1. Diesen Dienstag wird sich der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammenfinden und aller Wahrscheinlichkeit nach die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf ein Niveau von dann 2,25 % erhöhen. Wir erwarten für Ende 2005 ein Niveau von 3,75 %. Dieser Wert entspricht in etwa dem Niveau, der von unserem Prognoseinstrument DekaBank-Fed- Indikator angezeigt wird.

Das voraussichtliche Statement

2. Das hinsichtlich der Inflationsentwicklung uneinheitliche Meinungsbild im FOMC sollte sich nicht in wesentlichen Änderungen im Statement zum Zinsentscheid äußern. Im letzten Statement vom November 2004 stand: „The Federal Open Market Committee decided today to raise its target for the federal funds rate by 25 basis points to 2 percent. The Committee believes that, even after this action, the stance of monetary policy remains accommodative and, coupled with robust underlying growth in productivity, is providing ongoing support to economic activity.” Dieser Teil des Statements sollte mit Ausnahme des Zinssatzes („2– ½ percent“) unverändert beibehalten werden.

3. “Output appears to be growing at a moderate pace despite the rise in energy prices, and labor market conditions have improved. Inflation and longer-term inflation expectations remain well contained.“ Der Gehalt dieses Teils des Statements sollte im wesentlichen beibehalten werden. Änderungen in der Wortwahl sind hier aber in bezug auf die Aufschwungsdynamik („moderate pace“) und die Entwicklung der Energiepreise („rise in energy prices“) möglich. Die Energiepreise sind nämlich im letzten Monat gefallen und die realwirtschaftlichen Daten haben seit dem November-Meeting auch eher auf der positiven Seite überrascht.

4. “The Committee perceives the upside and downside risks to the attainment of both sustainable growth and price stability for the next few quarters to be roughly equal.“ Bezüglich diesen Satzteils könnte es eine größere Diskussion im FOMC geben, da die geldpolitischen „Falken“ darauf dringen könnten, die Risiken verstärkt bei der Inflation zu sehen. Wir gehen nicht davon aus, dass hier eine Änderung stattfindet, da eine Veränderung in der Risikoeinschätzung den Finanzmärkten suggerieren könnte, dass der Zinserhöhungszyklus von nun an aggressiver vonstatten geht. Die Risikoeinschätzung sollte daher beibehalten werden. Wenn hier eine Änderung stattfinden würde, so müsste auch das Wort „measured“ aus dem folgenden Satzteil gestrichen werden.

5. “With underlying inflation expected to be relatively low, the Committee believes that policy accommodation can be removed at a pace that is likely to be measured. Nonetheless, the Committee will respond to changes in economic prospects as needed to fulfill its obligation to maintain price stability.“ Dieser Teil sollte beibehalten werden.

Der Hintergrund der Zinsentscheidung

6. Realwirtschaftlich hat der Aufschwung wieder an Fahrt gewonnen. Insbesondere die Entwicklung am Arbeitsmarkt macht Hoffnung, dass die Expansionsphase der US-Wirtschaft weiter anhält und nicht abbricht. Der Arbeitsmarktbericht für November fiel mit einem Beschäftigungszuwachs um 112.000 Personen sowie einer Abwärtsrevision der Vormonate um insgesamt 54.000 Personen zwar auf den ersten Blick enttäuschend schwach aus. Betrachtet man aber die Teilstatistiken, so besteht kein Grund zur Enttäuschung. Der Beschäftigungsanstieg im Vormonat war aufgrund von zwei Sondereffekten um rund 80.000 Personen nach oben verzerrt. Wir erwarten für 2005 einen durchschnittlichen monatlichen Beschäftigungszuwachs von rund 240.000 Personen. Das FOMC hat daher mit seiner Feststellung beim Zinsentscheid im November recht gehabt, dass „output appears to be growing at a moderate pace ... and labor market conditions have improved.“

7. Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im Oktober allerdings energiepreisgetrieben überraschend stark um 0,6 % im Monatsvergleich und um 3,2 % im Jahresvergleich. Die Kernrate lag aber wie erwartet bei lediglich 0,2 % mom und 2,0 % yoy. Die für die Fed relevante Kernrate des Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben PCE (siehe Grafik auf Seite 1) lag mit 1,5 % yoy im Oktober weiter erstaunlich niedrig. Der auf das Jahr hoch gerechnete Sechsmonatsdurchschnitt liegt sogar nur bei 1,2 %. Dennoch machen den Mitgliedern des FOMC die Inflationsrisiken zunehmend Sorgen: Die Verlangsamung des Produktivitätswachstum, der anziehende Arbeitsmarkt, der abwertende US-Dollar, das persistente Problem bei den Gesundheitskosten und die niedrigen Realzinsen sind ein Rezept für ein Anziehen der Inflationsraten, wenn die Geldpolitik dem nicht durch Zinserhöhungen einen Riegel vorschiebt. So zeigt auch die anekdotische Evidenz aus dem letzten Beige Book, dass die Unternehmen zunehmend Preisüberwälzungsspielräume zurückgewinnen. Eine Pause sollte das FOMC im Zinserhöhungszyklus daher nicht einlegen, wie das FOMC noch gemäß den Sitzungsprotokollen vom September überlegte, sondern die guten Zeiten nutzen, vom Gaspedal der geldpolitischen Expansion zu gehen. Oder wie es Notenbankchef Greenspan andeutete: „Rising interest rates have been advertised for so long and in so many places that anyone who has not appropriately hedged this position by now obviously is desirous of losing money.“ Von einer Pause ist im Dezember auch deswegen nicht auszugehen, weil die reale Federal Funds Rate immer noch weit unter dem liegt, was als geldpolitisch „neutral“ bezeichnet werden kann. Da die realen Leitzinsen aber seit dem Novembermeeting (gemessen an der Kerninflationsrate des PCE von 1,5 % yoy im Oktober) nicht mehr negativ sind, hängen die künftigen Zinsänderungen weitaus stärker als in den Monaten zuvor von der gesamtwirtschaftlichen Datenlage ab. Solange die Energiepreiserhöhungen sich nicht dauerhaft in den Inflationsraten widerspiegeln, solange kann die Fed in ihrem Zinserhöhungszyklus weiter „maßvoll“ sein. Nicht zuletzt, weil die Inflationserwartungen relativ stabil sind.

8. Beim übernächsten Zinsentscheid, dem 1./2. Februar 2005, hat die Fed Gelegenheit, auf ihrem halbjährlichen Strategiemeeting den Fahrplan für das erste Halbjahr 2005 festzulegen und dies über ihren Chairman in der darauf folgenden Humphrey Hawkins-Anhörung vor dem US-Kongress an die Finanzmärkte zu kommunizieren. Wir erwarten auch im Februar eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf ein Niveau von dann 2,50 %.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.