1. Heute wurde die Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal von voriger Woche bestätigt. Es nahm spürbar um 0,6 % qoq zu.

2. Wieder erwies sich der private Konsum als Wachstumsbremse Nummer Eins. Er sank im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 % qoq. Die stärksten Stimuli kamen, ebenfalls wie gewohnt, von den Exporten, die mit einer Rate von 4,7 % qoq sogar stärker als erwartet anstiegen. Da aber auch die Importzuwachsrate mit 4,4 % qoq deutlich über den Erwartungen lag, entsprach der Wachstumsbeitrag des Außenbeitrags mit 0,3 Prozentpunkten in etwa den Erwartungen. Das Plus der Bauinvestitionen um 1,1 % qoq ist als ein Nachholeffekt zu dem witterungsbedingt schwachen ersten Halbjahr zu werten. Eine echte Überraschung boten die Ausrüstungsinvestitionen, die um 3,8 % qoq zunahmen. Das ist ein hervorragender Wert, der zeigt, dass die Erholung der Investitionen im Gange ist. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich der Investitionszyklus nicht außergewöhnlich schlecht entwickelt, sondern mehr oder weniger dem Durchschnitt der vergangenen Investitionszyklen entspricht. Die zweite positive Nachricht kommt von den Lagerinvestitionen. Diese bremsten das Wachstum im dritten Quartal und künden davon, dass keine ungeplanten Lager aufgebaut wurden. Die Nachfrage muss damit im vierten Quartal nicht aus den Lagern, sondern kann aus der Produktion bedient werden.

3. Für den Blick nach vorne sind zwei Dinge von wesentlicher Bedeutung: Zum einen, die von uns erwartete Abkühlung der Konjunktur in den deutschen Handelspartnerländern, die die Impulse von den Exporten abklingen lässt, und zum anderen die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007.

• An das überraschend starke dritte Quartal kann die konjunkturelle Entwicklung in den deutschen Handelspartnerländern zwar nicht anknüpfen, doch bleiben die Zuwachsraten von deren Bruttoinlandsprodukt bis ins erste Halbjahr 2006 auf einem hohen Niveau. Damit steht die deutsche Volkswirtschaft zunächst weiter auf ihrem traditionellen Standbein, den Exporten. Doch im weiteren Verlauf des Jahres 2006 beginnt die Konjunktur in den Handelspartnerländern zu schwächeln und mit ihr der deutsche Export.

• Dass die deutsche Volkswirtschaft dennoch nicht in die Knie geht, ist auf ein Erstarken der Konsumaktivitäten zurückzuführen. Diese „Konsumkonjunktur“ ist aber nicht das Ergebnis der Wiederkehr des Konsumentenvertrauens, sondern eine eher technische Reaktion auf die Wirtschaftspolitik, denn zum 1. Januar 2007 soll die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte steigen. Dies ist eine in der Bundesrepublik Deutschland noch nie da gewesene Anhebung, denn bislang beschränkte sich die Politik auf einprozentige Mehrwertsteuersatzerhöhungen. Diese Mehrwertsteuersatzerhöhung wirft ihren Schatten in das kommende Jahr voraus, denn sie veranlasst die Konsumenten, den dann noch geringeren Steuersatz für die Anschaffung insbesondere langlebiger Güter zu nutzen und Konsum aus dem Jahr 2007 vorzuziehen oder früher als geplant einen Teil des aufgestauten Nachholbedarfs zu realisieren. Diese Vorzieheffekte dürften zu einem starken Anstieg des privaten Konsums im zweiten Halbjahr führen. Dass das Konsumfeuerwerk nicht nur im letzten Quartal abbrennt, ist auf die frühzeitige Ankündigung zurückzuführen: Die Haushalte werden nicht überrascht, sondern können ihre Käufe gezielt und ohne Hektik im zweiten Halbjahr erledigen. Im Quartalsprofil des Bruttoinlandsprodukts wird dieser starke Konsumimpuls allerdings nur bedingt sichtbar, denn es kommt zu abmildernden Effekten und zu zeitlichen Verschiebungen. Erstere resultieren aus einem Anstieg der Importe. Ein guter Teil der nachgefragten Konsumgüter kommt aus dem Ausland, genauso wie die im Inland produzierten Konsumgüter Vorleistungen benötigen. Dies führt zusammen mit der nachlassenden Exportdynamik dazu, dass der Wachstumsbeitrag des Außenbeitrags negativ wird, also das Wachstum bremst. Die zeitli chen Verschiebung resultiert aus dem Kalkül der Unternehmen. Sie werden nämlich nicht erst bis zum Konsumentenansturm warten, sondern frühzeitig und bewusst auf Lager produzieren, die dann im zweiten Halbjahr wieder geräumt werden.

4. Aufgrund des überraschend guten dritten Quartals und der Änderungen der politischen Rahmenbedingungen revidieren wir unsere Prognose. Für das laufende Jahr erwarten wir nun einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,0 %, im kommenden Jahr sogar um 1,7 %.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.