Die Investmentkultur deutscher institutioneller Investoren weist noch erhebliches Entwicklungspotenzial auf. Einerseits zeichnet sie sich durch eine hohe Zuversicht der Anleger, deren zielorientiertes Vorgehen sowie ein engagiertes Informationsverhalten aus. Andererseits erweisen sich die ausgeprägte Dominanz des Sicherheitsdenkens sowie das enge Korsett an internen und externen Restriktionen als problematisch. Denn beide Faktoren behindern eine risikokontrollierte Renditeoptimierung.

Diese Ergebnisse sind Teil einer repräsentativen Studie von Union Investment zur Investmentkultur in Deutschland. In Zusammenarbeit mit Roland Berger Market Research wurden dabei deutschlandweit neben 10.000 Privatanlegern und 150 Immobilien-Investoren auch rund 200 institutionelle Investoren im In- und Ausland zu ihren Einstellungen und Handlungsweisen befragt. Die angesprochenen institutionellen Anleger wie Banken, Pensionskassen, Versicherungen, Unternehmen und Stiftungen verwalten ein Vermögen von insgesamt 1,22 Billionen Euro.

Investmentkultur-Index Institutioneller Anleger 2005 zeigt mittleren Reifegrad

Die Beschreibung der Investmentkultur institutioneller Anleger erfolgte anhand der Indikatoren Risikobewusstsein, Zielvorgaben, Zuversicht, Restriktionen, Information und Unabhängigkeit. Die sechs Einzelindikatoren fassen die Gesamtzahl der in der Studie abgefragten Einzelvariablen in Themenblöcke zusammen und machen sie messbar. Für eine Gesamtbewertung wurden diese Einzelindikatoren mit unterschiedlicher Gewichtung in einem übergeordneten Index, dem so genannten Investmentkulturindex Institutionelle Anleger, zusammengefasst. „Mit 51,4 von 100 möglichen Punkten dokumentiert der Index, dass die Investmentkultur institutioneller Anleger in Deutschland einen mittleren Wert erreicht und noch erhebliches Entwicklungspotenzial aufweist“, interpretiert Dr. Rüdiger Ginsberg, Vorstandsprecher von Union Investment, den aktuellen Wert. „In einem Marktsegment, in dem ausschließlich professionelle Anleger agieren, hätten wir ein höheres Ergebnis erwartet. Die Studie zeigt, dass in entscheidenden Punkten noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.“

Mangelndes Risikobewusstsein behindert Zielerreichung

Maßgeblich dazu beigetragen hat das nur mäßig ausgeprägte Risikobewusstsein institutioneller Investoren. Mit nur 36,9 Punkten erreicht der Risikobewusstseins-Indikator den niedrigsten Wert aller Indikatoren, das heißt, nur wenige institutionelle Anleger in Deutschland sind bereit Risiken – auch kalkulierbare – einzugehen. Gleichzeitig geht er aber mit 40,2 Prozent als stärkster Indikator in die Bildung des Gesamtindex ein. Laut Studie gehen nur 14 Prozent der Anleger bewusst höhere Risiken bei der Kapitalanlage ein. Die klare Mehrheit von 86 Prozent erweist sich hingegen als risikoscheu. Die Investmentkultur hierzulande wird somit dominiert durch ein hohes Sicherheitsbedürfnis der Anleger. Das Streben nach Renditeoptimierung tritt hinter dieses Bedürfnis zurück. „Das Verhalten institutioneller Anleger weist hier ein erhebliches Defizit auf“, so Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für das institutionelle Geschäft. „Denn nur über einen bewussten Umgang mit Risiken und über eine daraus resultierende optimierte Risiko-Rendite-Struktur können Investoren ihre Anlageziele erreichen. Dies gilt insbesondere im gegenwärtig vorherrschenden Niedrigzinsumfeld,“ erläutert das Vorstandsmitglied.

Zur Verbesserung des Risikobewusstseins sieht Schindler die Anleger wie die Asset Management-Branche gleichermaßen gefordert. Investoren müssten sich verstärkt mit ihrem individuellen Risikoverständnis auseinandersetzen und prüfen, inwieweit Rendite- und Sicherheitsorientierung der Kapitalanlage künftig stärker miteinander in Einklang gebracht werden können. „Risikomanagement wird damit zur Schlüsselqualifikation für das Asset Management institutioneller Investoren“, erklärt Schindler.

Für die Asset Management-Branche komme es deshalb darauf an, dem Kunden gegenüber mehr Transparenz über vorhandene Risiken und geeignete Anlagestrategien zu vermitteln. „Asset Manager benötigen hierzu klare Informationen des Anlegers, der sich unter anderem über seine Liability-Situation im Klaren sein sollte. Nur so können die zu erzielenden Erträge mit den bestehenden Verpflichtungen verzahnt werden."

Restriktionen behindern effiziente Kapitalanlage

Weiteren Verbesserungsbedarf bei der Investmentkultur institutioneller Anleger sieht die Studie mit Blick auf die Vielzahl an internen und externen Restriktionen. Von den meisten Investoren werden diese als nicht angemessen und übermäßig behindernd betrachtet. So gaben lediglich fünf Prozent der Befragten an, sich in ihrer Anlagepolitik durch Regulierungen kaum beschränkt zu fühlen. 42 Prozent hingegen konstatierten eine erhebliche Einschränkung, während die Mehrheit mit 53 Prozent sich Restriktionen übermäßig stark unterworfen fühlt. Institutionelle Anleger sehen sich durch Gesetzgeber, Aufsicht sowie durch interne Vorgaben an die kurze Leine genommen.

„Wir in Deutschland fragen immer, was noch geregelt werden kann. Dies müssen wir umdrehen in: Wo liegen die Spielräume für Deregulierung?" forderte Schindler. Der Drang zur Standardisierung werde der individuellen Risikosituation nicht gerecht und führe im Extremfall zu Herdenverhalten. „Das erhöht die Krisenanfälligkeit von Kapitalmärkten statt sie zu senken", sagte Schindler. Um zu individuelleren Lösungen zu kommen, forderte er eine Einbeziehung aller Akteure in den Regulierungsprozess.

Absolute Benchmarks gewinnen an Bedeutung

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Zielvorgaben gelten institutionellen Investoren als wichtiges Mittel zur Steuerung ihrer Kapitalanlagen. Dies ist positiv für die Investmentkultur, da sich nur über die Formulierung von Zielen das gewünschte Ergebnis planen und überwachen lässt. „Je klarer die Ziele formuliert und in einem System abgestimmt sind, desto besser lässt sich eine rationale und faktenbasierte Entscheidungsgrundlage implementieren“, erläutert Schindler. Bemerkenswert sei, dass die Vorgabe von absoluten Erträgen nun auch bei institutionellen Investoren an Bedeutung gewonnen habe. „Dies zeigt, dass Anleger zunehmend die adäquate Bedienung ihrer Verpflichtungen in den Vordergrund stellen. Um dies sicherzustellen, muss absoluter Ertrag erzielt und nicht nur ein Index geschlagen werden." Vor diesem Hintergrund müsse die Asset Management-Branche mehr Verantwortung übernehmen für das Erreichen von absoluten Zielen und sich nicht hinter Benchmarks verstecken. Union Investment sei hierfür mit ihrem Wertsicherungsicherungskonzept IMMUNO bereits entsprechend gut aufgestellt.

„Die ausgeprägte allgemeine Zuversicht der Investoren ist eine sehr gute Ausgangsbasis für die notwendige Förderung der Investmentkultur“, so das Fazit von Ginsberg. Insgesamt seien allerdings bei allen Beteiligten noch erhebliche Anstrengungen erforderlich. Eine weiter entwickelte Investmentkultur werde dazu führen, dass die Effizienz an den Kapitalmärkten ansteige. Investoren seien dann besser in der Lage, die Verbindung von Ertrag und Risiko zu verstehen, ihre eigenen Bedürfnisse deutlicher zu erkennen, richtig einzuordnen und klar zu formulieren. Union Investment wird die Studie in zweijährigem Turnus fortschreiben, um Veränderungen bei der Investmentkultur zu erkennen und zu begleiten.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 122 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende Dezember 2004. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten-, Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.