Das erste Quartal 2018 ist nichts für die Geschichtsbücher. Nachdem sich Prognostiker zuletzt mit immer höheren Wachstumszielen für dieses Jahr übertrumpften, sind die Fakten ein ziemlicher Dämpfer. Das Wachstum war nur halb so hoch wie in den USA, gleichhoch wie in Frankreich, Italien und Spanien und deutlich niedriger als in den Niederlanden (0,5 %), Polen (1,6 %), Belgien (0,4 %), Österreich (0,8 %) und Portugal (0,4 %).

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Vom Zugpferd ist nicht mehr viel zu spüren. Im europäischen und internationalen Vergleich war das Wachstum in Deutschland ein lahmer Ackergaul, der seine besten Jahre hinter sich hat. Das statistische Bundesamt hat dafür auch eine Erklärung. Der Außenhandel lahmte. Ebenso gingen die staatlichen Ausgaben zurück.

Das Quartalswachstum ist damit so gering wie seit drei Jahren nicht mehr (Grafik 1). Die Jahreswachstumsrate brach regelrecht ein. Wuchs die Wirtschaft Ende 2017 gegenüber Ende 2016 noch um 2,9 %, lag der Jahresvergleich in Q1 2018 nur noch bei 2,3 %.

Das alles mag ein Ausreißer sein. Niemand konnte ahnen, dass die Staatsaugaben schrumpfen würden. Das kann vorkommen. Es war aber nicht nur der Staat, der sparte. Der Handel verlor an Dynamik. Das gibt zu denken, denn ohne Handel ist Deutschland wenig.

Grafik 2 zeigt, wie sich die Komponenten des BIPs seit 1991 entwickelt haben. Die Wirtschaftsleistung ist seit 1991 um 43 % gestiegen. Dieser Anstieg hat einen klaren Grund. Es war nicht der private Konsum. Dieser legte gerade einmal um 35 % zu. Investitionen waren es auch nicht. Sie legten um 33 % zu. Der Staat half ein wenig mit. Dieser gab real 54 % mehr aus. Treiber des Wachstums war klar der Handel. Exporte legten um 263 % zu und die Importe um 221 %.

Der Außenhandelsbeitrag (Exporte minus Importe) legte von praktisch null auf über 200 Mrd. zu. Ein Viertel des gesamten Wachstums kam aus dem Handel, obwohl dieser über lange Zeit hinweg vergleichsweise klein war. 1991 wurden Waren im Wert von 400 Mrd. exportiert. Der private Konsum stand bei über 1,1 Billionen.

Wenn der Handel stottert – ein Zeichen global nachlassender Dynamik – kommt das in Deutschland zuerst an. Das erste Quartal ist nun aber vorbei. Wir können nach vorne blicken. Viele sehen nach dem schwachen ersten Quartal bereits wieder zunehmende Dynamik. Wir werden es sehen. Ein schlechtes Quartal ist ein Ausrutscher. Kommt ein zweites hinzu, haben wir ein Problem.

Clemens Schmale

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