1. Gesamtergebnis: Der bei 50 Punkten neutrale EZB-Kompass ist im Oktober geringfügig von 67,7 auf 66,5 Punkte gefallen. Dies ist auf niedrigere Werte sowohl der monetären Säule (95,6 nach 96,4 Punkten) als auch der wirtschaftlichen Säule (56,8 nach 58,1 Punkten) zurückzuführen. Bei beiden Säulen erwarten wir weitere Rückgänge auf Sechsmonatssicht, sodass der EZB-Kompass insgesamt im April 2007 bei 63,2 Punkten liegen sollte. Er bleibt damit auch in Zukunft auf einem sehr hohen Niveau, sodass mit weiteren Zinserhöhungen zu rechnen ist.

2. Monatsveränderungen: Dank einer günstigen Ölpreisentwicklung liegen die Importpreise sowie die Gesamtrate des HVPI erneut unter den Vormonatsniveaus. Auch die Inflationserwartungen sind etwas gesunken. Das Economic Sentiment und die Industrieproduktion sind dagegen von bereits hohen Niveaus angestiegen. Überraschend hohe Veränderungsraten wiesen auch die Kreditvergabe und das Geldmengenwachstum auf. Da die niedrigeren Inflationsraten vor allem auf niedrigere Ölpreise zurückzuführen sind, was den privaten Konsum zusätzlich stimuliert, lässt sich sagen, dass die Monatsveränderungen und Überraschungen tendenziell das optimistische Konjunkturszenario der EZB unterstützen. Sie sprechen damit auch für eine weitere Rücknahme der geldpolitischen Stimulierung.

3. Inflationsgefahren bleiben bestehen. Die inzwischen auf 1,6 % yoy gefallene Inflationsrate bedeutet unserer Ansicht nach nicht, dass die EZB am Ziel ist. Im Gegenteil – sie betont selbst, dass ihre Geldpolitik weiterhin expansiv ist. Gemessen am EZB-Kompass ist dies nicht mehr angemessen. Anders als in den Jahren 2003 bis 2005, für die wir durchgehend negative Outputlücken gemessen haben, befindet sich die Wirtschaft mit einer Outputlücke von 0,1 % im Stadium einer Normalauslastung. Berücksichtigt man weiter die im neuen Jahr mit ziemlicher Sicherheit wieder über 2 % liegenden Inflationsraten und die hohen Geldmengen- und Kreditaggregate, so erscheinen weitere Zinserhöhungen geboten. Dafür sprechen auch die steigenden Vermögenspreise. Die aufgrund der Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre stark gestiegenen Immobilienpreise und Aktienkurse könnten mit einer Zeitverzögerung über steigende Mieten und einen kräftigeren privaten Konsum die mittelfristigen Inflationsgefahren erhöhen. Da die gesunkenen Ölpreise zudem den Effekt haben könnten, dass die Unternehmen ihre Margen wieder erhöhen, ist auch hier keine Entwarnung anzuzeigen.

4. Zinsprognose: Wenn sich Ende der ersten Jahreshälfte 2007 herausstellen sollte, dass die unbestreitbaren finanzpolitischen Belastungen zu Anfang 2007 den Konjunkturaufschwung nicht komplett abwürgen, dann sollte die EZB weitere Zinserhöhungen anstreben. Wir rechnen fest mit einer Zinserhöhung auf 3,75 % auf Jahresfrist und sehen das Risiko einer weiteren Erhöhung auf 4,0 % bis Ende 2007. Aufgrund der Unsicherheit, die von der restriktiveren Fiskalpolitik im nächsten Jahr ausgeht, wird die EZB diese möglichen Zinsentwicklung jedoch auch in diesem Monat nicht verbal andeuten. Der Rentenmarkt täte jedoch gut daran, diesem Szenario ein höheres Gewicht zu geben als dies bisher der Fall ist.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 140 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.