Als ich heute am späten Vormittag routinemäßig den Börsensender n-tv eingeschaltet habe, da wurde mir schnell klar, dass wir kurzfristig prächtige antizyklische Kaufkurse sehen: Immer dann, wenn die Kommentatoren dort mit angsterfüllter Mine in die Kameras starren, ist es an der Zeit, Aktien zu kaufen. Der einzige, den das Desaster vollkommen kalt lässt, ist der sehr geschätzte Kollege Frank Meyer, der aber auch bekannt (oder berüchtigt) ist für seinen unverstellten Blick auf die Tatsachen.

In der Tat, gegen elf Uhr vormittags lag der DAX mit stolzen sieben Prozent im Minus. Ich konnte nicht widerstehen und habe antizyklisch ein paar Papierchen eingesammelt, ganz kurzfristig wie gesagt. Ein Blick auf das Börsenbarometer: Bei 5.500 Punkten hat der DAX heute auf einer massiven Betonunterstützung aufgeschlagen, die bis in das Jahr 2002 zurückreicht. Sollten die US-Börsen heute nicht vollends abschmieren, dürfte sich auf diesem Niveau eine Stabilisierung durchsetzen:

Doch auch andernorts drehen die Anleger gerade völlig durch: Gold und der Schweizer Franken kennen kein Halten mehr. In der Juni-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs hatten wir inmitten der allgemeinen Erwartung einer „Sommerpause“ beim Gold die Prognose gewagt, dass der Goldpreis womöglich schon bis September die Marke von 2.000 US-Dollar je Feinunze erreichen könnte. Mit aktuell 1.780 US-Dollar je Unze sind wir davon gar nicht mehr so weit entfernt.

Doch die Notenbanken werden dem Treiben bei den Edelmetallen nicht mehr lange zusehen. Wir erinnern daran, dass der Goldpreis als natürlicher Feind der Notenbanken, immer dann „zurückgepfiffen“ wird, wenn zu offensichtlich wird, dass an unserem Finanzsystem etwas oberfaul ist. Bald ist es wieder soweit:

Angst, nein, nackte Panik treibt die Anleger derzeit in die letzten Zufluchtstätten. In der Schweiz explodieren im Zuge dessen die Immobilienpreise. Zahlreiche zahlungskräftige Ausländer, Deutsche vor allem, räumen dort den Immobilienmarkt leer. In guten Lagen werden bis zu 28.000 Euro (!) je Quadratmeter gezahlt. Erstklassige Objekte kosten da schon mal 30 Millionen Euro.

Ich würde jede Wette eingehen, dass dort gerade eine gigantische Spekulationsblase aufgepumpt wird. Man muss sich doch einmal fragen, was an der Schweiz so toll sein soll. Die Schweizer Finanzhäuser leiden ganz massiv unter der weltweiten Finanzkrise, nur wenige europäische Institute stehen so schlecht da wie die Schweizer Großbank UBS: Die Schulden des Instituts türmen sich auf das Vierfache der Schweizer Wirtschaftsleistung. Der Beinahekollaps der UBS im Jahr 2008 hat gezeigt, wie abhängig die Schweizer Volkswirtschaft von den Großbanken ist. Eine „Rettung“ der UBS hätte unmittelbar den Staatsbankrott der Eidgenossen zur Folge. Zudem besitzt das Land keinerlei Rohstoffe und ist heillos übervölkert.

Kein Wunder also, dass das „smart money“ längst nach Hongkong, Singapur oder Brasilien flüchtet. Auch Kanada oder Norwegen wären mir persönlich als potentielle Fluchtorte wesentlich lieber als die Schweiz. Warten wir also ab, was mit den Immobilienpreisen in Basel, Genf und Bern, und was mit dem Schweizer Franken noch passieren wird, wenn die ersten Schweizer Geldinstitute in die Insolvenz schlittern....

In den USA dürfte das nicht mehr lange dauern. Sieht man sich die Kursverläufe einiger US-Großbanken an, dann wird deutlich, dass hier, ganz ähnlich wie im Jahr 2008, noch größeres Unheil droht. Nachfolgend beispielhaft der Kursverlauf der Bank of America (BAC). Allein gestern stürzte der Aktienkurs mehr als 20 Prozent in die Tiefe:

Die Herabstufung der USA durch Standard and Poor´s von der Bestnote AAA auf AA+ hat nun die finale Phase der Kreditkrise eingeläutet. Dieser „Kratzer im Lack“, wie Claus Kleber vom heute-journal des ZDF die Herabstufung am Sonntagabend genannt hat, wird die Vereinigten Staaten noch teuer zu stehen kommen. Chinesische Rating-Agenturen zeigen nämlich schon, wohin die Reise gehen wird:

Dagong Global Credit Rating aus China hat die Bonität der Vereinigten Staaten kürzlich von A+ auf A gesenkt, also um fünf Stufen unter die Bestnote AAA, die von den USA wegen der historisch einzigartigen Schuldenberge so dringend benötigt wird. Und da die Chinesen die größten ausländischen Käufer von US-Staatsanleihen sind, ist deren Meinung, sagen wir mal, nicht ganz unbedeutend.

Schon vor einigen Jahren haben wir im Antizyklischen Börsenbrief diese Dinge angekündigt. Eine „Rettung“, wie sie derzeit von den Politikern rund um den Erdball verzweifelt gesucht wird, wird es nicht geben. Das System krankt unheilbar an zu vielen Schulden. Noch mehr Schulden - in den USA, nur als Beispiel, dürfte „QE3“ schon in den Startlöchern stehen - werden die Probleme nur noch weiter verschlimmern. Der Goldpreis wird daher in den kommenden Jahren auf mindestens 5.000 US-Dollar steigen, Banken werden pleite gehen, viele Menschen werden einen Großteil ihres Vermögens verlieren.

Doch natürlich wird deshalb nicht die Welt untergehen: Der Bereinigungsprozess, der uns jetzt bevorsteht, wird schmerzhaft werden, aber er hat auch etwas Gutes: Anschließend kann ein neuer, ein gesunder Aufschwung starten.

Umsonst wird diese Wende zum Besseren freilich nicht zu bekommen sein: Stellen Sie sich auf zwei bis drei schwierige Jahre ein. Bauen Sie Ihre Schulden ab und schaffen Sie Reserven, damit Sie nicht völlig aus der Bahn geworfen werden, wenn die weltweite Finanzkrise nach dem Vorgeplänkel im Jahr 2008 das eigentliche Finale einläutet...

Mehr dazu in der September-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de