1. Das ifo Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands hat im Oktober entgegen den Erwartungen leicht auf 105,3 Punkte zugelegt. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Mittel (Median) einen Rückgang auf 104,5 Punkte prognostiziert, wir waren mit einem Zählerstand von 104,4 Punkten sogar eine Spur pessimistischer. Getrieben war die Stimmungsaufhellung von einem leichten Anstieg der Geschäftserwartungen um 0,3 Punkte auf 99,2 Punkte und einer etwas kräftigeren Verbesserung der Lagebeurteilung von 111,3 auf 111,8 Punkte. Der Zeiger der ifo-Uhr bewegte sich in diesem Monat kaum und verharrt weiter nahe der Grenze zum Abschwung.

2. Das größte Rätsel gibt uns die Lagebeurteilung auf. Freilich, die Industrie, die mit einem Gewicht von rund 58 % das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft dominiert, hat volle Auftragsbücher. Auch die Bauwirtschaft und der Einzelhandel zeigen sich zufrieden, denn angesichts der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung profitieren diese beiden „Krisenbranchen“ von Vorzieheffekten. Und dennoch lässt sich das Ausmaß an Zufriedenheit kaum erklären. Nimmt man die zurückliegenden Geschäftserwartungen für den Oktober zum Maßstab, dann müsste die Lagebeurteilung um rund 10 Punkte tiefer liegen, was bei der Schwankungsbreite dieses Indikators einer fast 30%-igen Überbewertung gleichkommt. Oder anders ausgedrückt: Das Bruttoinlandsprodukt müsste bei dieser Lagebeurteilung saison- und kalenderbereinigt mit einer Rate zwischen 4 % und 5% yoy zunehmen.

3. Der Anstieg der Geschäftserwartungen ist gering gewesen und bedeutet noch keine Trendwende. Allerdings war er dennoch überraschend, liegen doch die ifo Geschäftserwartungen noch deutlich über ihrem langjährigen Mittelwert, während die ZEW-Konjunkturerwartungen klar darunter liegen. Allein dies hatte eine Fortsetzung der Abwärtskorrektur erwarten lassen. Auch die Tatsache, dass die Unternehmen für die Gegenwart so optimistisch sind, hätte angesichts der kommenden Belastungen dazu führen müssen, dass diese ausgehend vom aktuell hohen Niveau eine Verschlechterung erwarten. Dies war nicht der Fall. Auf der Suche nach einer Antwort könnte man lediglich den Zeithorizont der Befragung (sechs Monate) anführen, der inzwischen den April erreicht hat. Im zweiten Quartal sollten die schlimmsten Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung und der globalen Konjunkturdelle hinter uns liegen. Zusätzlich könnte der drastisch gesunkene Ölpreis, der inzwischen auch zu einer Abwärtskorrektur von so mancher Ölpreisprognose geführt hat, die Erwartungen positiv beeinflusst haben. Tendenziell erwarten wir, dass die Geschäftserwartungen noch nachgeben.

4. Mit Blick auf die Branchen ist interessant, dass sich die Erwartungen des Einzelhandels erneut deutlich verschlechtert haben. Angesichts der Nachfrageausfälle und der infolge der Steuer- und Abgabenerhöhungen schwachen Einkommensentwicklung im kommenden Jahr trüben sich die Perspektiven ein. Ein ähnliches Bild sieht man im Trend bei der Bauwirtschaft – wenngleich der Oktober ein geringfügiges Erwartungsplus brachte. Die Bauwirtschaft ist in ähnlicher Form wie der Einzelhandel von den Mehrwertsteuer- und sonstigen Fiskaleffekten betroffen. Ebenfalls und deutlich haben sich die Erwartungen der anderen Dienstleister eingetrübt. All das spricht dafür, dass es derzeit die Industrie ist (mit Ansteckungseffekten für den Großhandel), die die gute Stimmung treibt.

5. Selten zuvor waren die Signale der Frühindikatoren so diffus wie derzeit. Zwischen Lage und Erwartungen in der ifo-Umfrage klafft eine riesige Lücke, wie der Differenzindikator zeigt. Zwischen den ZEWKonjunkturerwartungen und den ifo Geschäftserwartungen liegen Welten. So gesehen finden derzeit Optimisten wie auch Pessimisten Munition für ihre Argumentation. Wir bleiben im Lager derer, für die die Belastungen überwiegen.

Quelle: DekaBank

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