Unter Berufung auf eine Meldung der Financial Times berichtet der Nachrichtensender n-tv über mögliche Derivate-Probleme, sollten die Briten ihre Unterhaus-Abstimmung zum Brexit nicht zügig über die Bühne bringen. Danach sieht es im Moment jedoch nicht aus, denn aktuell sieht sich die britische Regierungschefin Theresa May mit einem Misstrauensvotum der Abgeordneten konfrontiert.

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Eine verschobene Abstimmung zum Brexit-Vertrag im britischen Unterhaus war der Hauptgrund für das Misstrauensvotum gewesen. Eigentlich wollte May den Brexit-Vertrag am Dienstag zur Abstimmung im britischen Unterhaus bringen. Weil sie aber keine Mehrheit zusammen bekommen hatte, verlegte sie die Abstimmung auf den 21. Januar. Bis dahin sollen die Abgeordneten ihre Entscheidung treffen.

Die Lage ist verzwickt, denn auch nach dem am Mittwochabend "überstandenen" Misstrauensvotum bleibt die Lage unübersichtlich:

Dazu die erwähnte n-tv-Meldung:

„An die Londoner City hat die britische Premierministerin Theresa May offensichtlich nicht gedacht, als sie die Unterhaus-Abstimmung zum Brexit-Deal absagte. Die großen Clearinghäuser sind deshalb nun mit erheblichen Problemen konfrontiert.

Denn sie müssen bis Jahresende entscheiden, ob sie ihre Kunden in der Europäischen Union (EU) auffordern, offene Derivatepositionen in Höhe von 45 Billionen Pfund zu schließen. Entsprechende Überlegungen liefen bei den drei Londoner Clearinghäusern LCH, ICE Clear Europe und LME Clear, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Insider.

Da der Brexit-Vertrag im Unterhaus noch nicht ratifiziert wurde, droht am 29. März 2019 der ungeordnete Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Über Nacht würden sämtliche Derivateverträge ungültig. Die Clearinghäuser müssen ihre Kunden drei Monate vorher benachrichtigen, die Frist endet also zu Weihnachten".

Dazu noch die passende Nachricht der Financial Times.

Den vollständigen Artiekl in englischer Sprache finden Sie auch bei Google mit den Stichworten "financial times brexit clearing 45 billion"

Wie man sieht, geht es hier nicht um Kleingeld: 45 Billionen Pfund, das sind umgerechnet rund 50 Billionen Euro - oder 50.000 Milliarden. Und der 21. Januar liegt deutlich nach dem Jahreswechsel. Sollten daher Derivate-Positionen in dieser Größenordnung geschlossen werden müssen, weil sie andernfalls ungültig werden, wie es der Meldung zu entnehmen ist, wäre mit erheblichen Turbulenzen an den Devisen- und Aktienmärkten zu rechnen.

Genaues wird im Moment niemand prognostizieren können, der gesunde Menschenverstand sagt jedoch, dass Anleger jetzt extreme Vorsicht walten lassen sollten. Denn hier könnte gerade ein Schwarzer Schwan zum Flug ansetzen, den derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum jemand auf der Rechnung hat.

Und solche Überraschungen lieben die Börsen bekanntlich überhaupt nicht…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.