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Trump ist immer für eine Überraschung gut. Die einen lieben in dafür, die anderen finden das, nun ja, nicht so gut. Der G20-Gipfel sorgte am Ende für keine Überraschungen. Für manche ist schon das ein Erfolg. Zu erwarten war das nicht, denn bei einem Kernthema braucht es dringend Erfolge.

Das zeigen gerade veröffentlichte Handelsdaten. Das Bild ist katastrophal. Die Handelsbilanz der USA ist rekordverdächtig negativ (Grafik 1). Das Defizit im Warenhandel liegt bei knapp 77 Mrd. Dollar, in nur einem Monat. Das ist gigantisch und der drittschlechteste Wert aller Zeiten.

Unter Berücksichtigung des Dienstleistungsverkehrs sieht es nicht ganz so düster aus. Da die USA hier einen Überschuss erzielen liegt der Gesamtwert bei -55 Mrd. Das ist immer noch stattlich. Vor Beginn der Finanzkrise lag dieser Wert einmal bei -67 Mrd. Es geht also noch schlimmer.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass der Ölpreis damals über 100 Dollar betrug und die USA ein großer Ölimporteur waren. Heute importieren sie kaum noch Öl und Öl ist billig. Auf vergleichbarer Basis ist das Defizit also ziemlich hoch und ein Rekord.

Das Defizit weitet sich zudem Monat um Monat aus. Seit Trump Präsident ist, hat es sich um 11 Mrd. ausgeweitet. Das war eigentlich nicht der Plan. Die Zölle führen nicht dazu, dass das Defizit schrumpft, sondern dazu, dass es steigt.

Die Zölle an sich sind dafür teilweise direkt verantwortlich. Ein Teil der Importe wird vorgezogen, um neuen Zöllen zu entgehen. Letztlich müssen US-Konsumenten aber für die gleichen Waren einfach mehr zahlen. Eine Substituierung findet derzeit nicht statt. Das Defizit wird daher auch nach Sondereffekten hoch bleiben.

Zölle sind also nicht die Lösung. Das gilt auch, weil die Zölle gar nicht so tief sind. Im internationalen Vergleich haben die USA mit der EU, Kanada und Japan die niedrigsten Zölle. Kommt es aber zu Handelsbeschränkungen aufgrund diskriminierender Bestimmungen, sind die USA ganz vorne mit dabei (Grafik 2).


Die USA werden also nicht mit Gütern überrannt, weil die Handelshemmnisse zu schwach sind. Hier belegen die USA bereits einen Spitzenplatz. Es sind andere Gründe. Kurz zusammengefasst müssen die USA einfach mehr sparen, wenn sie das Defizit verringern wollen. Genau das tut Trump nicht.

Der Kampf gegen das Defizit ist schon verloren. Der Versuch, es einzudämmen, hat sogar dazu geführt, dass es sich ausweitet. Eine gewisse Komik hat das schon. Immerhin wird jetzt vorerst gegenüber China auf Zollerhöhungen verzichtet. Es wird wieder verhandelt. Eine andere Möglichkeit hat die US-Regierung auch fast nicht. Zölle haben nicht funktioniert. Jetzt braucht es einen Kompromiss, auch wenn dieser überhaupt nichts erzielt, um wenigstens noch das Gesicht wahren zu können.