„Nach der weltweiten Rezession wird die Konjunkturerholung, je nach Land, sehr unterschiedlich ausfallen. Zum Jahresende 2020 könnten jedoch schon erste Zeichen einer Stabilisierung erkennbar werden. Worauf sollten sich Anleger in den nächsten Monaten einstellen? Unternehmensanleihen bester Bonität entwickeln sich gerade zum neuen Anlegerliebling, und das scheinbar ohne Risiko – jedenfalls solange Zinsen und Renditen auf Staatsanleihen aufgrund der massiven staatlichen und geldpolitischen Unterstützungspakete niedrig bleiben. Und die Aktienrallye, die schon seit dem Börsenkollaps im März anhält, lässt die Bewertungsniveaus immer höher steigen, mit entsprechenden Auswirkungen für zukünftige Renditechancen.

Unser aktueller Ausblick auf die Anlageklassen:

  • EU-Peripherie-Staatsanleihen

Italienische und spanische Anleihen dürften sich mit Hilfe des 750 Milliarden Euro starken Wiederaufbaufonds auch im Vergleich zu Bundesanleihen stabil halten – vorausgesetzt, dass eine flexible Geldpolitik einen Renditeanstieg begrenzt und Herabstufungen ihrer Bonität verhindert. Aktuell sind Carry-Trades mit Peripherie-Anleihen attraktiv genug, dass die Effekte einer unvermeidlichen Erhöhung der mittelfristigen Zinsen ausgeglichen werden können. Anleger sollten jedoch unbedingt die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung im Blick behalten.

  • Britische Staatsanleihen

Großbritannien kämpft gleich an drei Fronten: mit dem Brexit, mit der Pandemie und mit einer Geldpolitik, die weitere Schritte in Richtung negativer Zinsen verhindern will. Mittel- bis langfristig werden sich britische Staatsanleihen eher unterdurchschnittlich entwickeln, und das bei höherer Volatilität und einem größeren Verlustrisiko. Grund dafür ist die häufig lange Laufzeit der „Gilts“.

  • US-Staatsanleihen

Auch wenn die USA momentan durch Corona sowie innenpolitisch vor gewaltigen Herausforderungen stehen, bietet dieser Markt immer noch Potenzial. Die Fähigkeit der US-Wirtschaft zu einer dynamischen Entwicklung hat sich schon oft bewährt, ebenso wie die Beweglichkeit der Fed in geldpolitischen Entscheidungen. Entsprechend erwarten wir, dass US-Staatsanleihen weiter leicht positive Erträge erzielen.

  • Schwellenländer-Staatsanleihen

Trotz andauernder Corona-Hotspots in der Region sind die Risikoprämien von Schwellenländeranleihen gegenüber den Emissionen entwickelter Staaten wieder zurückgegangen. Sofern es nicht zu einem signifikanten Anstieg der Neuinfektionen kommt, sollten auch die aufstrebenden Märkte von einer allmählichen Normalisierung des Welthandels profitieren. Dies könnte allerdings durch den unvermeidlichen Anstieg der Zinsen wieder kompensiert werden.

  • Unternehmensanleihen

Hier zeigt sich der Effekt der massiven Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft besonders deutlich. Mögliche Ausfallrisiken und Verschlechterungen der Kreditwürdigkeit spielen aktuell kaum eine Rolle, denn die Aufkaufprogramme der Notenbanken haben die Risikoprämien für Unternehmensanleihen aller Branchen und Länder schrumpfen lassen – und diese Entwicklung wird sich wohl weiter fortsetzen. Doch obwohl die EU im Pandemie-Zyklus bereits weiter fortgeschritten ist, punkten die USA mit größerer Flexibilität ihrer Zentralbank und ihrem dynamischeren Unternehmenssektor. Trotz der höheren Ausfallrisiken erwarten wir deshalb, dass sich amerikanische Investment-Grade-Anleihen besser entwickeln werden als europäische Titel. Im Hochzinsbereich sollten Emissionen beider Regionen mittelfristig ähnliche Erträge erzielen.

  • Aktien

Die Aktienrallye der letzten Monate hat die erhoffte Konjunkturerholung bereits vorweggenommen. Im Ergebnis passen Bewertung und Fundamentaldaten aktuell nicht zusammen, und diese Diskrepanz wird sich allmählich in den Kursen niederschlagen. Bezüglich der Renditechancen könnten sich Aktien aus Schwellenländern, dem pazifischen Raum außerhalb Japans und auch aus Europa kurz- und mittelfristig besser schlagen, doch auf längere Sicht wird der US-Markt aussichtsreich bleiben.“