Der Anfang September begonnene Renditeanstieg setzte sich in der vergangenen Woche fort. Mittlerweile haben die zehnjährigen US- und Euro-Benchmarkpapiere das Niveau vom März dieses Jahres erreicht. Prägenden Einfluss hatten jüngst vor allem die Notenbanksitzungen in den USA und der Eurozone. Die FED erhöhte ihren Leitzins erwartungsgemäß um einen viertel Prozentpunkt, während die EZB weiterhin auf die Wirkung ihrer verschärften Rhetorik vertraut. Überwiegend gute Konjunkturdaten belasteten die Rentenmärkte zusätzlich.

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USA: Weitere 25 Basispunkte rauf

Die Federal Reserve hob vergangenen Dienstag die Fed Funds Target Rate um 25 Basispunkte auf nunmehr 4,0 Prozent an. Im Juni 2004 hatte die US-Notenbank diesen Zinserhöhungszyklus begonnen und mit schöner Regelmäßigkeit jeweils um 0,25 Prozentpunkte fortgesetzt. Zur Zeit bestehen bei den Investoren keine Zweifel, dass es noch einige Stufen weiter hinaufgeht. Die FED selbst erklärte anlässlich des jüngsten Zinsschrittes einmal mehr, dass die unterstützende Geldpolitik in maßvollem Tempo zurückgenommen werden könne. Der kumulative Anstieg bei Energie- und anderen Kosten hat das Potenzial, den Inflationsdruck zu erhöhen. Die konjunkturelle Entwicklung unterstützt ebenfalls ein Szenario steigender Zinsen. Der wichtige ISM Index für den Dienstleistungssektor war im Oktober deutlich stärker als vom Markt erwartet auf 60 Punkte gestiegen. Genauso wie der ISM Index für die Industrie (59,1 Punkte, marginaler Rückgang gegenüber September) zeigt er ein expansives Verhalten an. Der Arbeitsmarktbericht lag zwar für Oktober mit lediglich 56.000 außerhalb der Landwirtschaft neu geschaffenen Stellen weit unter den Erwartungen, doch sehen Beobachter das insgesamt nur als eine Delle infolge der Wirbelstürme an. Im September waren immerhin 8.000 Beschäftigungsverhältnisse abgebaut worden.

Eurozone: Optimistische Einkaufsmanager

In der Eurozone behielten positive Wirtschaftsdaten die Oberhand und drückten damit auf die Anleihekurse. So äußerten sich die Einkaufsmanager aus Industrie und Dienstleistung im Oktober einen Tick optimistischer als noch vor einem Monat, und auch die deutsche Industrie verzeichnete im September einen kräftigen Orderanstieg, womit der schwache Vormonat relativiert wurde. Bei den Unternehmen zeichnet sich also eine Belebung ab. Bis dieser allerdings auch die Verbraucher - insbesondere die hiesigen - erreicht, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Der deutsche Einzelhandel jedenfalls berichtete von stark rückläufigen Umsätzen im September, womit der Erlösanstieg in den ersten neun Monaten 2005 gegenüber der Vorjahreszeit auf 0,5 Prozent zusammenschmolz.

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag war im Grunde eine Neuauflage des Treffens vor einem Monat in Athen und brachte insofern nichts Neues. Der Leitzins wurde bei 2,0 Prozent belassen und die Wortwahl blieb scharf. Die EZB sei sehr wachsam und zu jeder Zeit handlungsbereit, unterstrich Jean-Claude Trichet. Der Blick der Investoren richtet sich nun nach vorn auf die Zusammenkunft am 1. Dezember, wenn die aktualisierte Projektion für 2006 vorgelegt wird. Durchaus vorstellbar ist, dass mit einer heraufgesetzten Inflationsprognose (die bisherige lautet im Mittel auf 1,9 Prozent) auch ein erster Trippelschritt beim Leitzins um 25 Basispunkte gegangen wird. Am Geldmarkt ist ein solches Szenario eingepreist.

Devisen: USD so hoch wie seit April 2004 nicht mehr

Durch den jüngsten Schritt der FED hat sich die Zinsdifferenz am kurzen Ende zwischen den USA und Euroland auf zwei Prozentpunkte ausgeweitet, ein Gefälle, das Anlagen in US-Papieren attraktiv macht. Nutznießer ist der US-Dollar, der im Nachfragesog gegenüber dem Euro beständig zulegt. Mit 1,18 USD stand der Euro zuletzt so tief wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Unterstützung erhält der Greenback ferner von ausländischen Gewinnen, die amerikanische Konzerne steuerbegünstigt in die Heimat zurückführen. IBM zum Beispiel holt auf diese Weise den enormen Betrag von 9 Mrd. USD nach Hause. Die strukturellen Probleme der USA (Leistungsbilanz- und Budgetdefizit, Sparleistung nach Null) haben vor diesem Hintergrund zur Zeit kaum Einfluss auf das Geschehen am Devisenmarkt.

Ausblick:

Hochkarätige Ereignisse sind in der laufenden Woche spärlich gesät. Vor allem der Devisenmarkt dürfte in den Blickpunkt geraten, werden doch u. a. die Handelsbilanzen von Deutschland und den USA für September veröffentlicht. Zudem steht am Donnerstag das US-Budgetdefizit im Oktober im Kalender. Darüber hinaus können sich die Marktteilnehmer ein Bild von der Industrieproduktion verschiedener Länder im September machen.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 122 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende Dezember 2004. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten- Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.