Weiter aufwärts ging es an den weltweiten Aktienmärkten. Amerikanische und europäische Papiere bringen es mittlerweile auf zweistellige Kurszuwächse seit Jahresanfang. Rekordhoch im Dow Jones. DAX überspringt altes Fünfjahreshoch vom Mai mühelos. Die Berichtssaison in den USA startete derweil gemischt.

USA: Rallye lebt nicht nur von der FED-Pause

US-Aktien streben weiter nach oben. Wie an der Schnur gezogen steigt der Dow Jones Index nun schon seit rund drei Monaten. Als Investor hätte man nur in dieser Zeit dabei sein müssen, denn die bisherige Jahresperformance wurde quasi seit Juli eingefahren. Kam der Schwung für diese Rallye zunächst hauptsächlich vom absehbaren Ende des Zinserhöhungszyklus, so haben sich nun auch andere Faktoren als Kurs treibend entpuppt.

Als da wäre der Ölpreis, der seit Anfang August um ein Viertel gesunken ist. Oder die wiedererwachte Liebe der US-Anleger zu Large Caps. In Erwartung einer schwächeren Konjunktur und rückläufiger Gewinne werden die hoch kapitalisierten Unternehmen sukzessive stärker gekauft. Ein weiterer Treiber scheint zudem die schlichte Tatsache zu sein, dass charttechnisch der Weg für weiter steigende Kurse frei ist, seit der Dow Jones unlängst seinen alten Rekordstand überschritten hat. Auch die allgemeine Skepsis begründet einen Teil der jüngsten Rallye. Argumente, weshalb man ein Aktieninvestment meiden sollte, gab es kurz nach der Jahresmitte viele. Hohe und attraktive Zinsen für Alternativanlagen, ein nachlassendes Wirtschaftswachstum, eingetrübte Gewinnaussichten sowie die Gefahren aufgrund der globalen Ungleichgewichte sind nur einige. Keines dieser Aktienmarktrisiken hat sich allerdings bislang dergestalt materialisiert, als dass es die Kurse belastet hätte.

Für Skeptiker war zudem die vergangene Woche auch eine gute Gelegenheit, weiter skeptisch zu bleiben. Aus der Rubrik Irrationaler Überschwang stammt die jüngste Übernahme von YouTube durch Google. Für knapp 1,7 Mrd. USD (in Aktien!) kauft der Suchmaschinenbetreiber die Videoclip-Seite, die erst im Februar 2005 gegründet wurde und seit rund zehn Monaten online ist. Gewinne fuhr YouTube selbstverständlich noch nicht ein wie auch, wenn die Inhalte kostenfrei angeboten werden. Das soll sich wohl ändern. Ob das Clipangebot aber dann noch den Reiz versprüht, der Google diese Summe hinblättern lies, bleibt abzuwarten. Auch die bisherigen Zwischenberichte der US-Unternehmen gaben nur ein gemischtes Bild. Während Alcoa patzte, berichteten zwei Einzelhändler freundlich. GE enttäuschte mit dem Q3-Gewinn, gab jedoch einen optimistischen Ausblick.

Europa: Übernahmen und Restrukturierungen

In Europa kamen die wesentlichen Impulse für die weiter steigenden Kurse wiederum von den Unternehmen. In der Auseinandersetzung um Scania ergriff nun MAN die Initiative und kaufte über den Markt rund 14 Prozent am schwedischen Lkw-Hersteller. Damit erhöht sich das Angebot von bislang 9,6 Mrd. auf 10,3 Mrd. Euro, das MAN für Scania unterbreitet hat. Zugleich stieg damit die Erfolgswahrscheinlichkeit des Übernahmeversuchs, weil MAN zusammen mit VW nun fast 50 Prozent der Stimmrechte an Scania hält.

Heiß her ging es auch bei mobilcom. Der Mobilfunkanbieter bastelt gerade eifrig an der Verschmelzung mit Freenet, um dann als integrierter Konzern Bündelprodukte der neuesten Telekomgeneration zu verkaufen. Das von Klagen torpedierte Vorhaben wurde erst kürzlich freigegeben. Doch nun kaufte Drillisch rund 10 Prozent der mobilcom-Aktien, um damit aktiv die Branchenkonsolidierung zu gestalten. Interessant ist diese Transaktion auch deshalb, weil der Angreifer Drillisch nur ein Sechstel der Marktkapitalisierung von mobilcom auf die Waage bringt.

Neben Übernahmen prägten auch Restrukturierungen das Geschehen. Atlas Copco beispielsweise trennte sich von seinem sehr konjunkturabhängigen Vermietungsgeschäft. Die zuletzt hochprofitable Sparte brachte den Schweden 3,3 Mrd. USD ein, davon 1,1 Mrd. USD Gewinn, an dem die Anteilseigner via Aktienrückkauf teilhaben sollen. Atlas Copco fokussiert sich nun auf Bergwerksmaschinen, Industrietechnik und Kompressoren. Siemens ist unterdessen seine Problemsparte Business und IT Services angegangen. Die entsprechenden Einheiten sollen zusammengelegt und einem ernsten Kosteneinsparungsprogramm unterzogen werden. Vor drastischeren Schritten, etwa einem Verkauf, schreckte Siemens jedoch zurück, wohl auch wegen der jüngsten Negativschlagzeilen der Ex-Tochter BenQ mobile.

Das seit drei Monaten wieder sehr freundliche Börsenumfeld hat auch die IPO-Pipeline gut gefüllt. Die Zeitungen sind wieder voll von Emissionsankündigungen. In dieser Woche sind allein in Deutschland fünf Erstnotizen geplant. Darunter findet sich mit der Immobiliengesellschaft Gagfah auch ein richtig dicker Brocken. Bis zu 850 Mio. Euro will das Private Equity Unternehmen Fortress, das erst im September 2004 mit dem Zusammenkaufen der heutigen Gagfah begann, für die abzugebenden 20 Prozent erlösen. Zwischen Jahresanfang und vergangenem Freitag waren am deutschen Primärmarkt Aktien im Gesamtwert von 4,2 Mrd. Euro platziert worden, ein Drittel mehr als in der Vorjahreszeit. Europaweit waren es in den ersten drei Quartalen 40,3 Mrd. Euro, eine Steigerung um 54 Prozent gegenüber der Vergleichszeit.

Ausblick: Keine Erholung beim ZEW erwartet

Die Zwischenberichte über das dritte Quartal geben in dieser Woche den Ton an. Amerikanische Technologie-, Pharma- und Finanzunternehmen treten dabei besonders in Erscheinung. Hinzu kommen wichtige Konjunkturdaten wie zum Beispiel am Dienstag und Mittwoch die Inflationsentwicklung in den USA. Besonders spannend aus europäischer Sicht wird der ZEW-Index am Dienstag sein. Dieser war im Vormonat auf minus 22,2 Punkte abgeglitten, den schwächsten Stand seit 1999. Der Bloomberg-Konsens erwartet im Oktober nun minus 20. Der Pessimismus unter den Kapitalmarktteilnehmern hält also an.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 140,2 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende November 2005. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten- Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.