USA: Der trotz des starken Preisniveauanstiegs überraschend hohe reale Zuwachs der Ausgaben der privaten Haushalte im Oktober hat uns dazu veranlasst, die Prognose für den privaten Konsum und damit für das gesamte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal deutlich nach oben zu nehmen. Die Konsumenten reagieren auf höhere Inflation lediglich mit einem verringerten Sparen, nicht jedoch mit einer Reduzierung des realen Konsums. Hinzu kommt, dass sich die Stimmung der Unternehmen sowohl im verarbeitenden als auch im nicht-verarbeitenden Gewerbe auf hohem Niveau stabilisiert hat. Damit stellt sich die aktuelle konjunkturelle Situation in den USA durchaus positiv dar. Der vordergründig enttäuschende Beschäftigungszuwachs von 112.000 Personen im November muss im Zusammenhang mit den Sondereffekten im Oktober (Beseitigung der Hurrikanschäden, Wahlvorbereitungen) gesehen werden. Der Beschäftigungszyklus ist weiterhin intakt, für 2005 erwarten wir einen durchschnittlichen monatlichen Beschäftigungsaufbau von gut 240.000 Personen. Aufgrund dessen und dank der anhaltenden Zuversicht der privaten Haushalte und der Unternehmen wird die US-Wirtschaft auch in den nächsten Quartalen ein kräftiges Wachstum aufweisen.

Der „maßvolle“ Zinserhöhungszyklus sollte fortgesetzt werden. Pausen bei den Leitzinsen erwarten wir im August und Dezember 2005. Ende 2005 sollten die Leitzinsen dann auf einem Niveau von 3,75 % liegen. 2005 sollte die Inflationsrate bei 2,5 %, 2006 bei 2,4 % liegen.

Revisionen: Die konjunkturelle Expansion vollzieht sich günstiger als bisher prognostiziert, sodass wir nun einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in 2005 um 3,5 % erwarten (vorher 3,0 %). Wir haben die Inflationsprognose für 2005 von 2,8 % auf 2,5 % herunterrevidiert.

Euroland: Euroland befindet sich in einer Konjunkturdelle, in die es durch die geringeren weltwirtschaftlichen Impulse gestoßen wurde. Auch wenn sich der Welthandel im Verlauf des Jahres 2005 belebt, dämpft der weiter erstarkende Euro die außenwirtschaftlichen Impulse. Die Binnennachfrage, allen voran der private Konsum, werden zu Beginn des kommenden Jahres schwach sein. Allein die Investitionstätigkeit wird deutlich stärkere Akzente setzen. Hohe Unternehmensgewinne, geringe Zinsen und der Ersatzbedarf leisten dem Vorschub.

Die EZB hält an ihrer Einschätzung fest, dass die Geldpolitik die wirtschaftliche Entwicklung ausreichend stark unterstützt. Zinssenkungen sind daher trotz eines starken Euro-Außenwertes nicht zu erwarten. Zinserhöhungen sind aufgrund der geringen Anstiege der Lohnstückkosten auch nicht angebracht.

Revisionen: Wir haben unsere Prognose einer ersten Leitzinserhöhung der EZB im Juni 2005 revidiert und erwarten nun erst im September und Dezember 2005 Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte.

UK: Im dritten Quartal hat sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wie erwartet verlangsamt. Zwar dehnte der Dienstleistungssektor die Erzeugung langsamer als zuletzt aus. Die ersten Frühindikatoren für das vierte Quartal zeigen aber bereits wieder eine Beschleunigung an. Die Industrie ist hingegen seit dem Sommer auf Talfahrt und wird frühestens im zweiten Quartal 2005 mit der von uns unterstellten weltwirtschaftlichen Beschleunigung wieder zulegen können. Insgesamt gehen wir davon aus, dass das BIP-Wachstum im Lauf des Jahres 2005 auf den Potenzialpfad (+2,5 %) einschwenken wird.

Wir prognostizieren eine längere Phase konstanter Leitzinsen, in der die Bank of England prüft, ob das angestrebte Softlanding sich so inflationsfrei entwickelt wie gewünscht. Erst 2006 erwarten wir die ersten Zinssenkungen.

Revisionen: –

Japan: In Japan hat sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung weiter abgeschwächt. Anfang Dezember wurden zudem die kompletten Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen einer methodischen Revision unterworfen. Zwar wurde das Wachstum für das 3. Quartal (+0,1 % qoq) bestätigt, durch die Umstellung auf einen Kettenpreisindex und auf das Basisjahr 2000 haben sich zuweilen deutliche Abwärtsrevisionen der Quartalszuwachsraten und damit auch der Gesamtjahresraten ergeben.

Die japanische Wirtschaft verzeichnete zuletzt endlich wieder positive Preissteigerungsraten. Die Inflationsrate lag im Oktober bei +0,5 %. Allerdings wäre es verfrüht, das baldige Ende der Deflation auszurufen, da der Anstieg wieder einmal auf Sonderfaktoren im Nahrungsmittelbereich herrührt. Die für die BoJ entscheidende Kerninflationsrate signalisiert dagegen weiterhin fallende Preise. Die Minutes des vorletzten Treffens der BoJ legen den Schluss nahe, dass innerhalb der Notenbank weiter über eine Exit-Strategie aus der Nullzinspolitik diskutiert wird. Dennoch ist ein Ende der expansiven Geldpolitik vorerst nicht in Sicht.

Revisionen: Aufgrund der veränderten Ausgangslage nach der großen BIP-Revision rechnen wir nun mit einem Wachstum von 2,9 % in 2004 und 1,3 % in 2005 (bisher: 4,0 % in 2004 und 1,6 % in 2005).

Emerging Markets: Was Mittel- und Osteuropa angeht, so bleibt die sich in EU- und EWU-Beitritten spiegelnde Konvergenz auch im neuen Jahr das beherrschende Thema. Im Fall von Estland, Litauen und Slowenien rechnen wir für 2007 mit einem Beitritt zur EWU. Lettland sollte ein Jahr darauf folgen. Bei der Slowakei halten wir das Beitrittsziel 2009 für realistisch. Aufgrund der hohen Haushaltsdefizite in Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn rechnen wir hier frühestens im Jahr 2010 mit dem Euro. Insbesondere bei Ungarn – das sich nach wie vor einem explosiven Gemisch aus zerrütteten Staatsfinanzen, hohen Zinsen und einem klaffenden Leistungsbilanzdefizit gegenübersieht – kann sich die Einführung des Euro noch darüber hinaus verzögern.

In Lateinamerika und Asien ist aufgrund der starken Konsumnachfrage mit einer restriktiveren Geldpolitik zu rechnen. Dies wird mittelfristig zu einer Verlangsamung des Wachstums führen. Die anhaltend hohen Rohstoffpreise wirken sich auf die lateinamerikanischen Länder, insbesondere auf Ölexporteure wie Mexiko und Venezuela, positiv aus. China wird weiterhin als Zugpferd in Asien für ein starkes Wachstum sorgen. Die noch günstige Finanzierungsmöglichkeiten werden mittelfristig eine weitere Verbesserung der Verschuldungssituation in beiden Regionen dienen. In Lateinamerika rechnen wir ein Jahr vor einer Reihe wichtiger Wahlen mit einem Anstieg der politischen Unsicherheit.

Märkte

Renten: Die US-Bondmärkte zeigen sich trotz der Inflationsrisiken, der Abwertung des US-Dollars und der schlechten Aussichten hinsichtlich der staatlichen Budgetdefizite weiter gelassen. Wir erwarten allerdings, dass sich die Risiken letztendlich in Renditesteigerungen manifestieren sollten.

In Euroland befinden sich die Renditen nun trotz Euro-Stärke auf einem Niveau, das wenig Phantasie für Kurssteigerungen lässt. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die Phase relativ niedriger Renditen auch in 2005 und 2006 anhält, erachten wir auf Jahressicht im zehnjährigen Bereich Renditen von leicht über 4 % angemessener als die aktuellen Niveaus.

Die Rentenmärkte der Emerging Markets stehen vor einem Jahr der Bewährung. Insbesondere der von uns prognostizierte Anstieg der Fed-Zinsen wird die Liquiditätssituation beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer moderaten Ausweitung der Emerging Market-Spreads.

Revisionen: Die Renditeprognose für zehnjährige US-Staatsanleihen in zwölf Monaten haben wir von 4,75 % auf 4,90 % angehoben. Unsere Prognosen für zehnjährige Euro-Anleihen haben wir auf Sechsmonatssicht von 4,20 % auf 3,90 % und auf Zwölfmonatssicht von 4,20 % auf 4,10 % gesenkt. Entsprechende Prognosen für zehnjährige Pfund-Anleihen haben wir von jeweils 5,00 % auf 4,70 % bzw. 4,60 % gesenkt.

Währungen: Der US-Dollar ist erneut kurz vor Jahresende in eine heftige Abwertungsphase eingeschwenkt. Die Schwäche des US-Dollar zeigte sich nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch im Kursverhältnis zu Pfund Sterling, Yen und den Währungen des Dollar-Blocks. Der Ausgang der Präsidentschaftswahl die Marktteilnehmer nicht davon überzeugen können, dass die Regierung nun eine Politik der Eindämmung von Haushalts- und Leistungsbilanzdefiziten verfolgen wird. Die Rufe nach Interventionen seitens der EZB und der BoJ werden immer lauter, wir halten dies aber vom heutigen Standpunkt aus für unwahrscheinlich. Sollte es jedoch zu einem Crash des US-Dollars kommen, dürften die Notenbanken ihre momentane Zurückhaltung ablegen. Wir gehen aber in unserem Basisszenario von einer allmählichen Abwertung des Dollars aus und nicht von einem rapiden Wertverfall.

Revisionen: Wir haben unsere Prognose für Euro-US-Dollar in zwölf Monaten auf 1,37 USD/EUR angehoben

Rohstoffe: Trotz des starken Preisrückgangs vergangener Wochen hat sich an unserer bisherigen Ölmarkteinschätzung grundsätzlich nichts geändert. Der jüngste Ölpreisrückgang war unserer Ansicht nach eine spekulative Wette auf einen milden Winter, da dadurch die Ölnachfrage weitaus geringer ausfallen würde als unter normalen Witterungsbedingungen. Zum aktuellen Zeitpunkt darauf zu setzen, ist allerdings pure Spekulation. In den nächsten Wochen ist davon auszugehen, dass sich der Ölpreis weiterhin sehr volatil zeigen wird. Erneute Preisrückgänge halten wir kurzfristig nicht für ausgeschlossen. Auf Sicht von ein bis zwei Monaten rechnen wir allerdings wieder mit deutlich steigenden Preisen.

Revisionen: –

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.