Was ist ein "Quant"? Im Wall-Street-Jargon sind das Analysten und Anleger, die sich der Börse nicht etwa mit Methoden aus den Wirtschaftswissenschaften nähern, sondern mit Methoden aus der Mathematik und der Statistik. Statt also die Berichterstattung über aktuelle Wirtschaftsthemen zu verfolgen oder Charts zu studieren, versuchen Quants riesige Datenmengen statistisch auszuwerten und Gesetzmäßigkeiten zu finden, mit denen sich Geld verdienen lässt.

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In der Theorie machen quantitative Anleger etwas völlig anderes als "normale" Anleger. In der Praxis können die beiden Welten aber auch sehr nahe beieinander liegen. Nehmen wir zum Beispiel das Kursgeschehen. Die Kursentwicklung der Vergangenheit ist eine der wichtigsten Datenreihen, die "Quants" zur Verfügung haben. Die Kursentwicklung der Vergangenheit ist aber auch die Grundlage der Technischen Analyse. Strenggenommen betreiben also auch Quants oft "Technische Analyse", wenn sie die Kursentwicklung der Vergangenheit analysieren und daraus Entscheidungen für die Zukunft ableiten. Aber während der "normale" Technische Analyst die Kursentwicklung oft mit dem bloßen Auge in Form von Charts betrachtet, wendet der Quant eben mathematisch-statistische Methoden an, wie sie sonst eher in den Naturwissenschaften als an der Börse angewandt werden. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass beide Anleger zum gleichen Ergebnis kommen, etwa dass bei einer bestimmten Aktie ein Aufwärtstrend vorliegt, der sich mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen dürfte.

James Simons ist wahrscheinlich der größte Quant aller Zeiten und mit ziemlicher Sicherheit auch der reichste. Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt steht Simons mit einem Vermögen von 21,5 Milliarden US-Dollar auf Platz 44. Im vergangenen Jahr war er laut Bloomberg zudem der Hedgefondsmanager mit dem höchsten Einkommen. Ganze 7,7 Milliarden Dollar verdiente Simons im vergangenen Jahr - während sich zahlreiche Hedgefonds äußert schwertaten, überhaupt Geld zu verdienen.

Der Wall Street näherte sich Simons erst, als er bereits eine Karriere als erfolgreicher Mathematiker hinter sich hatte. Im Jahr 1982 gründete Simons seine Hedgefondsgesellschaft Renaissance Technologies. Während andere Wall-Street-Firmen viele Ökonomen und Betriebswirte beschäftigen, stellt Renaissance Technologies vor allem Mathematiker, Naturwissenschaftler und Informatiker ein.

Anlässlich der Verleihung eines Preises war Simons nun zu Gast in einer dreiteiligen Diskussionsreihe an der US-Eliteuniversität MIT. In der ersten Diskussionsrunde geht es um Simons erste Karriere als Mathematiker. Im zweiten Teil spricht Simons über seine Erfahrungen im Finanzsektor. Im dritten Teil (der noch nicht als Video veröffentlicht wurde) spricht Simons über seine philanthropischen Tätigkeiten, denen er in den vergangenen Jahren die größte Aufmerksamkeit widmete.

https://www.youtube.com/watch?v=srbQzrtfEvY

Einige interessante Erkenntnisse aus der Diskussion zum Themenkomplex "Finanzen":

  • James Simons war ein erfolgreicher "fundamentaler Trader" (wie er selbst sagt), bevor er mit dem quantitativen Investieren begann und handelte vor allem Währungen. Das war zu einer Zeit, als viele Währungen erst kurze Zeit überhaupt frei gehandelt werden konnten.
  • Von seinen Erfahrungen als Mathematiker hat Simons nach eigener Einschätzung vor allem dadurch profitiert, dass er es faszinierend fand, Algorithmen zu entwerfen, um bestimmte Probleme zu lösen. In seiner Karriere als Mathematiker setzte Simons das unter anderem ein, als er damit beschäftigt war, russische Verschlüsselungscodes für das Pentagon zu knacken. Trotzdem hat Simons Computer nie selbst programmiert und das auch später nie gelernt. Implementiert wurden die von Simons entworfenen Algorithmen immer von anderen Programmierern.
  • Das erste algorithmische Handelssystem entwarf Simons zusammen mit dem Mathematiker Leonard E. Baum, der für den sogenannten Baum–Welch-Algorithmus bekannt ist. Der Baum-Welch-Algorithmus wird dazu benutzt, um die unbekannten Parameter eines sogenannten Hidden Markov Models (HMM) zu finden. Diese sogenannten Hidden Markov Models können auch zur Kursprognose eingesetzt werden (siehe hier). Das erste Handelssystem sollte Währungen automatisch handeln, wurde aber zunächst nicht eingesetzt. Denn Baum war der Meinung, dass seine Intuition besser geeignet war, den Markt vorherzusagen, als das ausgeklügelte Handelssystem. Eines Tages kam Baum später als sonst ins Büro, weil er die eintrudelnden Wirtschaftsmeldungen verfolgt hatte. Er war der Meinung, dass die britische Premierministerin Thatcher "auf dem Pfund sitzt" und das Pfund früher oder später nach oben schießen würde. Als Baum ins Büro kam, "war Thatcher bereits aufgestanden", denn das Pfund war bereits in die Höhe geschossen, auch wenn sich die Bewegung später noch fortsetzte.
  • Mit seinen fundamentalen Entscheidungen war Simons sehr erfolgreich, allerdings ärgerte er sich darüber, dass die Ergebnisse nicht reproduzierbar waren und teilweise auch vom Glück abhingen. Er wollte seine Handelsentscheidungen deshalb systematisieren. Das ursprüngliche Handelssystem wurde deshalb noch einmal überarbeitet und anschließend für alle möglichen Märkte eingesetzt. Obwohl das System sehr komplex war, war es im Kern nichts anderes als ein Trendfolgesystem, das irgendwann aber keine guten Ergebnisse mehr produzierte. Trendfolgesysteme funktionierten in der Vergangenheit sehr gut, aber bei Währungen und Rohstoffen funktionierten sie seit einigen Jahren nicht mehr gut, so Simons, und es gab keine Anzeichen dafür, dass sich daran wieder etwas ändern würde.
  • Der Durchbruch kam, als ein anderer Mitarbeiter zusammen mit Simons ein System entwickelte, das in sehr viel kürzeren Zeithorizonten handelte, auch wenn es kein High-Frequency-System war. Von da an ging es nur noch aufwärts mit Renaissance Technologies, so Simons.
  • Den Erfolg der späteren Jahre führt Simons darauf zurück, dass das von Renaissance Technologies genutzte Handelssystem immer mehr verfeinert, verbessert und an die aktuellen Gesetzmäßigkeiten des Marktes angepasst wurde. Einige Elemente, befinden sich möglicherweise bereits seit 10 oder 20 Jahren im Handelssystem, aber einzelne Komponenten werden ständig ergänzt oder wieder entfernt. Renaissance Technologies beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter, darunter viele Naturwissenschaftler, die sich ständig um die Verbesserung des eingesetzten Systems bemühen.
  • Nach welchen Strategien Renaissance Technologies aktuell handelt, darauf geht Simons nicht ein (und er wird auch gar nicht danach gefragt).

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