• USA: Widerstand gegen Zölle auf Autoimporte wächst
  • Boeing hält Airbus auf Abstand
  • Fed: Handelspolitik bereitet US-Firmen Sorgen
  • ifo Institut kritisiert EU-Schutzzölle
  • Private-Equity-Firmen sind besonders aktiv derzeit
  • Commerzbank wird Partner von Chinas größter Bank
  • Japans Exporte in die USA gesunken
  • Alcoa bekommt die Folgen der US-Zollpolitik zu spüren
  • SAP hebt Geschäftsprognosen an
  • innogy einigt sich mit E.ON und RWE
  • Volvo legt im ersten Halbjahr kräftig zu
  • Home24 senkt Umsatzschätzung für das zweite Quartal

DAX & US-Aktien

  • Dem DAX ist nach fünf Gewinntagen die Luft ausgegangen ausgegangen. Der Deutsche Leitindex beendete den Handel am Donnerstag mit einem Minus von 0,62 Prozent bei 12.686,29 Punkten. Marktbeobachter führen die schlechte Stimmung auf mehrere Faktoren zurück. Neben verhaltenen Vorgaben von der Wall Street und Gewinnmitnahmen belastete auch ein Trump-Tweet, in dem der US-Präsident die EU-Kartellstrafe gegen Google scharf kritisierte und Gegenmaßnahmen andeutete. Dies verschärft die Angst, dass sich die Handelskonflikte der USA mit dem Rest der Welt weiter verschärfen könnten.
  • Der Dow Jones beendete heute eine 5-tätige Gewinnserie und verlor 0,53 %, während der Russell 2000 bezeichnenderweise 0,56 % zulegen konnte. IBM (+3,3 %) und Taiwan Semi (+3,6 %) konnten nach Zahlen zulegen, American Express (-2,7 %), eBay (10,1 %), BNY Mellon (-5,2 %), Philip Morris (-1,5 %) und Alcoa (-13,3 %) wurden teilweise drastisch abverkauft. Abseits der Berichtssaison verbesserte sich Disney um 1,3 % nachdem gemeldet wurde, dass Comcast die Disney-Offerte für 21st Century Fox nicht kontern will. AbbVie brach um 4,7 % ein, nachdem Citron die Aktie als neuen "Medikamenten-Short" betitelt hatte. Von Washington aus knüppelte derweil Trump den Dollar per CNBC-Interview nach unten und auch Merck beugte sich heute dem Druck des US-Präsidenten und kündigte an auf Preiserhöhungen zu verzichten. Die Wirtschaftsdaten waren ausnahmslos sehr stark: Die Initial Claims fielen auf 207.000 und machen Hoffnung für einen guten NFP-Report, der Philly Fed Index stieg überraschend deutlich auf 25,7 Punkte und die Frühindikatoren des Conference Board zeugen weiter von einer soliden Expansion. Nachbörslich meldete Microsoft gute Zahlen und brach zeitweise deutlich ein, konnte das Vorzeichen aber wieder drehen.

Chartanalysen des Tages

Unternehmensnachrichten

  • US-Präsident Trump hat die von der EU-Kommission verhängte Kartellstrafe gegen den Internetkonzern Google in Höhe von 4,34 Milliarden Euro (rund 5 Milliarden Dollar) scharf kritisiert. "Die EU hat gerade eine Fünf-Milliarden-Dollar-Strafe gegen eine unserer großartigen Firmen, Google, verhängt. Sie haben die Vereinigten Staaten wirklich übervorteilt, aber nicht mehr lange!", schrieb Trump beim Kurznachrichtendienst Twitter. Google hat nach Einschätzung der EU-Kommission seine marktbeherrschende Position beim Smartphone-System Android ausgenutzt, indem Google den Handyherstellern vorgab, dass Google-Apps wie Chrome oder die Google-Suche zusammen mit Android vorinstalliert werden müssen.
  • Der Flugzeugbauer Boeing hat auf der Luftfahrtmesse in Farnborough seit Montag Aufträge und Vorverträge über 528 Verkehrsflugzeuge eingesammelt. Konkurrent Airbus kam lediglich auf 431 Maschinen. So bestellte ein nicht näher genannte Kunde gleich 100 Boeing-Jets des Typs 737 Max.
  • Facebook-CEO Zuckerberg will Beiträge von Holocaust-Leugnern nicht von seiner Plattform löschen. Er wolle nicht jemanden von der Plattform nehmen, der falsche Sachen sage. Solange er nicht versuche, Unheil zu organisieren oder jemanden anzugreifen, dann könne er diesen Inhalt auf seine Seite stellen, so Zuckerberg.
  • Der Tabakkonzern Philip Morris Int. hat im zweiten Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Der bereinigte Gewinn belief sich auf 1,41 Dollar je Aktie. Analysten hatten ein EPS von 1,23 Dollar erwartet.
  • Der diesjährige Prime Day war für Amazon ein voller Erfolg. Mehr als 100 Mio. Artikel wurden verkauft. Die Aktion war auf 36 Stunden ausgeweitet.
  • Bei eBay liefen die Geschäfte im zweiten Quartal nicht so rund wie erhofft. Der Umsatz legte zwar um 9 Prozent auf 2,64 Mrd. Dollar zu, im Vorquartal hatte es aber noch ein zwölfprozentiges Plus gegeben. Beim Geschäftsausblick wurden die Erwartungen ebenfalls verfehlt.
  • Alcoa bekommt die Folgen der US-Zollpolitik zu spüren. Wegen der Abgaben streicht peilt der Alu-Konzern beim operativen Gewinn jetzt nur noch 3,0 bis 3,2 Mrd. Dollar, statt bisher 3,5 bis 3,7 Mrd. Dollar, an. Alcoa erklärte, die Zölle auf Aluminiumimporte hätten im 2. Quartal zu Mehrkosten von 15 Mio. Dollar geführt.
  • IBM steigerte den Gewinn im Zeitraum von April bis Juni um 3 Prozent auf 2,4 Mrd. US-Dollar. Der Umsatz legte um 3,6 % auf 20 Mrd. Dollar zu.
  • Der Softwarehersteller SAP hat im zweiten Quartal dank eines boomenden Geschäfts mit Mietsoftware die Erwartungen der Analysten übertroffen. Beim Umsatz und dem um Sondereffekte bereinigten Betriebsergebnis erzielte SAP ein Wachstum von jeweils vier Prozent auf 6 Mrd. bzw. 1,64 Mrd. Euro. Unterm Strich verdiente SAP 720 Mio. Euro - 8 Prozent mehr als im Vorjahr. SAP traut sich dank des Cloud-Erfolges für das laufende Gesamtjahr mehr zu als bisher. 2018 soll der Umsatz währungsbereinigt um 6 bis 7,5 Prozent steigen und zwischen 25 und 25,3 Mrd. Euro liegen. Das Betriebsergebnis soll jetzt zwischen 7,4 und 7,5 Mrd. Euro betragen; zuletzt waren 7,35 bis 7,5 Mrd. Euro angepeilt.
  • Der Online-Möbelhändler Home24 hat die Umsatzprognose für das zweite Quartal deutlich gesenkt, hält das Ziel für das Gesamtjahr aber weiterhin für erreichbar. Der Börsenneuling erwartet nun ein Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent. Das ungewöhnlich warme Wetter habe zu einer geringeren Nachfrage nach großen Möbeln geführt, so das Unternehmen. Außerdem habe die Abarbeitung offener Bestellungen unter dem Niveau des Vorjahres gelegen. Die im Rahmen des Börsengangs kommunizierte mittelfristige Wachstums- und Ertragsprognose wurde bestätigt. So soll Ende 2019 die Gewinnschwelle beim bereinigten EBITDA erreicht werden. Auch das für das Gesamtjahr 2018 angestrebte Wachstum von rund 30 Prozent auf währungsbereinigter Basis bleibe realisierbar, so das Unternehmen.
  • Die Commerzbank will von dem sich öffnenden China und dem hohen Finanzierungsbedarf entlang der „Neuen Seidenstraße“ ein Stück vom Kuchen abhaben. Dazu hat sie sich die größte chinesische Bank Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) als Partner an Bord geholt, wie die Frankfurter Allgemein Zeitung berichtet. Die Geldhäuser haben demnach ein Rahmenabkommen (memorandum of understanding) geschlossen mit dem Ziel, gemeinsam in den nächsten fünf Jahren Projekte entlang der Seidenstraße in Höhe von 5 Mrd. Dollar zu unterstützen. „Wir sind das einzige deutsche Kreditinstitut, das eine solche Vereinbarung mit der ICBC abgeschlossen hat“, sagte Nikolaus Giesbert, als Bereichsvorstand der Commerzbank für das Geschäft mit globalen Finanzinstitutionen verantwortlich, der Zeitung.
  • Der Schweizer Siemens-Konkurrent ABB kann im zweiten Quartal danke Einsparungen mit einem Gewinnsprung aufwarten. Der operative Gewinn vor Abschreibungen (EBITA) nahm um 12 Prozent auf 1,2 Mrd. US-Dollar zu. Die Marge zog im Jahresvergleich um 0,6 Prozentpunkte auf 13,0 Prozent an. Der Konzerngewinn erhöhte sich um 30 Prozent auf 681 Millionen US-Dollar. Der Umsatz legte um 5 Prozent auf 8,89 Milliarden US-Dollar zu.
  • Der französische Zughersteller Alstom hat von April bis Juni einen Umsatz von 2 Mrd. Euro erzielt. Das sind rund 14 Prozent mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres. Zugleich konnte der Konzern neue Bestellungen im Umfang von 2,6 Mrd. Euro verbuchen, ein Jahr zuvor waren es rund 1,9 Mrd. Euro.
  • Der vor der Zerschlagung stehende Energieversorger innogy hat sich mit E.ON und RWE auf eine gemeinsame Planung der Integrationsprozesse geeinigt. Alle Mitarbeiter sollen im Rahmen der geplanten Transaktion fair und möglichst gleich behandelt werden. Zudem haben sich die Unternehmen auf einen transparenten Auswahlprozess für die Besetzung von Führungspositionen verständigt. Essen solle als Sitz und Standort der Zentrale der neuen E.ON beibehalten werden.
  • Der Online-Händler für Heimtierprodukte Zooplus ist im zweiten Quartal auf der Umsatzebene um 23 Prozent auf 320 Mio. Euro gewachsen. Der Vorstand bekräftigte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr, die ein Plus von 21 bis 23 Prozent vorsieht.
  • Der Konsumgüterhersteller Unilever hat im zweiten Quartal den Preisdruck zu spüren bekommen und daher einen geringeren Umsatzanstieg als erwartet verzeichnet. Die Einnahmen legten um 1,9 Prozent auf rund 13 Mrd. Euro zu.
  • Der Autohersteller Volvo mit schwedischen Wurzeln, der 2010 an den chinesischen Konzern Geely verkauft wurde, hat im zweiten Quartal dank starker Nachfrage den Gewinn um 40 Prozent auf knapp drei Milliarden Kronen gesteigert. Der Umsatz legte um etwas mehr als ein Viertel auf 66 Mrd. Kronen zu. Die Zahl der verkauften Autos der Marke Volvo zog im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf gut 170.000 Stück an.
  • Die Biotech-Unternehmen MorphoSys und Galapagos haben eine exklusive Vereinbarung mit Novartis für die Entwicklung und Vermarktung ihres gemeinsamen Antikörperwirkstoffs MOR106 geschlossen. Zusätzlich zur Finanzierung des Entwicklungsprogramms mit MOR106 erhalten MorphoSys und Galapagos den Angaben zufolge gemeinsam eine Vorauszahlung von 95 Mio. Euro. Sollten bestimmte entwicklungs- und umsatzbezogene Meilensteine erreicht werden, würden Zahlungen von weiteren 850 Mio. Euro ausgelöst, hieß es.

Konjunktur & Politik

  • Die USA haben noch nicht entschieden, ob die angedrohten Strafzölle auf Autoimporte tatsächlich in Kraft treten werden. Bei einer Anhörung in Washington sagte US-Handelsminister Wilbur Ross, dass es noch "zu früh" sei zu sagen, ob die Zölle tatsächlich eingeführt werden. Die Trump-Regierung will ein Sicherheitsgesetz von 1962 nutzen, um ihre Strafzölle einzuführen. Die Anhörung soll klären, ob sich die US-Regierung auf dieses Gesetz berufen kann.
  • In den USA ist der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren im Juni zum Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen, wie das private Forschungsinstitut Conference Board mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Im Mai hatte der Indikator laut revidierten Daten stagniert.
  • Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 14. Juli ging um 8.000 auf 207.000 zurück, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. So niedrig war die Zahl der Erstanträge zuletzt im Dezember 1969.
  • Das Geschäftsklima in der Region Philadelphia hat sich im Juli deutlich aufgehellt. Der entsprechende Indikator der regionalen Notenbank (Philly-Fed-Index) stieg um 5,8 auf 25,7 Punkte. Analysten hatten einen weniger starken Anstieg auf 21,5 Punkte erwartet.
  • In den USA wächst laut einem Bericht des "Wall Street Journals" der Widerstand gegen die von der Regierung geplanten Sonderzölle auf Autoimporte. Widerspruch gebe es sowohl in der Industrie als auch im Kongress, berichtete das Blatt. Demnach haben parteiübergreifend 149 der 435 Mitglieder des Abgeordnetenhauses Präsident Trump aufgefordert, auf die Zölle zu verzichten. Trump hatte am Mittwoch der EU mit "gewaltigen Strafen" gedroht, falls die Verhandlungen nicht wie von ihm gewünscht verliefen.
  • Die von der EU für den 19. Juli geplanten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte gegenüber allen Ländern sind aus Sicht des ifo Instituts eine kontraproduktive Maßnahme, die der EU insgesamt und auch dem Welthandel schadet. „Die Schutzzölle sind keineswegs Ausdruck ökonomischer Vernunft, sondern der Lobbystärke der Stahlbranche. Sie richten mehr Schaden an als Nutzen“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. Das Argument, sich vor einer durch die US-Zölle auf Stahl und Aluminium bereits jetzt ausgelösten Importflut zu schützen, lässt sich mit aktuellen Zahlen laut ifo Institut nicht belegen. Weder die Mengen noch die Importwerte der von Trump mit Zöllen belegten Produkte hätten sich im Vergleich zu vergleichbaren Produkten auffällig entwickelt. Es sei auch kein systematischer Preisverfall bei Importen zu erkennen, so Felbermayr.
  • Beteiligungsinvestoren ("Private-Equity-Firmen") haben laut einer Analyse so viel in deutsche Firmen investiert wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im ersten Halbjahr 2018 belief sich der Gesamtwert der erfolgten Firmenkäufe auf 10,7 Mrd. Euro. Das ist der höchste Wert in solch einem Zeitraum seit der Finanzkrise 2008. Gemessen am ersten Halbjahr 2017 verdoppelte sich der Wert der Transaktionen sogar, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt.
  • Der britische Einzelhandel hat im Juni nach Zahlen des Statistikamts ONS um 0,5 Prozent weniger umgesetzt als im Vormonat. Analysten hatten dagegen im Mittel einen Zuwachs um 0,2 Prozent erwartet. Der Anstieg im Vormonat wurde allerdings von 1,3 auf 1,4 Prozent nach oben revidiert.
  • Die US-Regierung prüft Importzölle auf Uran zum Schutz des heimischen Bergbaus. Das US-Handelsministerium eröffnete am Mittwoch eine entsprechende Untersuchung, ob Importe des nuklearen Brennstoffs „die nationale Sicherheit einzuschränken“ drohten, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Dieselbe Begründung war zuletzt für die US-amerikanischen Strafzölle auf Importe in Sektoren wie Aluminium und Stahl benutzt worden.
  • Die japanischen Exporte in die USA sind im Juni erstmals seit 17 Monaten gesunken. Sie fielen binnen Jahresfrist um 0,9 Prozent, wie das Finanzministerium in Tokio mitteilte. Vor allem geringere Lieferungen von Autos und Ausrüstung für die Chipfertigung seien dafür verantwortlich. Die Importe aus den USA gingen um 2,1 Prozent zurück. Japans Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA stieg damit um 0,5 Prozent.
  • Die US-Wirtschaft ist laut der US-Notenbank Fed zufolge in den meisten Distrikten moderat gewachsen. In dem am Mittwochabend veröffentlichten Konjunkturbericht Beige Book heißt es aber, dass die Firmen Sorgen wegen der Handelszölle haben. Angesichts der Handelspolitik der US-Administration haben viele Unternehmen schon jetzt mit höheren Preisen zu kämpfen. Allerdings spüren viele neben einer schlechteren Stimmung noch keine Nachteile durch die Zölle.
  • Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, hat im Handelsstreit mit China Staatschef Xi Jingping ermahnt. Präsident Xi verzögere die Verhandlungen, sagte Kudlow. China könne die Erhebung zusätzlicher Zölle verhindern, indem der Staat die Handelspolitik ändere. Er gehe davon aus, dass die Volksrepublik ein Handelsabkommen anstrebe, so Kudlow.
Termin des Tages: 14:40 Uhr - US: Index der Fed von Philadelphia

Weitere Informationen zu den im Newsflash genannten Themen und noch mehr aktuelle Nachrichten finden Sie in Echtzeit auf Guidants News. In Spitzenzeiten veröffentlicht Guidants News mehr als 100 Nachrichten pro Stunde. Damit Sie trotzdem den Überblick behalten, stehen Ihnen zahlreiche Filtermöglichkeiten zur Verfügung.