Seit Anfang September überschlagen sich die Nachrichten über den Goldpreis. Das erste Mal in der Geschichte schloss er am Ende eines Handelsmonats über der magischen 1000-Dollar-Marke. Was wie ein an den Haaren herbeigezogenes Argument klingen mag, ist gerade für kapitalstarke Investoren ein wichtiges Signal: Ein Monatsschlusskurs ist immer bedeutender als ein Wochen- oder Tagesschlusskurs. Epizentrum der Aufwärtswelle ist der US-Dollar. Ultralockere monetäre Politik der Zentralbanken und massive fiskalische Maßnahmen der US-Regierung haben zu einer Schwächung der US-Valuta geführt. Diese Schwächung drückt sich direkt in der Steigerung der Goldpreise aus.

    Der Dollar wertete im vergangenen Monat um 2,4% gegenüber anderen wichtigen Währungen ab. Bereinigt um diesen Währungseffekt vermindert sich der Goldpreisanstieg auf dann nur noch 3,3%. Geht man allerdings nach der Charttechnik, so stehen die richtig großen Gewinne im Goldpreis erst noch bevor. Denn nach einer Seitwärtskonsolidierung nach dem Ausbruch aus einem symmetrischen Dreieck im September könnten die Goldpreisnotierungen in den nächsten Wochen tendenziell bis auf 1200 Dollar ansteigen.

    Dass eine solche Aufwärtsbewegung ohne eine Veränderung des Nachfrageverhaltens des Marktes geschehen kann, ist kaum vorstellbar. Doch auch hier gibt es Gutes zu vermelden. Die Struktur des Goldmarktes verändert sich. Dem zugrunde liegt das Verhalten der Zentralbanken. Am Goldmarkt gibt es seit Jahrzehnten weniger Angebot als Nachfrage: Die Lücke wurde durch Zentralbankverkäufe gefüllt. Das Researchinstitut GFMS beziffert die Versorgungslücke in den letzten zwanzig Jahren auf durchschnittlich 11 Prozent - das sind 400 Tonnen jährlich. Zentralbanken haben sich bereits in diesem Jahr spürbar als Verkäufer zurückgezogen – im nächsten Jahr werden Zentralbanken Gold sogar zukaufen, schätzt der GFMS.

    Ob der aus technischer Sicht erwartete Anstieg der Goldnotierungen bis aus 1200 Dollar jedoch nachhaltig sein kann, muss in Frage gestellt werden. Immerhin werden nach wie vor zwei Drittel des Goldmarktes durch Schmuckhersteller nachgefragt. Inmitten einer Konjunkturerholung, die zwar statistisch in den Wirtschaftsdaten messbar ist, aber nicht am Arbeitsmarkt ankommt, wird die maximale Zahlungsbereitschaft für Goldschmuck merklich nachlassen. Wenn gleichzeitig die Goldpreise steigen, spricht dies für eine rasch nachlassende Goldschmucknachfrage. Dieser Nachfragerückgang wird aber teilweise durch die Nachfrage der Zentralbanken und der ETF-Investoren ausgeglichen.

    Das Menetekel für den Goldpreis ist und bleibt der Dollar. Aus technischer Sicht befindet sich die US-Währung vor einer – man kann es angesichts der schlechten Stimmung kaum fassen – massiven Aufwertung. Gegenüber dem Euro kann die US-Währung noch bis auf 1,51 Dollar fallen – anschließend ist eine Rally des Greenback möglicherweise bis aus 1,12 Euro zu erwarten. Obwohl es in den letzten Jahren immer wieder auch Jahre gab, wo der US-Dollar und der Goldpreis sich in entgegengesetzte Richtung bewegten (Jahre 2005 und 2008), ist tendenziell mit Verkäufen im Goldpreis zu rechnen, wenn der Dollar aufwerten sollte. Dafür spricht auch das enorme Überraschungspotenzial, das in einer schnellen Dollaraufwertung liegen würde.

    Denn denken Sie an diese Börsenweisheit: An der Börse werden die großen Vermögen in der Regel in der Richtung des Marktes gemacht, die von der Mehrheit der Marktteilnehmer nicht erwartet wird.

    Updates zum Goldpreis und zur Dollar-Rally wöchentlich im Rohstoff-Report. Kostenlose Anmeldung möglich unter www.rohstoff-report.de