London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Im vergangenen Jahr schien es schon, als hätten die Anleger Gold den Rücken gekehrt. Nachdem der Preis über lange Zeit nur gefallen war und dann in der Nähe von 1.200 Dollar festgesetzt hatte, konnte er sich mittlerweile wieder deutlich von dieser Marke nach oben absetzen.

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    Die heftigen Kursausschläge gegen Jahresende 2018 und zu Beginn 2019 haben dem Krisenschutz wieder starken Zulauf beschert. Mehr als zehn Dollar hat der Preis seit Jahresbeginn zugelegt. Am vergangenen Freitag kostete die Feinunze im Terminhandel sogar wieder mehr als 1.300 Dollar. Am Kassamarkt blieb der Spot-Preis für Gold dagegen knapp unter der runden Marke. Am Montag notierte die Feinunze bei 1.294 US-Dollar, heute ein paar Dollar tiefer. In dieser Preisregion hielt sich das Edelmetall zuletzt im Juni 2018 auf. „Die Wirtschaftsdaten haben zuletzt enttäuscht, die Aktienmärkte sind massiv unter Druck gekommen, also wird Gold von Anlegern als sicherer Hafen gesucht,“ erklärte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg den neuen Gold-Hype.

    Auch die rückläufigen US-Renditen können wegen der damit verbundenen niedrigeren Opportunitätskosten durchaus als Kaufargument für Edelmetalle herhalten. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen kam es innerhalb von ungefähr zwei Monaten zu einer merklichen Reduktion von 3,2 auf unter 2,7 Prozent.

    Laut den Rohstoffanalysten der Commerzbank verhinderte der starke offizielle US-Jobbericht für Dezember, der am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, dass Gold die Marke von 1.300 Dollar nicht nachhaltig hinter sich ließ. Starke Arbeitsmarktdaten sind für die US-Notenbank Fed seit jeher ein überzeugendes Argument für höhere Zinsen, die die Goldpreisentwicklung grundsätzlich hemmen. Allerdings erhielt die Notiz von ebendieser Stelle zugleich auch Unterstützung, weil Fed-Chef Jerome Powell eine flexible Zinspolitik in Aussicht stellte und im Zinserhöhungszyklus auch zunächst eine Pause signalisierte.

    Aufsehen erregten am Montag Russ Koesterich, Portfolio Manager für den milliardenschweren Fonds „Blackrock Global Allocation Fund“. Der Blackrock-Fondsmanager äußerte sich im Interview mit Bloomberg recht zuversichtlich zur weiteren Goldpreisentwicklung: „Gold könnte seine Gewinne ausweiten, wenn sich das globale Wachstum verlangsamt, die Volatilität der Aktienmärkte nach wie vor hoch ist und die US-Notenbank voraussichtlich in diesem Jahr das Tempo der geldpolitischen Straffung verlangsamt". Das Edelmetall biete in solch einem Umfeld eine effektive Absicherung.

    „Rezessionsängste sind wahrscheinlich übertrieben, aber ich denke, wir erleben eine konjunkturelle Verlangsamung", sagte Koesterich. Obwohl Blackrock kein Gold-Kursziel benennt, erhöht der Vermögensverwalter seit dem dritten Quartal 2018 sukzessive seine Goldbestände in seinen Fonds. „Wir sind bei Gold zuversichtlich, betont Koesterich. „Wir denken, dass es ein wertvoller Portfolio-Hedge sein wird. Wir sind Multi-Asset-Investoren: Wir denken über die Auswirkungen auf das gesamte Portfolio nach, und was wir im Moment für sinnvoll erachten, ist Gold als Diversifizierungs-Option“.