• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 9.209,51 Punkte

Wenn Konzerne wie RWE regelmäßig wieder tausende Stellen kürzen, obwohl sie noch profitabel arbeiten, dann dürfte dem einen oder anderen Gewerkschafter schon eine klare Antwort einfallen. So einfach ist es aber natürlich nicht.

Was ist schon relevant?

Ob Dax Konzern oder ein beliebiges anderes Unternehmen – es geht fast immer um das gleiche: ein ausgewogenes Verhältnis von Gewinn, Wachstum und Effizienz. Für Aktionäre sind Gewinne die wichtigste aller Messgrößen. Danach folgt Effizienz. Gewinn und Effizienz gehen für gewöhnlich eng Hand in Hand. Für die Regierung ist der Gewinn von Unternehmen auch nicht unerheblich, im Vordergrund dürfte allerdings eher Wachstum stehen. Das schafft Arbeitsplätze.

In allen Kategorien sind die Dax Konzerne keine zu vernachlässigende Größe. Die 30 Unternehmen beschäftigen über 3,7 Mio. Menschen. Einige der Unternehmen wie Volkswagen haben einen sehr hohen Anteil an Beschäftigten. Mit gut 570.000 Mitarbeitern beschäftigt VW so viele Menschen wie kein anderes Unternehmen. Es folgen die Deutsche Post mit ca. 435.000 und Siemens mit 362.000. Beiersdorf fällt da mit 16.000 Mitarbeitern kaum ins Gewicht. Sehr bescheiden ist die Deutsche Börse mit gerade einmal 3.500 Mitarbeitern.

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Über die vergangenen Jahre ist die Gesamtmitarbeiteranzahl kontinuierlich gewachsen. Im Jahr 2000 waren es ungefähr 3,4 Mio. Beschäftigte, heute sind es 3,8 Mio. Der Trend stimmt. Die Konzerne sorgen dafür, dass mehr Menschen in Arbeit und Brot kommen. Sie sorgen allerdings vor allem im Ausland dafür.

Die Mitarbeiterzahl in Deutschland sinkt. Vor gut 10 Jahren betrug der Anteil der Beschäftigten in Deutschland über 50%. Heute sind es nur noch 40%. Im Vergleich zu 2002 beschäftigen die Dax Unternehmen fast 200.000 Menschen weniger in Deutschland. Für die Regierung bedeutet das weniger Arbeitsplätze und letztlich auch weniger Steuern. Es bleibt noch die Steuer auf den Gewinn der Unternehmen.

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Das alles gegenzurechnen ist nicht leicht. Nimmt man aber an, dass 200.000 Personen weniger beschäftigt sind und diese im Durchschnitt 38.000 EUR im Jahr verdienen, dann entgehen dem Staat 1,3 Mrd. an Lohnsteuer und ca. 1,5 Mrd. an Sozialabgaben. Zusammen entgehen der Gesellschaft so ca. 2,8 Mrd. EUR. Um das durch die Steuer auf Unternehmensgewinne auszugleichen müssten die Dax Konzerne 11,4 Mrd. mehr Gewinn erwirtschaften. In den letzten 8 Jahren gab es jedoch keinen systematischen Anstieg der Gewinne. Geht man etwas weiter zurück bis ins Jahr 2004 oder 2001, dann geht die Rechnung wieder auf. Trotzdem: für alle 200.000 Stellen, die in Deutschland gestrichen werden, müssten die Unternehmen 11,4 Mrd. mehr Gewinn schreiben. Das ist eher unwahrscheinlich.

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Für Deutschland und den Staat sind Unternehmen am relevantesten, wenn sie in Deutschland Arbeitsplätze schaffen. Einige tun dies. Insgesamt haben 18 von 30 Konzernen in den vergangenen Jahren Stellen geschaffen. Der überwiegende Teil davon entfällt auf das Ausland. Besonders kritisch ist die Krise der Versorger. Hier geht es seit Jahren dramatisch bergab. Den Stellenaufbau der vergangenen Jahre wird durch die Krise der Versorger wieder vollkommen ausgeglichen.

Die Dax Unternehmen schreiben insgesamt 1,35 Billionen EUR Umsatz. Davon entfallen immer weniger Anteile auf Deutschland. Zuletzt waren es noch 26%. Das ist etwas weniger als 13% des BIP. Von den Gesamtbeschäftigten in Deutschland stellen die Konzerne etwa 3,8%. Das ist nicht wirklich viel und der Anteil sinkt weiter.

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Natürlich ist das alles auch eine Frage der Globalisierung. Vorwerfen kann man es den Unternehmen wohl kaum, dass sie im Ausland expandieren. Gesamtvolkswirtschaftlich nimmt die Bedeutung der Dax Konzerne aber jedes Jahr ein wenig ab.