• WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 61,215 $/Barrel

Die OPEC und Russland entziehen dem Markt Öl, der Iran fällt größtenteils wegen Sanktionen aus und auch in den USA wird die Fördermenge im Sommer fallen. Intuitiv erwartet man steigende Preise. Die Preise sind auch bis April kräftig gestiegen, doch nun beginnen sie wieder zu fallen. Das muss man erst einmal erklären...

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WTI Öl

Und man kann es erklären. Trotz aller Bemühungen der Fördermengenbegrenzung bleibt der Markt mit Öl überversorgt. Kaum etwas beschreibt die Überversorgung so gut wie der Rohöllagerbestand in den USA (Grafik 1). Seitdem die USA ein großer Produzent sind, verlaufen Ölpreis und Lagerbestand Hand in Hand. Steigt der Lagerbestand, ist das ein Zeichen dafür, dass das Angebot höher ist als die Nachfrage. Der Preis von Öl fällt entsprechend.

Seit Jahresbeginn gibt es nun eine Divergenz. Der Lagerbestand steigt. Im Normalfall hätte der Preis daraufhin sinken müssen. Das tat er nicht. Der Grund dafür waren die Förderkürzungen und Sanktionen gegen den Iran und Venezuela. Diese Sanktionen sind nun eingepreist. Das Überangebot bleibt derzeit jedoch bestehen.

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Dass der Iran kaum noch Öl exportieren kann, trifft den Weltmarkt weniger hart als befürchtet. Es ist auch nicht der erste Versorgungsschock, den der Markt gut verkraftet. Die vier Problemländer, Nigeria, Libyen, Venezuela und Iran, haben immer wieder für große Angebotsschwankungen gesorgt (Grafik 2). Das hat weder 2011, noch 2014 oder eben jetzt für einen merklichen Engpass gesorgt. Die Angst vor einer Ölknappheit ist übertrieben.

Spekulanten hat das nicht davon abgehalten in die Vollen zu gehen. Nachdem die rekordhohe Longpositionierung im vergangenen Jahr abgebaut wurde, kam es in den letzten drei Monaten zu einem massiven Rebound. Inzwischen ist der Markt schon wieder so dermaßen long, dass die Rekordhochs in greifbarer Nähe sind (Grafik 3). Wenn jeder long ist, wer soll dann noch kaufen?

Die Fördermengenkürzung der OPEC, Russlands und gezwungene Knappheit (Iran, Venezuela) sind längst eingepreist. Gleichzeitig bleibt der Markt überversorgt und Anleger sind sehr einseitig positioniert. Das alles spricht tendenziell dafür, dass der Preis von Öl weiter unter Druck kommen wird.

Anhaltende Preisschwäche in den kommenden Wochen wäre alles andere als überraschend. Danach muss man weitersehen. Vieles hängt davon ab wie stark die Produktion in den USA im Sommer zurückgeht und wie diszipliniert die OPEC+ ihre Fördermengenbegrenzung durchhält.

Kommt es zu keinen unvorhergesehenen Veränderungen wird der Ölpreis in den kommenden Wochen weiter unter Druck bleiben. Der WTI Preis könnte Richtung 50 Dollar fallen. Von dort aus ist ein neuerlicher Aufwärtstrend zu erwarten.

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