• Deutsche Bank AG - Kürzel: DBK - ISIN: DE0005140008
    Börse: XETRA / Kursstand: 12,350 €

Das Derivatebuch der Deutschen Bank ist gigantisch. 46 Billionen Euro entsprechen in etwa dem Fünfzehnfachen des Deutschen Bruttoinlandsproduktes. Geht hier etwas schief, dann kann die Bank gar nicht gerettet werden. So zumindest die Meinung der meisten Menschen, wenn sie diese Zahl hören.

Betrachtet man die Sache globaler, dann wird es keinesfalls besser. Grafik 1 zeigt wie sich der weltweite Derivatemarkt zwischen 2011 und heute entwickelt hat. Zu den wildesten Zeiten lag die Summe der Nominalwerte bei fast 800 Billionen Dollar. Inzwischen hat sich dieser Wert auf ca. 500 Billionen reduziert.

Die Nominalbeträge sagen relativ wenig darüber aus, wie viel Geld tatsächlich im Risiko steht. Die Nominalbeträge sind die zugrundeliegenden Beträge. Vorstellen kann man sich das anhand eines Beispiels. So möchte ein Investor zum Beispiel nur die Kupons einer Anleihe absichern. Die Anleihe hat einen Nominalbetrag von 1 Mrd. Euro. Die Kupons betragen jedoch lediglich 10 Mio., also 1 % des Nominalbetrages. Wirklich im Risiko stehen 10 Mio. und nicht der zugrundeliegende Nominalbetrag.

Die Nominalbeträge sind aus diesem Grund irreführend. Man muss wissen, welche Beträge wirklich im Risiko stehen. Weltweit sind das heute ca. 20 Billionen Dollar. Vor wenigen Jahren waren es noch 50 % mehr. Theoretisch, wenn also alles schiefgeht, können weltweit 20 Billionen oder 25 % der weltweiten Wirtschaftsleistung verlorengehen.

20 Billionen sind immer noch eine fast unvorstellbare Größe. Sie wird jedoch immer kleiner. Von heute auf morgen lassen sich die Derivatebücher nicht aufräumen und deutlich schrumpfen. Das braucht Zeit. Die Entwicklung schreitet jedoch voran. Grafik 2 zeigt die Entwicklung der ausstehenden CDS (Credit Default Swaps) und Rohstoffderivate. Es handelt sich dabei um die Nominalbeträge.

Der CDS und Rohstoffmarkt ist im Vergleich zum Währungs- und Zinsmarkt bescheiden. Grafik 3 zeigt die Entwicklung auf diesen Märkten. Insbesondere der Zinsmarkt ist gigantisch. Immerhin wird auch hier das Risiko seit drei Jahren massiv reduziert.

Nun ist klar, dass die 46 Billionen Euro der Deutschen Bank nicht das tatsächliche Risiko widerspiegeln. In der Bilanz der Deutschen Bank stehen nicht die 46 Billionen, sondern ca. 600 Mrd. Euro. 600 Mrd. sind immer noch sehr viel und im Vergleich zum Eigenkapital von gut 60 Mrd. kann das eigentlich auf Dauer nicht gut gehen. Eigentlich.

Die 600 Mrd. sind immer noch nicht das Risiko der Bank. Die Bank schließt nicht nur Geschäfte auf eigene Rechnung ab, sondern für andere Parteien. Will ein Investor den Kupon der oben genannten Anleihe durch ein Derivat sichern, dann kann das die Deutsche Bank strukturieren, muss aber das Risiko nicht selber halten. Gibt es eine andere Gegenpartei, die an der Struktur interessiert ist, kann die Deutsche Bank das Risiko weitergeben.

Berücksichtigt man diesen Prozess, dann bleiben von den 600 Mrd. noch 41 Mrd. übrig. Das ist das tatsächliche Risiko der Deutschen Bank. Von diesen 41 Mrd. sichert die Bank wiederum einen Teil ab, sodass sich das Risiko weiter minimiert. Obwohl nicht vollkommen klar ist wie hoch das endgültige Nettorisiko aussieht, dürfte es am Ende wohl im Bereich von 10-20 Mrd. liegen. Verliert die Deutsche Bank alles, dann hat sie ausreichend Kapital, um die Verluste aufzufangen.

Das klingt nun alles gar nicht mehr so dramatisch. Rosig ist die Sache trotzdem nicht. Verluste fallen an, wenn der Markt unter großem Stress steht. Kommt es zu einem Schock wie 2008, dann können gleich mehrere Dinge schiefgehen. Die Parteien, mit denen die DB ihr Risiko abgesichert hat, könnten beispielsweise selbst in die Insolvenz gehen. Auf dem Papier hat die DB sich zwar abgesichert und hat kaum ein Risiko, doch wenn die Gegenpartei nicht mehr zahlen kann, hilft das wenig.

2008 kam es mit AIG genau zu einem solchen Fall. Wenn also alle Stricke reißen, könnte die DB 41 Mrd. verlieren. Damit fällt sie unter die Mindestkapitalanforderungen. Wenn allerdings alle Stricke reißen, dann ist das noch das geringste Problem des globalen Finanzsystems.

Wie dem auch sei, vermutlich könnte die Deutsche Bank in einem solchen Szenario mit 20 Mrd. Euro gerettet werden. Hinzu kämen noch etwaige Gelder, die benötigt werden, um Verluste aus anderen Geschäftsbereichen abzudecken. Das ist viel Geld. Bedenkt man jedoch wie vernetzt und groß die Deutsche Bank ist, ist das schon fast ein Schnäppchen. Die Gefahr des Derivatebuchs wird durch den hohen Nominalbetrag deutlich überschätzt. Problematisch ist die Sache immer noch, aber bei weitem nicht so katastrophal wie viele vermuten.

Clemens Schmale

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