistellig zu

    Bund, Länder und Kommunen nahmen im vergangenen Monat 13,6 Prozent mehr ein als im Vorjahresmonat, wie das Bundesfinanzministerium in Berlin mitteilte. Danach beläuft sich die Summe auf knapp 45 Milliarden Euro. Der große Zuwachs sei unter anderem einem Sondereffekt bei der Kernbrennstoffsteuer geschuldet, hieß es.

    Neue Streiks bei der Lufthansa?

    Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa will die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Montag ihr weiteres Vorgehen bekannt geben, nachdem die Schlichtung am Samstag kein Ergebnis brachte. Auch eine Streikankündigung ist möglich. Strittig sind vor allem die Übergangs- und Altersversorgung des Kabinenpersonals.