Gold steckt seit viereinhalb Jahren in einem Abwärtstrend und dieser erschöpft sich so langsam. Die Handelsspanne des Kurses (gemessen über die Average True Range) wird seit Monaten kleiner. Ganz nebenbei legt der Goldpreis seit Wochen zu - und das in einer Phase, in der Gold sonst eher schwach ist. Das erste Quartal eines jeden Jahres ist saisonal betrachtet das schwächste.

    Die Abwärtsimpulse fallen immer kleiner aus. Zu Beginn des Abwärtstrends korrigierte der Preis mehrfach um 20 % oder mehr. Es folgten kleinere Erholungen, gefolgt von neuen Abwärtsimpulsen. Noch ist der Abwärtstrend absolut intakt. Bisher markierte der Preis zuverlässig immer wieder tiefere Tiefs und tiefere Hochs. Ein Ende des Bärenmarktes kann man also noch nicht verkünden.

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    Gold

    Ein Ende des Bärenmarktes würde sich erst oberhalb von 1.190 Dollar andeuten. Darüber hätte der Preis die Chance, wieder einmal ein höheres Hoch auszubilden, aber ist das überhaupt realistisch?

    Generell wurde der Goldpreis durch zwei Faktoren gedrückt: aufwertender Dollar und Zinswende. Der Dollar hat inzwischen massiv aufgewertet und die Zinswende ist eingepreist. Die Zinswende ist in zweierlei Hinsicht wichtig gewesen. Einerseits war es ein Argument für die Dollaraufwertung, andererseits führt die Abkehr von der Nullzinspolitik zu höheren Realzinsen. Der Goldpreis ist vor allem von der Höhe der Realzinsen bestimmt.

    Sind die Realzinsen niedrig (Zinsen minus Inflation), dann fällt das für gewöhnlich mit steigender Inflation zusammen. Inflation gab es zuletzt kaum, doch selbst wenn Öl und andere Rohstoffe weiter sinken, ist ein Ende der Inflationsabnahme in Sicht. Gleichzeitig überwiegen weltweit die Konjunktursorgen. Der Markt glaubt inzwischen nicht mehr daran, dass die US-Notenbank die Zinsen deutlich anheben wird.

    Steigt die Inflation bei einem stabilen Zinsniveau, dann fallen die Realzinsen. Das ist genau das, was dem Goldpreis auf die Sprünge helfen sollte. Eine ganz andere Erklärung für die starke Performance von Gold ist die globale Unsicherheit sowie die Befürchtung, dass als Folge dieser Unsicherheit die US Zinswende wieder begraben wird. Die EZB und Bank of Japan öffnen die Geldschleusen bereits weiter auf. Die US Notenbank könnte in diesem Jahr noch folgen. Eine neuerliche Lockerung der Fed ist die direkte Einladung zu einem neuen Bullenmarkt. Bereits die letzte Geldflut hat Gold auf neue Rekordhochs getrieben.

    In den letzten Jahren haben sich solche Szenarien nicht bewahrheitet. Ob es 2016 anders sein wird, bleibt abzuwarten. Anleger sollten den Goldpreis im Auge behalten, denn viel zu wenige tun dies. Auch das spricht für einen Impuls. Noch vor einem Jahr wurde jede Regung des Goldpreises mit Schlagzeilen aufbereitet und hochemotional in Foren diskutiert. Das fehlt derzeit und zeigt, dass viele dem Edelmetall derzeit neutral und emotionslos gegenüber stehen. Permabullen scheinen sich größtenteils aus dem Markt verabschiedet zu haben. Das ist ein gutes Signal.