DAX

Sorgen vor einer neuen Bankenkrise in Portugal führen am Donnerstag europaweit zu Kursverlusten. Der wichtigste Anteilseigner der portugiesischen Banco Espirito Santo ist offenbar zahlungsunfähig. Die Aktien der Bank brachen um mehr als 16% ein. Das verstärkt die Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Eurokrise. Die Anleiherenditen der Krisenstaaten ziehen deutlich an und Kreditausfallversicherungen legen zu. Der deutsche Aktienmarkt wird zudem von schwachen Konjunkturdaten aus Europa und Asien und der sich zuspitzenden Lage im Nahen Osten belastet. Der DAX verliert 1,49% und steht aktuell bei 9.662 Punkten. Israel bereitet offenbar eine Bodenoffensive im Gazastreifen vor (siehe Thema des Tages).

Charttechnik

Die Verkaufswelle im DAX geht heute in die nächste Runde. Unterhalb von 9.718 Punkten bleiben die Aussichten bärisch und die Möglichkeit neuer Tagestiefs muss eingeplant werden. Allerdings könnte das heutige Abwärtspotential auch zu weiten Teilen bereits ausgeschöpft sein, so dass Anleger auf Zeichen einer Bodenbildung achten sollten.

Thema des Tages

Im Nahen Osten spitzt sich die Lage weiter zu. Israel hat 20.000 Reservisten eingezogen, um sich auf eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen vorzubereiten. Diese soll nach israelischen Angaben allerdings nur die „letzte Option“ sein. In der Nacht griff die israelische Armee mehr als 300 Ziele im Gazastreifen an, um den Raketenbeschuss auf Israel zu stoppen. Radikale feuerten in der Nacht neun Raketen auf Israel ab, die aber zu keinen Opfern führten.

Aktien im Blick

Die größten Kursverluste im DAX müssen Lufthansa (-3,84%) und Commerzbank (-3,48%) verbuchen. Zulegen können aktuell nur die Papiere von Fresenius (+0,22%).

Nach Quartalszahlen sind Gerresheimer (+5,71%) und Südzucker (+3,36%) die größten Gewinner im MDAX. Beide Unternehmen konnten die Erwartungen deutlich übertreffen.

Berichte über einen Auftrag im Volumen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar von der indischen Fluggesellschaft IndiGo haben die Airbus-Aktien im frühen Handel beflügelt. Inzwischen notieren die Aktien allerdings wieder leicht im Minus. Airbus-Mitarbeiter sollen saudi-arabische Funktionäre bestochen haben, um an einen Milliardenauftrag zu kommen. Die britische Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) ermittelt.

Konjunktur

Die Industrieproduktion in Italien und Frankreich ist im Mai überraschend gesunken. In Italien wurde ein Rückgang um 1,2% im Vergleich zum Vormonat verzeichnet. Die Volkswirte hatten einen Anstieg um 0,6% erwartet, nach einem Plus von 0,5% im Vormonat. In Frankreich sank die Industrieproduktion im Mai um 1,7%. Nach einem Plus von 0,3% im Vormonat hatten die Analysten mit einem Anstieg um 0,5% gerechnet.

In Griechenland lag die Arbeitslosenquote im April bei 27,3%. Erwartet wurde ein Rückgang der Quote auf 26,7%. Der Vormonatswert wurde von 26,8% auf 27,3% nach oben revidiert.

Der chinesische Außenhandel hat sich im Juni schwach entwickelt. Die Exporte erhöhten sich nur um 7,2% im Vergleich zum Vorjahr, während die Analysten mit einem Plus von 10,4 gerechnet hatten. Die Importe legten um 5,5% zu. Das Handelsbilanzsaldo lag mit 31,6 Milliarden US-Dollar unter den Erwartungen von 37,3 Milliarden und unter dem Vormonatsniveau von 35,9 Milliarden Dollar.

Der japanische Maschinenbau hat im Mai einen Auftragseinbruch verzeichnet. Die sogenannte Kernrate der Maschinenaufträge brach um 19,5% gegenüber dem Vormonat ein. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,9%, nach einem Rückgang um 9,1% im April.

Währungen

EUR/USD hat am Donnerstag zunächst ein frisches Wochenhoch bei 1,3651 erreicht, bevor es im weiteren Handelsverlauf nach schwachen Daten aus der französischen und italienischen Industrie zu einem Rücksetzer kam. GBP/USD gibt im Vorfeld des Zinsentscheids der Bank of England (BoE) kräftiger nach. Volkswirte erwarten im Konsens einen weiterhin unveränderten Leitzins von 0,50%.

AUD/USD fällt am Donnerstag nach Bekanntgabe eines Anstiegs der australischen Arbeitslosenquote und enttäuschenden chinesischen Handelsbilanzzahlen zurück. USD/SEK gibt nach positiven Inflationsdaten aus Schweden nach.

Rohstoffe

Die Angst vor einer Eskalation der Lage im Nahen Osten stützt heute auch den Goldpreis. Das Edelmetall verteuert sich um 1,09% auf 1.342,88 Dollar je Feinunze. Silber legt noch stärker zu.