DAX

    Die Aktienmärkte reagieren einen Tag nach der Entscheidung der US-Notenbank verschnupft. Der DAX gibt am Mittag 2,89 Prozent auf 9.940 Punkte ab. Die Fed lässt die Zinsen unverändert und die Marktteilnehmer damit in einer noch größeren Ungewissheit über die künftige Geldpolitik im Regen stehen. Die Anleger hätten sich mehr Klarheit gewünscht, außerdem stößt die pessimistische Denkweise der Fed auf Unverständnis: „Jüngste globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die wirtschaftliche Aktivität bremsen und Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben", so Fed-Chefin Yellen. „Der Eiertanz der Fed geht weiter“, urteilte das Bankhaus Lampe. „Die Finanzmärkte spüren die Angst der Zentralbank“, hieß es von der Unicredit.

    Am Markt keimen nun, wenn die Notenbank sich schon diesbezüglich zurückhält, auch bei den Anlegern die Sorgen über die chinesische Wirtschaft und die Aktienmärkte wieder auf. Auf den DAX wirkt zusätzlich der nun wieder stärkere Euro belastend. Wichtig für diesen Tag ist zudem, dass an den Terminbörsen Futures und Optionen auf Aktien und Indizes auslaufen, es ist „Hexensabbat“. Zum Teil heftigere Schwankungen sind heute nicht auszuschließen.

    Charttechnik

    Nach dem Ausbruch unter 10.170 Punkte heute früh, arbeitet der DAX seine Shortziele bis aktuell hin zu 9.996 Punkten in perfekter Manier ab. Angesichts des 9.996 bis 9.928-iger Bereichs und dem kurzfristig überverkauften Markt wäre eine Gegenbewegung möglich. Der Index bleibt aber auch mit dieser bärisch und hat bei 10.080 bzw. 10.170 Punkten seine nächsten größeren Widerstände.

    Thema des Tages

    Die Federal Reserve hat auf ihrer September-Sitzung den Leitzins unverändert bei 0 - 0,25 Prozent belassen. Am Markt war dieser Schritt erwartet worden. Die Äußerungen der Fed-Präsidentin, Janet Yellen, fielen aber überraschend taubenhaft aus. So bezeichnete die Fed das Wachstum trotz der jüngsten Beschleunigung als weiterhin moderat. Dem Arbeitsmarkt konstatierte sie eine anhaltende Verbesserung. Zugleich wies sie aber auch auf die anhaltend niedrige Inflation hin, wobei sie auch auf die gesunkenen Inflationserwartungen einging. Entsprechend hat die Fed ihre Projektionen für die Kerninflationsrate in den Jahren 2016 und 2017 leicht gesenkt. Mit der Erreichung ihrer Zielgröße für die Kerninflation von 2 Prozent rechnen die Währungshüter jetzt erst für das Jahr 2018.

    Hervorgehoben wurde, dass die globale Konjunktur und die Entwicklungen an den globalen Finanzmärkten beobachtet werden, da sie ein Risiko für die US-Wirtschaft darstellten. Die Mehrheit der FOMC-Mitglieder rechnet dennoch weiterhin mit einem ersten Zinsschritt in diesem Jahr, wobei auch eine Anhebung im Oktober nicht auszuschließen ist. Viele Ökonomen kritisierten überwiegend die vertagte Zinswende in den USA. „Es ist bedauerlich, dass die Fed aufgrund der Volatilität auf den globalen Finanzmärkten und der Sorge um das Wachstum im Ausland vor allem in den Schwellenländern und China keine Zinsanpassung vorgenommen hat, sagte David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank. „Jetzt einen Normalisierungsprozess einzuleiten, wäre absolut angemessen und ehrlich gesagt, schon lange überfällig gewesen“. Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank Gruppe ergänzt. „Im Dezember sollte es aber soweit sein. Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit."

    Aktien im Blick

    Die Aktie von Daimler büßte zuletzt 4,43 % ein und die von BMW 3,06 %. Die Vorzüge von Volkswagen verbilligten sich um 2,65 %. Den Autowerten macht der wiedererstarkte Euro zu schaffen.

    Berg- und Talfahrt bei RWE: Nach der gestrigen Erholung folgt heute der nächste Absturz. Aktuell verliert das Papier 4,77 %. Die Verhandlungen mit einem arabischen Investor über einen Einstieg sind abgebrochen worden, so das Unternehmen.

    Die HSBC empfiehlt Adidas zum Kauf und hob dabei die konzerneigenen „stärker als erwarteten Wachstumsaussichten“ in diesem und dem kommenden Jahr hervor. Der Kurs legt um 1,64 % zu.

    Konjunktur

    Ergebnis einer BaFin-Umfrage: Die anhaltend niedrigen Zinsen belasten die deutschen Kreditinstitute über einen Zeitraum von fünf Jahren deutlich. Die meisten Institute sind jedoch angesichts des vorhandenen Überschusskapitals und verfügbarer stiller Reserven widerstandsfähig gegenüber den Belastungen aus dem Niedrigzinsumfeld.

    Der saisonbereinigte Überschuss in der Leistungsbilanz des Euroraums hat sich im Juli von 24,9 Milliarden Euro im Vormonat auf 22,6 Milliarden Euro reduziert, wie die EZB mitteilte.

    Währungen

    Der US-Dollar fällt nach dem unveränderten Zinsentscheid der US-Notenbank gegenüber den anderen Hauptwährungen zurück. Die Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass der Fed-Entscheid den US-Dollar nur kurzfristig belasten wird. EUR/USD setzt seinen gestrigen Anstieg fort und notierte bislang bei 1,1460 im Hoch – ein Dreiwochenhoch.

    GBP/USD erreichte ebenfalls bislang zuhöchst ein Dreiwochenhoch bei 1,5658 und auch der Yen legt gegenüber dem US-Dollar deutlich zu. Im Tief notierte USD/JPY trotz eines eher pessimistischen BoJ-Sitzungsprotokolls bislang bei 119,02.

    Rohstoffe

    Die Ölpreise legt am Freitag etwas zu. Gegen Mittag kostete ein Barrel Brent 49,61 US-Dollar. Das waren 53 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass WTI stieg hingegen nur um drei Cent auf 46,93 Dollar. Die erneute Verschiebung der US-Zinswende hatte den US-Dollar belastet. Die Aussicht auf einen etwas schwächeren Dollar stütze hingegen die Ölpreise. Ein Rückgang des Dollarkurses macht Rohöl in Ländern außerhalb des Dollarraums günstiger.