• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Börse: FOREX / Kursstand: 1,19380 $

An dieser Stelle passt die Analyse des US-Präsidentschaftszyklus, den wir neben der Analyse auf der Aktienseite traditionell auch im Rahmen des Jahresausblicks auf der Währungsseite beleuchten, hervorragend ins Bild. Um es vorwegzunehmen: Der durchschnittliche Verlauf des US-Dollar zum Euro zeigt – aus Sicht des Greenback – in der Rückrechnung seit Beginn der 1970er Jahre für das gerade begonnene Zwischenwahljahr ein eindeutiges Bild. Wenngleich das 1. Quartal mehr oder minder ein Nullsummenspiel darstellt, so fällt doch unter dem Strich nur der Jahresauftakt für die amerikanische Valuta freundlich aus. Gemessen am typischen Verlauf von US-Zwischenwahljahren etabliert sich im Februar zum Euro ein USD-Abwärtstrend, der das Währungspaar bis zum Jahresende begleitet. Zwar wird kurz vor dem Halbjahreswechsel nochmals die Nulllinie – sprich: die Jahresauftaktnotierung – erreicht, doch vor allem in der zweiten Jahreshälfte sieht sich der Greenback mit saisonalem Gegenwind konfrontiert (siehe Chart 1). Ein erneuter Schwächeanfall ab Ende November sorgt in der historischen Betrachtung sogar für einen Schlusskurs auf Jahrestief. Durch die saisonale Brille betrachtet, dürfte die US-Valuta im neuen Jahr also mit Gegenwind zu kämpfen haben.Der-Faktor-Saisonalität-Kommentar-Jörg-Scherer-GodmodeTrader.de-1


Das große "ABER"

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Nach einem Zwischenstand von drei zu null zugunsten des Euro kommen wir zu einem ganz entscheidenden Gegenargument, welches wir im „großen Bild“ des Währungspaars ausmachen. So hat die im Monatschart zu Beginn des Jahres 2015 vervollständigte multiple Schulter-Kopf-Schulter-Formation genauso weiterhin Bestand wie der Bruch des Mitte der 1980er Jahre etablierten EUR-Basisaufwärtstrends (siehe Chart 2). Vor diesem Hintergrund brachte die Rally der europäischen Einheitswährung im abgelaufenen Jahr (bisher) lediglich einen Pullback an die Nackenzone der beschriebenen Toppbildung. Letztlich erfährt die obere Umkehr dadurch sogar eine Bestätigung. Der Respekt der Marktteilnehmer vor den horizontalen Hürden bei rund 1,20 USD lässt sich auch an den letzten Monatskerzen festmachen. Schließlich ist die Rally der 1. Jahreshälfte 2017 im Dunstkreis dieses Widerstandsgürtels nachhaltig ins Stocken geraten. Dessen Relevanz wird durch andere Zeitebenen bzw. andere Chartdarstellungsformen unterstrichen. So liegt beispielsweise aktuell ein „inside quarter“ vor, welches oberhalb von 1,21 USD positiv aufgelöst wäre. Eine solche Notierung ließe auch aus Sicht des Point & Figure-Charts ein strategisches EUR-Kaufsignal entstehen.

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Trend + langfristiger Durchschnitt: 1,24 USD als Schlüsselgröße

Wenngleich ein Überspringen des Jahreshochs 2017 (1,2094 USD) die beschriebene obere Umkehr negieren würde und vor diesem Hintergrund für ein erstes wichtiges Einstiegssignal sorgen würde: Wirklich etwas gewonnen wäre erst oberhalb der Marke von rund 1,24 USD. Auf diesem Niveau fällt der ehemalige Basisaufwärtstrend seit 1985 (per Januar bei 1,2384 USD) mit dem 200-Monats-Durchschnitt (akt. bei 1,2414 USD) zusammen. Dank der Rückeroberung der langfristigen Glättungslinie sowie einer Rückkehr in den Basishaussetrend käme eine solche Weichenstellung einem echten Befreiungsschlag gleich. Deshalb markiert dieses Level die große Schaltstelle aus Sicht der EUR-Bullen. Die Bedeutung der angeführten Signalmarke gewinnt noch weiter an Relevanz, wenn Anleger bedenken, dass der seit dem Rekordhoch vom Juli 2008 bei gut 1,60 USD bestehende Baissetrend (auf Monatsbasis akt. bei 1,2641 USD) ab der Jahresmitte 2018 ebenfalls in diesem Dunstkreis verlaufen wird (siehe Chart 3). Das Brett, das der Euro zum US-Dollar zu bohren hat, wird also noch dicker. Nicht zuletzt liefert dieser Kursverlauf ein weiteres Argument für Anleger, nicht zu früh zum EUR-Optimisten zu mutieren. Schließlich befindet sich das Währungspaar seit fast zehn Jahren in einem intakten Abwärtstrend.

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Dimension einer positiven Weichenstellung

Da es nicht schwer fällt, die Bedeutung der angeführten Schlüsselgröße zu betonen, können Anleger von einer besonderen Tragweite eines möglichen Sprungs über den Katalysator bei rund 1,24 USD ausgehen. Im Erfolgsfall winkt ein Wiedersehen mit dem Hoch vom Dezember 2004 bei 1,3667 USD. Aber selbst der Ausgangspunkt des letzten EUR-Rutsches vom Mai 2014 (1,3992 USD) würde dann wieder ins Blickfeld rücken. Eine ganz andere Dimension erhält ein Ausbruch auf der Oberseite aber durch die langfristige Betrachtung: Bei einer positiven Weichenstellung wäre die gesamte Kursentwicklung seit 2008 letztlich als riesige Flagge zu interpretieren, so dass auf Sicht der nächsten Jahre selbst ein Anlauf auf das Rekordhoch bei gut 1,60 USD nicht auszuschließen wäre. Da wir im neuen Jahr aber eine optimistische und eine pessimistische Euro-Einschätzung gleichberechtigt nebeneinander sehen, bedarf es noch der Definition des Signalgebers auf der Unterseite. Mit dem Sprung über die Hochs vom Mai 2016 und August 2015 bei 1,1614/1,1711 USD hat der Euro zur US-Valuta aus Sicht des Monatscharts eine Bodenbildung vervollständigt. Spätestens bei einem erneuten Abgleiten unter das Hoch vom Oktober 2015 (1,1495 USD) wäre diese endgültig negiert.

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1,15 USD als Signalgeber auf der Unterseite

Ein Rebreak dieses Levels versetzt dem Euro deshalb die „volle Breitseite“. Die Verletzung dieses Signallevels würde den EUR-Erholungsimpuls des abgelaufenen Jahres letztlich als Pullback an die Nackenzone der großen Schulter-Kopf-Schulter-Formation enttarnen, der die vorangegangene EUR-Schwäche konsolidiert und gleichzeitig den Boden für die nächste Abwärtsbewegung bereitet. Perspektivisch sollten sich Investoren dann auf ein Ausloten der letzten zyklischen Tiefs bei rund 1,05/1,0340 USD einstellen. Auf dem Weg in diese Kursregion definiert die Kombination aus verschiedenen Hoch- und Tiefpunkten bei rund 1,08 USD sowie der Kurslücke vom April auf Wochenbasis (1,0819/1,0777 USD) ein wichtiges Etappenziel. Schließlich sind Gaps im Währungsbereich ein äußerst seltenes Phänomen. Ein wichtiges Argument liefern zudem die aktuellen CoT-Daten. Die „wissenden“ Commercials verfügen derzeit über sehr große EUR-Shortpositionen – um genau zu sein die größten seit 2007 –, was sich zukünftig durchaus als Belastungsfaktor für den Euro erweisen dürfte (siehe Chart 5). Innerhalb der Leitplanken zwischen 1,24 USD und 1,15 USD befindet sich das Währungspaar aber eindeutig im charttechnischen Niemandsland.

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USD-Index: Bastion bei 91 Punkten

Als zusätzliche Orientierungshilfe für die Bestimmung der künftigen EUR/USD-Kursrichtung dient möglicherweise ein Chart, den wir im Jahresausblick traditionell auf den Prüfstand stellen: den USD-Index. Dieser spiegelt die Entwicklung des Greenbacks im Vergleich zu den sechs wichtigsten Handelswährungen EUR, GBP, JPY, CHF, CAD und SEK wider. Nach einem frühen Verlaufshoch im Januar 2017 bei 104 Punkten, ging der Index im abgelaufenen Jahr in eine Korrektur über. Dabei stechen das aktuelle „bearish engulfing“ sowie die nahezu auf identischem Niveau ausgeprägten letzten drei Jahrestiefs ins Auge. Mit anderen Worten: Ein Abgleiten unter diese Tiefs bei 92/91/90 Punkten – verstärkt durch das 38,2 %-Fibonacci-Retracement des gesamten USD-Erholungsimpuls von März 2008 bis Januar 2017 (91 Punkte) – würde dem Greenback einen echten Nackenschlag versetzen (siehe Chart 6). Schließlich müsste die gesamte Kursentwicklung der letzten knapp drei Jahre dann als Toppbildung interpretiert werden. Auf der Oberseite markieren dagegen die letzten beiden Monatshochs vom Oktober/November bei 95 Punkten den Auftakt zu einem wichtigen Barrierenbündel.

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Leitplanken 2018 

Zusätzlich speist sich dieser Kumulationswiderstand aus einem Fibonacci-Cluster aus zwei unterschiedlichen Retracements (jeweils 96 Punkte) und dem steilen Baissetrend seit Jahresbeginn 2017 (akt. bei 96 Punkten). Damit der US-Dollar in die Erfolgsspur zurückfindet, ist also ein Spurt über dieses Schlüssellevel vonnöten. Per Saldo befindet sich also auch der USD-Index derzeit in einer Findungsphase. Fazit: Eine der größten Überraschungen des letzten Jahres stellt Anleger vor eine der größten Herausforderungen der nächsten zwölf Monate. Für den Euro im Vergleich zum US-Dollar belassen wir es im Jahresausblick 2018 deshalb bei der Definition von Signalmarken. Während ein Überwinden der Schlüsselgröße bei rund 1,24 USD eine nachhaltige Trendwende gen Norden begründen dürfte, liefert ein Abgleiten unter die Marke von 1,15 USD das entscheidende Indiz, wonach die Atempause von 2017 beendet ist und der im Sommer 2008 begonnene EUR-Abwärtstrend wieder Fahrt aufnimmt (siehe Chart 7). Trotz der gegenwärtigen Orientierungssuche dürfte im Jahr 2018 beim Währungspaar EUR/USD die Entscheidung zwischen diesen beiden Polen fallen.

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