Der Anlagestratege Albert Edwards von der französischen Großbank Société Générale rechnet schon seit langer Zeit mit fallenden Kursen am US-Aktienmarkt. So prophezeite Edwards im April 2018 wegen der geldpolitischen Wende in den USA mittel- bis langfristig einen Einbruch im S&P 500 um mindestens 75 Prozent (siehe hier). Edwards begründete diese Einschätzung damit, dass die US-Notenbank durch ihre Anti-Krisen-Politik während der Finanzkrise den eigentlich im Westen anstehenden Abwertungsprozess nur notdürftig durch eine noch nie dagewesene Liquiditätsflut verhindert habe.

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    Die Anleiherenditen seien über Jahre künstlich gedrückt worden und die Kurse und Bewertungen am US-Aktienmarkt deshalb in die Höhe geschossen, schrieb Edwards im April. "Die Federal Reserve hat einen Kurzschluss im Abwertungsprozess erzeugt", war sich Edwards sicher. "Wie eine künstliche Stimulanz hat QE alle Vermögenswerte aufgebläht und die Preise von ihrem fundamentalen Wert und von dort, wo sie sich eigentlich hinbewegt hätten, wegbefördert." Eigentlich steuere der Westen wie Japan bereits vor zwei Jahrzehnten auf eine "wirtschaftliche Eiszeit" zu. Die Eiszeit sei nur durch die Liquiditätsflut verhindert worden.

    Kein Wunder, dass sich Edwards durch die dramatischen Kursverluste in dieser Woche bestätigt fühlt. Aktuell sieht Edwards vor allem vier große Gefahren für die Aktienmärkte, die er in einem Brief an die Kunden seiner Bank auch als die "vier apokalyptischen Reiter" für den Aktienmarkt beschreibt:

    "Aktienanleger stehen den vier apokalyptischen Reitern gegenüber, die auf sie zustürmen. Ganz vorne als Anführer sind die steigenden US-Anleiherenditen, die aber dicht gefolgt werden von dem eskalierenden Handelskrieg und der Instabilität der Währungen der Schwellenländer. Der letzte, aber wahrscheinlich unberechenbarste Reiter ist der aktuelle Streit zwischen der italienischen Regierung und der Europäischen Kommission über das italienische Haushaltsdefizit", schreibt Edwards.

    Warum steigende Zinsen ein Problem für die Aktienmärkte darstellen, können Sie hier nachlesen: US-Aktienmarkt: Droht jetzt die Zinskatastrophe?

    Edwards ist sich aber keineswegs sicher, ob der jahrzehntelange Abwärtstrend bei den US-Anleiherenditen tatsächlich schon zu Ende ist. Denn eigentlich erwartet Edwards, dass die Zinsen in der kommenden Rezession weiter deutlich sinken. Auch wenn Edwards durch den jüngsten Renditeanstieg etwas verunsichert wurde, wie er selbst zugibt, so steht er doch noch zu seiner Prognose, "dass die zehnjährige US-Anleiherendite tief in den negativen Bereich fallen wird während der nächsten Rezession (bis auf minus 0,5 bis minus 1 Prozent)", wie Edwards schreibt.

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    Obwohl es nach Einschätzung von Edwards sein könnte, dass sich der jüngste Ausbruch der Anleiherenditen nach oben als Fehlsignal entpuppt, rechnet er mittelfristig nicht mit einer Erholung der Aktienmärkte. "Rezession und Zusammenbruch der Anleiherenditen sind eine größere Gefahr für Aktien als ein weiterer Anstieg der Renditen von diesem Punkt an", schreibt Edwards. So oder so sieht Edwards für Aktienanleger eine eher düstere Zukunft voraus und rechnet damit, dass wohl entweder steigende Zinsen oder eine bald einsetzende Rezession den Bullenmarkt beenden werden.

    S&P 500

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