1. Nach den Auftragseingängen wartete nun auch die Produktion im produzierenden Gewerbe im April mit einer negativen Überraschung auf: Sie ging um 0,8% mom zurück (Bloomberg-Median: 0,2% mom, DekaBank: -0,3% mom). Das Vorjahresniveau wird kalender- und saisonbereinigt immer noch um 4,8% überschritten.

2. Mehrere Faktoren trieben die Entwicklung. Zunächst ist die Bauproduktion zu nennen, die um 2,9% mom zurückging, nachdem sie schon im März um 13,1% mom eingebrochen war. Hierbei handelt es sich um den fortgesetzten Rückprall auf die starke Produktionstätigkeit im Winter. Dank einer ungewöhnlich milden Witterung konnten die vorhandenen Bauaufträge anders als üblich schon in den Wintermonaten abgearbeitet werden. Seither kamen aber kaum Neue hinzu. Somit fehlt jetzt die Nachfrage.

3. Die Industrieproduktion (-0,7% mom) leidet unter rückläufigen Auftragseingängen. So sanken die Bestellungen im ersten Quartal um 1,3% qoq, so stark wie zuletzt im Rezessionsjahr 2003, und der April brachte ausgehend von diesem niedrigen Niveau einen weiteren Rückgang um 1,8% mom. Damit werden die Auftragspolster immer dünner. Nun könnte man meinen, dass sich die Produktion von eben den immer noch vorhandenen Auftragsbeständen speist, doch hier tritt ein weiterer Belastungsfaktor auf. So wurden im ersten Quartal merklich Lager aufgebaut, unter anderem weil die Produktion stärker als die Nachfrage war. Dieser ungeplante Lageraufbau wird nun korrigiert: Die Nachfrage wird derzeit nicht durch Produktion, sondern aus den Lagern bedient.

4. Der Rückgang im April schmerzt umso mehr, als sich die Saisonbereinigung vermutlich stützend ausgewirkt hat. Normalerweise liegen die Osterferien im April, sodass die Saisonbereinigung diesen Sondereffekt herausrechnet und somit das Produktionsniveau künstlich anhebt. In diesem April wäre das nicht notwendig gewesen, geschieht aber dennoch automatisch und stützt so die saisonbereinigte Entwicklung.

5. Der Start ins zweite Quartal ist gründlich misslungen! Unterstellt man für die Monate Mai und Juni eine Stagnation, so sinkt die Industrieproduktion im zweiten Quartal um 0,9% qoq, die Bauproduktion sogar um 10,8% qoq. Schließt man die Auftragseingänge und die heute veröffentlichten OECD-Frühindikatoren für die deutschen Handelspartner mit ins Bild ein, so lässt dies nur einen Schluss zu: Deutschland schlittert in eine Konjunkturdelle!

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.