• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 11.732,55 Pkt

Ist das die Kaufgelegenheit, auf die viele Anleger gewartet haben? Oder sehen wir gerade den Anfang von einer neuen, heftigen Abwärtswelle? Schauen wir mal, wie das die Anleger sehen.

Mit 55 % (+38 %) sehen die meisten Anleger den DAX in einer Abwärtsbewegung. Nur noch 28 % (-24 %) glauben an eine übergeordnete Seitwärtsbewegung. Die Niedergeschlagenheit unter Anlegern ist extrem.

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DAX

Anleger auf falschem Fuß erwischt

Von dieser Entwicklung sind die meisten Anleger völlig überrascht worden. 30 % (+20 %) geben an, auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein, weitere 31 % (+1 %) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche kaum erfüllt. Nur noch 28 % (-24 %) fühlen sich in ihrer Erwartung überwiegend bestätigt, auf den Ausverkauf spekuliert haben wollen immerhin 11 % (+3 %). Die Verunsicherung unter den Anlegern ist groß, aber noch nicht extrem.

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Das war's, sagen immerhin 8 % unserer Umfrageteilnehmer, und wechseln vom Lager der Pessimisten in das der Neutralen oder erwarten nun eine Bodenbildung. Damit fürchten nur noch 24 % (-8 %) der Anleger für den DAX in drei Monaten weiter fallende Kurse, 37 % (+3 %) erwarten eine Seitwärtsbewegung und weitere 14 % (+7 %) eine Bodenbildung. Immerhin weiterhin 24 % gehen von steigenden Kursen in drei Monaten aus. Der Zukunftspessimismus, der uns seit Februar kontinuierlich begleitet hat, ist damit nun endgültig verschwunden. Die Erwartungshaltung kann als neutral bezeichnet werden.

Und entsprechend diesem Erwartungsumschwung wollen nun auch 21 % (+9 %) die nunmehr niedrigeren Kurse zum Nachkaufen nutzen. Nur noch 17 % (-2 %) wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien verkaufen. Mit 62 % (-7 %) sind weiterhin die meisten Anleger aktuell noch unentschlossen über ihre nachten Aktivitäten. Damit ist die Investitionsbereitschaft diese Woche sprunghaft angestiegen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf +7 angesprungen und zeigt somit eine stark bullische Positionierung an. Institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, haben ihre Put-Absicherungen ebenfalls stark zurückgefahren und sind nunmehr bullisch positioniert. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 0,9 gefallen, der Durchschnitt liegt bei 1,5.

In den USA hingegen ist die Reaktion der Anleger nicht so deutlich, das Put/Call-Verhältnis ist weiterhin durchschnittlich.

Fondsanleger haben ihre hohe Investitionsquote aus der Vorwoche wieder ein wenig zurückgefahren: -4 % auf 91 %.

US-Privatanleger wechseln genau wie ihre deutschen Kollegen ins Bullenlager, die Bullenquote ist auf 14 % angesprungen.

Der technische Angst & Gier Indikator des S&P 500 ist auf 35 % gefallen und zeigt somit leichte Angst an, die unterstützend wirken kann. Der stärker schwankende Short Range Oscillator des S&P 500 ist auf die Nulllinie zurück gefallen und zeigt eine neutrale Verfassung an. Kurzfristig kann es also noch weiter nach unten gehen.


Interpretation

"Das war's", könnte man die Anleger sagen hören, wenn man sich unser heutiges Umfrageergebnis anschaut. Die Kaufbereitschaft ist angesprungen, der Optimismus kehrt zurück. Als wenn viele Anleger nur noch auf diesen letzten Ausverkauf in diesem Sommer gewartet hätten, um endlich bei der Rally dabei zu sein.

Stutzig macht mich dabei jedoch der anhaltende Pessimismus, den wir seit Februar verzeichnet haben. Daraus lässt sich ableiten, dass viele Anleger die Rally nicht ausreichend mitgemacht haben. Sie mussten unterinvestiert den steigenden Kursen zuschauen und fühlen sich nun ermutigt, herzhaft zuzugreifen, um von nun an auch endlich dabei zu sein, wenn der DAX seine Rally in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt.

Doch die Erfahrung zeigt, dass ein so eindeutiges Verhalten selten belohnt wird. Wenn sich so viele Anleger sicher sind, dass der Ausverkauf dieser Woche eine gute Kaufgelegenheit darstellt, dann sind viele bereits investiert. Für die fallenden Kurse hätten dann Verkäufe von internationalen Anlegern gesorgt, die aufgrund der wachsenden Konjunktursorgen den Exportweltmeister Deutschland aus ihrem Depot entfernt haben.

Wenn sich internationale Anleger auf schwere Zeiten vorbereiten, dann holen sie ihr Kapital zurück nach Hause, suchen sich "sichere Häfen" wie Anleihen, Gold und Dividendenaktien und halten sich von einer Region, die den Brexit vor Augen hat, auf einen Handelsstreit mit Trump zuläuft und keine funktionierende Einheit hat, fern.


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Jeden Dienstag erhebt Joachim Goldberg für die Deutsche Börse ebenfalls die Stimmung unter Anlegern. In dieser Woche stellt Goldberg eine "deutliche Verschlechterung der Stimmung" unter den Privatanlegern fest. Auch die institutionellen Anleger haben sich am Dienstag dieser Woche gemäß der Umfrage von Goldberg noch überwiegend pessimistisch gezeigt.

Wenn wir also Goldbergs Beobachtung mit unserer Umfrage zusammenführen, dann ist die Zukunftserwartung der Anleger im Verlauf dieser Woche zunächst stark pessimistisch gewesen und dann um so heftiger ins Positive umgeschlagen.

Überhaupt schwankte die Erwartung in den vergangenen Wochen stärker als sonst. In der Regel ist das ein Vorbote für eine neue Richtung an den Aktienmärkten. Doch die neue Richtung zeigt sich nicht ad hoc, es kann noch ein paar Wochen dauern. So könnte es in den kommenden Tagen und Wochen noch stark volatil bleiben, bevor sich abzeichnet, in welche Richtung es in der zweiten Jahreshälfte geht.

Gastbeitrag von Stephan Heibel, Experte auf Guidants