Gute Zeiten erkennt man manchmal erst im Rückblick, nämlich dann, wenn sich etwas zum Schlechteren verändert hat. Eine solche Erfahrung könnte nun auch der Weltwirtschaft drohen, wenn es nach dem Research-Team der Deutschen Bank geht.

In einer neuen Studie warnen die Experten rund um Chefvolkswirt David Folkerts-Landau vor einer dauerhaften Rückkehr der Inflation und einem dadurch stark veränderten makroökonomischen Umfeld. "Wir sind besorgt, dass die schmerzhaften Lektionen einer inflationären Vergangenheit von den Zentralbankern ignoriert werden", schreibt das DB-Research-Team. Denn nur die wenigsten Menschen erinnern sich noch an die hohe Inflation vor mehreren Jahrzehnten.

Vor allem die Sicht der Notenbanken, dass der aktuell zu verzeichnende Anstieg der Inflation größtenteils temporär sei und deshalb bei der Geldpolitik ignoriert werden könne, sei hochgefährlich. Zwar sei es bewundernswert, dass Notenbanken zunehmen soziale Kriterien in ihren Entscheidungen berücksichtigten, gleichzeitig führe das Ignorieren des Inflationsdrucks aber dazu, dass die Weltwirtschaft auf einer "Zeitbombe" sitze.

Zuletzt ist die Inflationsrate bereits deutlich gestiegen, in den USA sogar auf 4,2 Prozent. Doch die Notenbanken wollen durch den jüngsten Inflationsschub "hindurchsehen", weil sie ihn nur für temporär halten und weil die Inflationsrate zuvor lange Zeit unter den von den meisten Notenbanken angestrebten zwei Prozent gelegen hatte.

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Vor allem die Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken zur Bekämpfung der Corona-Pandemie befördern die Inflation. "Noch nie haben wir eine so koordinierte expansive Fiskal- und Geldpolitik erlebt", schreiben die Experten der Deutschen Bank. Die jüngsten Stimulierungsmaßnahmen der Regierungen hätten "außergewöhnliche" Ausmaße angenommen. Neben der betont ultralockeren Geld- und Fiskalpolitik der Notenbanken und Regierungen unterstützen nach Einschätzung der Deutschen Bank auch länger anhaltende Trends eine Rückkehr der Inflation, so etwa die Überalterung der Gesellschaft und die abnehmende Globalisierung.

"Wenn die Zentralbanken irgendwann gezwungen sind, auf die Inflation zu reagieren, werden sie sich in einer schwierigen, wenn nicht gar unhaltbaren Lage wiederfinden", befürchten die Experten der Deutschen Bank. Denn reagieren die Notenbanken erst verspätet durch Zinserhöhungen auf die anziehende Inflation, werden sie umso stärker handeln müssen, um nicht die Kontrolle zu verlieren.

Stark steigende Zinsen könnten aber Probleme für hochverschuldete Unternehmen und Staaten bedeuten, die sich bisher durch das Billiggeld der Notenbanken am Leben halten konnten. Gleichzeitig werden die Notenbanken den jetzt mitunter geförderten Eindruck bekämpfen müssen, dass höhere Inflation ein geringer Preis sei, wenn man dafür soziale Ziele wie Vollbeschäftigung verwirklichen könne, schreibt die Deutsche Bank. Auch wenn die Inflation wieder anziehe, könnte der soziale Druck auf die Notenbanken also hoch sein, die Zinsen niedrig zu lassen.

"Niedrige, stabile Inflation und historisch niedrige Zinssätze waren der Klebstoff, der die Makropolitik der letzten drei Jahrzehnte zusammengehalten hat", schreibt die Deutsche Bank. "Wenn sich dies in den nächsten ein oder zwei Jahren aufzulösen beginnt, wie wir das erwarten, dann stehen die politischen Entscheidungsträger vor den schwierigsten Jahren seit der Volcker/Reagan-Periode in den 1980er Jahren", schreiben die Experten der Deutschen Bank.

Um die hohe Inflation zu bekämpfen, erhöhte die US-Notenbank Fed den Leitzins Anfang der 80er-Jahre kurzzeitig bis auf 20 Prozent. Ein solches Umfeld wäre aber wohl auch für die hohen Bewertungen an den Aktienmärkten nichts anderes als pures Gift.


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