DAX

    Nach Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank können die Aktienmärkte weltweit deutlich zulegen. In Deutschland gewinnt der DAX rund 1,5 Prozent auf 11.129 Punkte. Zuvor waren die Kurse bereits an der Wall Street und in Asien kräftig gestiegen. Zwar dürfte die US-Notenbank im Dezember zum ersten Mal seit der Finanzkrise die Leitzinsen wieder anheben, allerdings dürfte es anschließend nur sehr behutsam weitere Erhöhungen geben. Die chinesische Notenbank senkte unterdessen am Donnerstag ihren Zinssatz für die Spitzenrefinanzierung, der aber in der chinesischen Geldpolitik nur eine untergeordnete Rolle spielt.

    Charttechnik

    Mit dem heutigen Kursanstieg hat der DAX nicht nur die Handelsspanne der vergangenen Tage, sondern auch eine längerfristige Abwärtstrendlinie seit April 2015 und die gleitende 200-Tage-Linie überwunden. Es bleibt aber abzuwarten, ob der DAX sich nachhaltig oberhalb der bisherigen Widerstandszone von 11.070 Punkten behaupten kann. Auf der Oberseite könnte zunächst das Hoch vom 12. August bei 11.154 Punkten weitere Kursgewinne begrenzen. Sollte der DAX auch diese Hürde nachhaltig überwinden, könnte sich die Rally zunächst bis auf 11.280 Zähler fortsetzen.

    Thema des Tages

    Die US-Notenbank steuert immer deutlicher auf eine Leitzinserhöhung im Dezember zu. Die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses seien der Meinung, dass die "Bedingungen für eine Zinsanhebung bei der nächsten Sitzung gegeben sein könnten", heißt es in dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll zur letzten Sitzung am 27. und 28. Oktober. Einige Mitglieder zeigten sich überzeugt, dass die Bedingungen für eine Zinserhöhung bereits jetzt erreicht seien. Gleichzeitig betonte die US-Notenbank im Protokoll, dass noch keine Entscheidung über eine Zinserhöhung getroffen worden sei und dass die Leitzinsen nach einem ersten Zinsschritt wohl nur behutsam weiter angehoben werden sollen (ausführliche Meldung).

    Aktien im Blick

    Der Stahlkonzern ThyssenKrupp hat im vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 von seinem harten Sparprogramm profitiert und den Gewinn wieder deutlich gesteigert. Die Zahlen lagen insgesamt zwar unter den Erwartungen, aber die mittelfristigen Aussichten können die Anleger wieder besänftigen. So will der Konzern „so schnell wie möglich“ das operative Gewinnziel von zwei Milliarden Euro überspringen. Die Aktien legen um 3,08 Prozent zu und gehören damit zu den stärksten DAX-Werten, nachdem die Papiere im frühen Handel noch deutlich schwächer notiert hatten.

    Die Lufthansa-Aktien können sich mit einem Plus von knapp vier Prozent an die DAX-Spitze setzen und sich damit von den Kursverlusten infolge der Paris-Anschläge erholen. Neue Verhandlungsbereitschaft im Tarifstreit mit den Flugbegleitern und ein Auftrag für Lufthansa Technik sorgen für gute Stimmung.

    Schlusslicht im DAX mit einem Plus von weniger als einem halben Prozent sind die als defensiv geltenden Anteilsscheine von Beiersdorf und Fresenius Medical Care.

    Im SDAX notieren die Aktien des Online-Tierbedarfhändlers Zooplus wegen einer Aktienplatzierung knapp fünf Prozent schwächer. Nach guten Zahlen waren die Aktien am Mittwoch noch sehr gefragt gewesen.

    Konjunktur

    Der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone hat sich im September deutlich ausgeweitet. Saisonbereinigt belief sich der Überschuss auf 29,4 Milliarden Euro, wie die EZB am Vormittag mitteilte. Erwartet wurden nur 18,3 Milliarden Euro nach revidiert 18,7 (zunächst 17,7) Milliarden Euro im Vormonat.

    Der Einzelhandelsumsatz in Großbritannien ist im Oktober um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Erwartet wurde ein Minus von 0,4 Prozent, nach einem Anstieg um revidiert 1,7 (zunächst 1,9) Prozent im Vormonat.

    Am Nachmittag könnten das Protokoll der letzten EZB-Sitzung (13.30 Uhr), die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (14.30 Uhr) und der Philadelphia-Fed-Index (16.00 Uhr) für zusätzliche Bewegung sorgen.

    Währungen

    Der US-Dollar fällt am Donnerstag im Zuge der Korrektur auf breiterer Basis zurück, nachdem der Greenback zur Wochenmitte angesichts der Aussicht auf eine US-Zinsanhebung im Dezember neue Höchststände erreicht hatte. EUR/USD legt von seinem gestern bei 1,0615 erreichten Siebenmonatstief bislang bis 1,0718 im Hoch zu, während GBP/USD seinen Anstieg der vergangenen Tage trotz enttäuschender britischer Einzelhandelsumsätze bislang bis 1,5294 im Hoch fortsetzte.

    USD/JPY gibt vom gestrigen Dreimonatshoch bei 123,75 bislang bis 123,06 nachdem die Bank of Japan ihre ultralockere Geldpolitik unverändert belassen und der japanische Gesamtwirtschaftsindex enttäuscht hat. USD/CHF fällt unterstützt von einem besser als erwarteten schweizerischen Handelsbilanzsaldo von seinem frischen Zehnmonatshoch bei 1,0219 bislang bis 1,0142 im Tief zurück.

    Rohstoffe

    Die Aussicht auf nur langsam steigende Leitzinsen in den USA kann die Rohstoffe am Donnerstag auf breiter Front beflügeln. Unter anderem Edelmetalle und Rohölpreise legen zu.