Im Kampf gegen ihre Dauerkrise hat der Vorstand der Deutschen Bank am Sonntag ein neues Maßnahmenpaket beschlossen.
    "Wir haben nichts weniger als einen grundsätzlichen Umbau gestartet, mit dem wir eine neue Epoche für unsere Bank einleiten werden", schrieb Vorstandschef Christian Sewing in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Wie die Deutsche Bank mitteilte, sind die folgenden Maßnahmen geplant:

    • Rückzug aus dem weltweiten Aktienhandelsgeschäft. Ein "fokussiertes Aktienemissionsgeschäft (Equity Capital Markets)" sowie das Aktien-Research sollen aber erhalten bleiben. Der Kapitalbedarf für das Anleihegeschäft soll verringert werden. "In der Summe wird die Deutsche Bank durch diese Maßnahmen die risikogewichteten Aktiva, welche diesen Bereichen zugeordnet sind, um etwa 40 Prozent reduzieren", heißt es.
    • Neue Struktur mit neuer Unternehmensbank, die aus der Investmentbank herausgelöst wird: Die Deutsche Bank bündelt die Transaktionsbank und das deutsche Geschäft mit Firmenkunden in einem vierten Geschäftsbereich namens Unternehmensbank. Die Unternehmensbank soll künftig Firmenkunden von Deutscher Bank und Postbank im Heimatmarkt betreuen, die bisher von der Privat- und Firmenkundensparte betreut wurden. Die Unternehmensbank "ist auf Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne ausgerichtet. Sie kommt auf Kundeneinlagen von mehr als 200 Milliarden Euro und wickelt täglich weltweit Finanzströme im Gegenwert von einer Billion Euro ab", schrieb Christian Sewing an die Mitarbeiter.
    • Die Investmentbank der Deutschen Bank soll sich künftig auf ihre traditionellen Stärken im Finanzierungs-, Beratungs- und Zins- und Währungsgeschäft konzentrieren. Dabei sollen die Bereiche ausgebaut werden, die für Unternehmen von besonderer Relevanz sind, einschließlich der Bereiche Kredit- und Devisenprodukte.
    • Gründung einer Bad Bank (Capital Release Unit), in die Positionen im Umfang von 74 Milliarden Euro an risikogewichteten Aktiva und eine Gesamtverschuldung (Leverage Exposure) von 288 Milliarden Euro (gemessen am Wert zum 31. Dezember 2018) verlagert werden sollen.
    • Konzentration auf die Kerngeschäfte, zu denen die Deutsche Bank das Geschäft mit Unternehmenskunden, das Finanzierungsgeschäft, das Geschäft mit Fremdwährungen, das Beratungs- und Emissionsgeschäft, das Privatkundengeschäft sowie die in der Tochter DWS gebündelte Vermögensverwaltung (Asset Management) zählt.
    • Umfangreiches Kostensenkungsprogramm, mit dem die bereinigten Kosten auf 17 Milliarden Euro im Jahr 2022 sinken sollen. Ebenfals 2022 soll ein Aufwands-Ertrags-Verhältnis von 70 Prozent erreicht werden.
    • Keine Kapitalerhöhung: Den Umbau will die Deutsche Bank mit den vorhandenen Ressourcen finanzieren und kein zusätzliches Kapital aufnehmen. Allerdings passte die Deutsche Bank ihre Kapitalziele an. "Der Vorstand ist der Auffassung, dass die künftige Geschäftsausrichtung mit niedrigeren Eigenkapitalanforderungen einhergeht", erläuterte die Deutsche Bank. Bei der harten Kernkapitalquote (CET 1) sollen künftig mindestens 12,5 Prozent erreicht werden. Bei der Verschuldungsquote werden im Zusammenhang mit dem Bilanzabbau (bei Vollumsetzung der Regulierung) 4,5 Prozent bis Ende 2020 und "etwa 5 Prozent" bis Ende 2022 angestrebt.
    • Keine Dividenden: Um den Umbau zu finanzieren, sollen für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 keine Dividenden ausgeschüttet werden. Die Deutsche Bank erwartet aber, Kuponzahlungen auf die Instrumente des zusätzlichen Kernkapitals (Additional Tier 1) zu leisten.
    • Restrukturierungskosten: "In der Summe rechnet die Deutsche Bank mit Belastungen von insgesamt 7,4 Milliarden Euro bis Ende 2022", teilte die Bank mit.
    • Stellenstreichungen: Im Zuge der Restrukturierung plant die Deutsche Bank bis 2022 einen Stellenabbau um rund 18.000 auf etwa 74.000 Vollzeitstellen. Zuvor hatten bereits Medien berichtet, dass 15.000 bis 20.000 Stellen wegfallen könnten. In Deutschland soll es angesichts von Sozialplänen keine betriebsbedingen Kündigungen geben.

    Vorläufige Zahlen für das zweite Quartal

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    Zusammen mit der Ankündigung der Restrukturierung nannte die Deutsche Bank auch Eckdaten für das zweite Quartal. Einschließlich der Belastungen aus der Restrukturierung wird für das zweite Quartal ein Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern und ein Verlust von rund 500 Millionen Euro vor Steuern erwartet. Die Belastungen aus der Restrukturierung sollen sich allein im zweiten Quartal 2019 auf rund 3 Milliarden Euro belaufen, wovon sich rund 200 Millionen Euro auf die harte Kernkapitalquote (CET1) auswirken. "In diesen Kosten enthalten sind eine Abschreibung von Steuerforderungen aus latenten Steuern in Höhe von etwa 2 Milliarden Euro und Wertminderungen von etwa 900 Millionen Euro", erläuterte die Deutsche Bank. Bereinigt um die Restrukturierungsausgaben werde für das zweite Quartal ein Gewinn von rund 400 Millionen Euro vor Steuern und 120 Millionen Euro nach Steuern erwartet, erläuterte die Bank. Die Erträge sollen sich auf 6,2 Milliarden Euro, die zinsunabhängigen Aufwendungen auf 5,6 Milliarden Euro und die bereinigten Kosten auf 5,35 Milliarden Euro belaufen. Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal sollen am 24. Juli 2019 veröffentlicht werden.

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    Aktien der Deutschen Bank

    Neue Führungsmannschaft

    In einer separaten Mitteilung informierte die Deutsche Bank über personelle Veränderungen im Vorstand. Nachdem bereits am Freitag kommuniziert worden war, dass Investmentbank-Chef Garth Ritchie die Deutsche Bank verlassen wird, entschied der Aufsichtsrat am Sonntag, dass auch Sylvie Matherat (Compliance) und Frank Strauß (Privat- und Firmenkundenbank) den Vorstand zum 31. Juli verlassen werden. Neu in den Vorstand kommen Christiana Riley (Nord- und Südamerikageschäft), Bernd Leukert (Digitalisierung) und Stefan Simon (Chief Administrative Officer, CAO). Zudem ändert sich die Zuständigkeit der bisherigen Vorstandsmitglieder. Vorstandschef Christian Sewing soll künftig auch die Verantwortung für die neu geschaffene Unternehmensbank sowie für die Investmentbank tragen. Der stellvertretende Vorstandschef Karl von Rohr übernimmt die Verantwortung für die Privatkundenbank und die Vermögensverwaltung (Asset Management/DWS), Chief Operating Officer Frank Kuhnke wird zusätzlich für die Abbaueinheit (Capital Release Unit) sowie für die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) zuständig sein.In einem neuen Group Management Committee (GMC) sollen die Vorstandsmitglieder enger mit den Leitern der operativen Geschäftsbereiche zusammenarbeiten.

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