DAX

    Seit Wochen haben EZB-Präsident Mario Draghi sowie weitere EZB-Ratsmitglieder keinen Hehl daraus, dass sie im Falle einer weiterhin niedrigen Inflation in der Eurozone alle zur Verfügung stehenden Mittel in Betracht ziehen wollen und auch einzusetzen gedenken. Trotz vereinzelter, zur Vorsicht mahnender Stimmen aus dem EZB-Rat (Jens Weidmann) galt die Ankündigung neuer geldpolitischer Lockerungen im Anschluss an die Dezember-Sitzung der Europäischen Notenbank am Markt als sicher. Diskutiert wurde lediglich, in welchem Umfang der EZB-Rat die Geldschleusen öffnen wird.

    Auf dem Wunschzettel der Anleger standen neben einer weiteren Absenkung des Einlagesatzes für Banken folglich eine Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe und eine Verlängerung des QE-Kaufprogramms über den September 2016 hinaus. Erwartungsgemäß senkte die EZB gestern zwar den Zinssatz für die Einlagefazilität von -0,20 auf -0,30 Prozent weiter in den negativen Bereich. Doch besagtes Anleihenkaufprogramm im Volumen von bisher monatlich 60 Milliarden Euro wird in dieser Höhe beibehalten. Es soll aber nun bis Ende März 2017 laufen und nicht nur bis Ende September 2016. EZB-Präsident Draghi betonte in der Pressekonferenz erneut, dass dieses Programm nötigenfalls so lange laufen werde, bis der Inflationspfad nachhaltig aufwärtsgerichtet ist in Richtung des EZB-Zielwertes „von nahe, aber unter 2 Prozent“. Rückzahlungen von Anleihen und Zinszahlungen im QE-Programm werden nun reinvestiert. Damit steigt das Gesamtpaket auf 1.460 Milliarden Euro. Das Kaufprogramm umfasst zudem nun zusätzlich regionale und kommunale Papiere.

    EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat die Beschlüsse der Notenbank gegen Kritik verteidigt. Die Verlängerung des Anleihekaufprogrammes sei das richtige Mittel, den schwachen Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone zu unterstützen, sagte Nowotny im österreichischen Fernsehen. Die Marktreaktion war indes heftig: Die Entscheidung der EZB wurde den hohen Markterwartungen nicht gerecht und sorgte beim DAX für eine regelrechtes Kursgewitter. „Die EZB lockert die Geldpolitik nur moderat und widersteht damit den Markterwartungen", betont die Nord/LB in einem Marktkommentar. „Die Märkte, die zuvor ein Übertreffen ihrer ohnehin hochgesteckten Erwartungen eingepreist hatten, wurden enttäuscht. Wenn man so will, ist es ein wirklich gutes Zeichen, dass sich der Rat nicht von den Märkten treiben lässt. Zudem hat die EZB keinen unnötigen Druck für andere Zentralbanken aufgebaut.“

    Der deutsche Leitindex schloss gestern bei 10.789 Punkten, was einem Minus von 3,6 Prozent entspricht. Zeitweilig gaben die Notierungen bis auf 10.780 Punkte nach. Für heute wird ein einigermaßen stabiler Auftakt beim DAX erwartet. Vor diesem Hintergrund konnte der Euro zum US-Dollar deutlich zulegen und ging gestern mit Kursen jenseits der 1,09 US-Dollar aus dem Markt. Das Tageshoch lag bei 1,0982 Dollar.

    Nachdem an der geldpolitischen Front in Europa nun etwas Ruhe einkehren sollte, richten sich die Blicke wieder vermehrt in die USA. Dort gibt es wenig Zweifel am Ende der Nullzinspolitik. Die heutigen Datenveröffentlichungen zum Arbeitsmarkt haben insofern überragendes Gewicht, dabei sind aber die Vorgaben positiv.

    Bundesbank veröffentlicht Wachstumsprognose

    Die Bundesbank erwartet ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,7 Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent in 2016, wie aus der neuesten Prognose der Bundesbank vom Freitag hervorgeht. Vor allem die starke Binnennachfrage mit konsumfreudigen Verbrauchern trage den Aufschwung.

    RWE setzt den Fokus auf die Erneuerbaren

    Der vor der Aufspaltung stehende Energiekonzern RWE will seine Investitionen in Erneuerbare Energien ausweiten und dabei auch einen Fokus auf Nordrhein-Westfalen legen. Viele der Windkraftanlagen an Land, in die wir investieren, werden in NRW stehen", sagte Konzernchef Peter Terium dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Zudem sei vorgesehen, bei Windparks auf dem Meer größere Anteile selbst zu behalten.

    Yahoo: Mehrere Interessenten für das Kerngeschäft

    Für das Internet-Kerngeschäft von Yahoo, das möglicherweise verkauft werden soll, gibt es laut Medienberichten erste Interessenten. Dem Wall Street Journal zufolge könnten auch der US-Telekomriese Verizon und die Internetfirma IAC eine Übernahme ausloten. Dazu hätten mehrere Finanzinvestoren ihr Interesse bekundet.

    Stühlerücken im MDAX

    Covestro, die frühere Bayer-Sparte, steigt zum 21. Dezember in den Mittelwerte-Börsenindex MDAX auf und ersetzt dort den Lastwagenbauer MAN. Der Reklamekonzern Ströer wird zudem Kabel Deutschland ersetzen.