Für Anleger gibt es zwei Angstszenarien. Zum einen sind da Crashs, die aus dem Nichts kommen. Das wohl beste Beispiel ist 1987. Zum anderen sind es Krisen wie 2008, die nicht nur ein paar Tage um sich greifen, sondern wochen- oder monatelang unerbittlich Kursverluste erzwingen.

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1987 wird gerne als perfektes Beispiel für einen Schwarzen Schwan genannt. Ein Schwarzer Schwan ist ein Ereignis, das niemand kommen sieht. Entsprechend überrascht sind dann alle, wenn es eintritt.

Persönlich würde ich 1987 nicht gerade als Schwarzen Schwan klassifizieren. Es war zwar unmöglich, die Kursbewegung von -22 % im Dow Jones vorherzusagen, doch ganz überraschend kam der Crash dann doch nicht. Bereits zwei Monate vor dem eigentlichen Crash begann der Markt zu drehen.

Vor dem eigentlichen Crash korrigierte der Markt zwei Monate lang, insgesamt mit einem Minus von 8 %. In den drei Tagen vor dem großen Kursverlust ging es 10 % nach unten. Wenn Indizes innerhalb von drei Tagen 10 % verlieren, dann muss eigentlich jedem ein Licht aufgehen. Das geschah an Tag 4, als in Panik verkauft wurde.

Als Anleger kann man nur hoffen, dass man nicht zu der Masse gehört, die an Tag 4 reagiert, sondern bereits an Tag 2 oder 3 sein Risiko abbaut. Timing ist schwierig, wenn nicht sogar die schwierigste Aufgabe eines Anlegers. Trotzdem kündigen sich die meisten heftigen Kursbewegungen an. Das war 1987 so und auch 2011 und 2015 war es nicht anders.

Die meisten werden die Zeichen beim nächsten Mal dennoch nicht erkennen. Wie soll man auch, wenn sich solche Signale auch regelmäßig als Fehlsignal erweisen?

Als Anleger kann man die Zeichen zwar erkennen, doch diese Zeichen enden nicht mit Sicherheit in einem Crash. Dabei entpuppen sich die Anzeichen häufiger als Fehlsignal als ein gültiges Signal. Folgt man jedem Signal, verpasst man ein gutes Stück der Aufwärtsbewegung.

Noch hoffnungsloser ist der Versuch, sich vor Schwarzen Schwänen zu schützen. 1987 hat sich angekündigt und ist kein Schwarzer Schwan. Ein solcher ist vielmehr in Ereignissen wie dem 11. September 2001 zu finden. Als das World Trade Center plötzlich kollabierte, war das etwas, was so wirklich nicht vorhersehbar war.

Als Anleger kann man Schwierigkeiten im Markt zwar erkennen, aber die Trefferquote von Signalen ist niedrig. Schwarze Schwäne kann man per Definition im Vorhinein nicht kennen. Das ändert natürlich nichts an der Frage, ob man sich trotzdem schützen kann.

Fragt man zu diesem Thema 5 Experten, bekommt man vermutlich mindestens 7 Antworten. Ich kann daher nur meine ganz persönliche Meinung beschreiben. Diese ist relativ kurz.

Als Anleger kann man sich gegen Kursverluste einfach absichern, sei es über Optionen oder andere Instrumente. Das kostet allerdings. Wer sich permanent absichert, zahlt so viel für die Absicherung, dass unterm Strich kaum Performance übrigbleibt. Das macht keinen Sinn.

Ich halte es daher ähnlich wie Buffett: Wenn man von einem Unternehmen überzeugt ist, sollte man sich von kurzfristigen Schwankungen und selbst Krisen wie 2008 nicht aus der Bahn werfen lassen. Man sollte aber Eines beachten: immer etwas Cash auf der Seite haben. Wenn es knallt, ist nichts ärgerlicher, als kein Cash für Schnäppchen zu haben oder sogar mit Hebel investiert zu sein.

Clemens Schmale

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