Immer deutlicher stemmen sich die Notenbanken gegen den wirtschaftlichen Abschwung, der sich am Horizont abzeichnet. In der vergangenen Woche gaben sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) dem Finanzmarkt Signale, dass die Geldpolitik in den kommenden Quartalen wieder gelockert werden könnte. So sagte Fed-Präsident Jerome Powell, dass man auf den Handelskonflikt "angemessen reagieren" werde. Zugleich verzichtete Powell auf die in den vergangenen Monaten gebräuchliche Formulierung, dass man bei der Zinspolitik "geduldig" sein wolle.

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Von den Märkten wurden diese Aussagen als recht deutlicher Hinweis auf bevorstehende Leitzinssenkungen interpretiert. Bis Jahresende preist der Markt sogar inzwischen wieder zwei bis drei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte ein. Mit der ersten Senkung wird bereits für den Zinsentscheid am 31. Juli 2019 gerechnet. Die in die Fed Funds Futures eingepreiste Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins dann auf dem aktuellen Niveau von 2,25 bis 2,50 Prozent verbleibt, liegt nur noch bei 21,1 Prozent. Vor einem Monat waren es noch 82,6 Prozent.

Auch in der Eurozone stehen die Zeichen inzwischen eher wieder auf geldpolitischer Lockerung als auf Straffung - obwohl sich die Zinsen noch immer auf Rekordtief befinden. Bei ihrem Zinsentscheid am vergangenen Donnerstag verlängerte die EZB bereits ihr Niedrigzinsversprechen. Die Leitzinsen sollen nun bis mindestens Mitte 2020 auf dem aktuellen Rekordtief verbleiben. Aber auch Zinssenkungen (zumindest bei den bereits negativen Einlagezinsen für die Banken) und eine Reaktivierung des Anleihekaufprogramms werden nicht ausgeschlossen und wurden im EZB-Rat bereits diskutiert.

Wer glaubte, dass der Spuk der ultralockeren Geldpolitik bald zu Ende sein könnte, muss sich verwundert die Augen reiben. Am Aktienmarkt hat die Aussicht auf wieder sinkenden Zinsen die Kurse befeuert. Doch nicht alle Aktien reagieren gleichermaßen auf eine Veränderung des Zinsniveaus. Die Stärke der Kursreaktion auf Veränderungen des Zinsniveaus wird auch als Zinssensitivität bezeichnet.

Von sinkenden Zinsen profitieren in der Regel vor allem:

  • Aktien von Wachstumsunternehmen. Unternehmen, deren Wert sich weniger stark am aktuellen Gewinnniveau als an künftigen Gewinnen bemisst, profitieren stärker davon, wenn die Zinsen und damit die in den Bewertungsmodellen verwendenten Diskontierungszinsen sinken. Künftige Gewinne sind weniger wert als aktuelle. Wie viel weniger, hängt vom Zinsniveau ab. Sinken die Zinsen, sind die rechnerischen Abschläge auf künftige Gewinne bzw. Cashflows geringer, wodurch der Gegenwartswert steigt.
  • Aktien mit hoher Dividendenrendite und hoher Dividendensicherheit. Diese Aktien gelten als Anleiheersatz. Sind die Zinsen niedrig, schichten Anleger vermehrt in ausschüttungsstarke Aktien um.

Eher schlecht sind sinkenden Zinsen hingegen für die Aktien von Banken, Small Caps allgemein und Value-Aktien (zumindest solche, die nicht auch Dividendenwerte sind).

Die folgende Watchlist zeigt, dass in der Tat die Aktien hochkapitalisierter Wachstumsunternehmen wie der FAANG-Aktien seit Powells Rede stark zulegen konnten. Sinkt das Zinsniveau weiter, dürften die FAANG-Aktien auch künftig zu den größten Profiteuren gehören.

Der-Zins-Irrsinn-geht-weiter-Diese-Aktien-profitieren-am-stärksten-Kommentar-Oliver-Baron-GodmodeTrader.de-1


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