Die meisten Anleger glauben, dass sie der Börse oder den Kapitalmärkten ein Schnippchen schlagen können. Deshalb treffen sie Entscheidungen, die auf den ersten Blick besonders weitblickend und klug aussehen. Später stellt sich dann immer wieder heraus, dass es genau umgekehrt ist: Nicht die Anleger stellen der Börse ein Bein – sondern die Börse hält die Anleger zum Narren.

Man spricht deshalb auch davon, dass die Börse „den Weg des größten Schmerzes geht“. Sie geht immer genau jenen Weg, der die Mehrzahl der Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Oder praktischer formuliert: Sie geht den Weg, auf dem die meisten Akteure Geld verlieren, anstatt welches zu gewinnen.

Aus diesem Grund erklärte Altmeister André Kostolany einmal: „Wenn die Börsenspekulation einfach wäre, dann gäbe es keine Holzfäller, Waldarbeiter oder Bäckermeister – jeder wäre Spekulant“.

Womit wir natürlich nichts gegen Holzfäller gesagt haben wollen. Manchmal beneide ich solche Menschen sogar – sie sind immer an der frischen Luft, beschäftigen sich ausgiebig mit „Sachwerten“, haben keinen Termindruck und können den ganzen Tag im Wald herumspazieren. Nun gut, das mag vielleicht eine etwas verklärte Vorstellung sein. Aber zurück zum Thema:

An den Börsen werden derzeit die Gefahren einer „Inflation“ besonders hoch gehandelt. Wie heißt es so schön: Hinz und Kunz, und auch noch deren Großmütter, sprechen über Geldentwertung.

Die Sorge vor Vermögensverlusten durch Inflation treibt mittlerweile seltsame Blüten. Dass sich in Berlin die Quadratmeterpreise für Eigenheime innerhalb von zwei Jahren in etwa verdoppelt haben, das mag ja noch angehen: Mit durchschnittlich rund 4.000 Euro je Quadratmeter befinden sich die Preise in der Bundeshauptstadt immer noch auf vergleichsweise gemäßigtem Niveau.

http://berlin.neubaukompass.de/Aktuelles.html

In anderen Regionen der Republik sieht das schon ganz anders aus: Aus Sorge um ihre Ersparnisse prügeln sich die Leute förmlich um Immobilien in den Top-Lagen deutscher Großstädte. In München etwa wurden kürzlich im noblen Glockenbachviertel 23.000 Euro fällig – für einen einzigen Quadratmeter wohlgemerkt.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/immobilienpreise-muenchner-millionenspiel-1.1101061

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Ein anderer Fall ist ähnlich bemerkenswert: Wie das Bayerische Fernsehen kürzlich berichtete, wurden bei einer Zwangsversteigerung für eine Münchner Hinterhofwohnung mit einem Verkehrswert von 167.000 Euro stolze 360.000 Euro aufgerufen.

Doch natürlich beschränkt sich die Kaufwut der Anleger nicht auf den begehrten Süden. Überall in Deutschland haben die Menschen offenbar den Verstand verloren:

[Link "http://www.ftd.de/finanzen/immobilien/:immobilien-kompass-deutschlands-begehrteste-wohnungen/60055057.html" auf www.ftd.de/... nicht mehr verfügbar]

Solche „klugen Entscheidungen“ werden die Leute irgendwann einholen. Sollte die Finanzkrise, Teil zwei, ihren Weg über Griechenland, Spanien, Italien und Portugal nach Deutschland finden, dann werden die Immobilenpreise auch hier zu Lande einbrechen, und zwar ganz besonders in den Großstädten.

Pech haben dann vor allem jene Zeitgenossen, die sich für den Kauf ihrer Immobilie auch noch hoch verschuldet haben. Viele werden dann gleich drei Probleme gleichzeitig am Hals haben:

In Relation zu den fallenden Immobilienpreisen (Problem Nummer eins) steigen dann die Schulden an (Problem Nummer zwei). Bis zur Zwangsversteigerung (Problem Nummer drei) ist es dann nicht mehr weit.

Und wer glaubt, die Inflation werde die Schulden „wegzaubern“, der täuscht sich. Auch das ist so ein Irrglaube, der sich derzeit hartnäckig hält. Die Wahrheit ist: Wenn Staaten sich selbst über die Inflation entschulden, dann werden sie dafür sorgen, dass der „kleine Mann“ seine Schulden selbstverständlich weiter bedient. Der Traum von der sicheren Geldanlage ist dann schnell ausgeträumt.

Die Leser des Antizyklischen Börsenbriefs werden sich erinnern, dass wir uns vor einiger Zeit einmal sehr ausführlich mit dem Thema Deflation beschäftigt hatten – also dem genauen Gegenteil dessen, was derzeit alle erwarten.

Um noch einmal auf den einleitenden Gedanken zurück zu kommen:
Der Weg des größten Schmerzes könnte etwa so aussehen, dass all jene, die sich jetzt auf eine Inflation vorbereiten und wie von Sinnen die Immobilienmärkte überrennen, durch einen vorgeschalteten deflationären Schock um einen Großteil ihres Vermögens gebracht werden – und die von allen schon jetzt erwartete Inflation könnte erst sehr viel später einsetzen, vielleicht erst in zwei oder drei Jahren.

Der sehr geschätzte Fredmund Malik, ein wirklich kluger Kopf und einer der führenden Managementexperten Europas, hat das kürzlich einmal sehr treffend formuliert:

„In der heutigen Situation die Deflation zu ignorieren und auf Inflation zu setzen, ist für die meisten ein tödlicher Fehler. Hingegen nicht auf Inflation zu setzen, ist nur ein kleiner, meistens leicht korrigierbarer Fehler. Das Risiko ist also a-symmetrisch“.
Was Fredmund Malik damit gemeint hat, und wie man die Schlussfolgerungen daraus in die Börsenpraxis umsetzen kann, das erläutern wir in der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de