Deutschland ist bisher gut durch die Krise gekommen. Kaum etwas bringt das so auf den Punkt wie der Einzelhandelsumsatz. Dieser brach wie in allen anderen Ländern während des Lockdowns ein und erreichte im April seinen Tiefpunkt. Die Umsätze fielen auf das Niveau von Ende 2016 zurück. Im Mai, als die Wirtschaft wieder nach und nach geöffnet wurde, kam es zu einem stattlichen Rebound. Der Einzelhandelsumsatz erreichte nicht nur das Vorkrisenniveau, sondern übertraf es sogar. Das unterscheidet Deutschland von vielen anderen Ländern. Überall steigt der Einzelhandelsumsatz im Mai und Juni. Das ist praktisch zwangsweise so. Der Anstieg reicht in den meisten Ländern aber nicht aus, um den Einbruch im März und April wieder auszugleichen. Stattdessen bleiben die Umsätze merklich unter dem Vorkrisenniveau. Dass Deutschland das Vorkrisenniveau schon jetzt wieder erreicht hat, gleicht tatsächlich einem Wunder.


Man sollte jedoch nicht darauf zählen, dass sich das Monat für Monat wiederholt. Da in vielen Bereichen nicht konsumiert werden konnte, gibt es einen Nachholeffekt. Dieser sorgt für einen raschen Anstieg. Wurde der Konsum erst einmal nachgeholt, flacht das Wachstum wieder ab bzw. geht der Konsum auch wieder zurück.

Für die USA hatte ich im Juni einen ähnlichen Effekt prognostiziert. Da in den USA einige Bundesstaaten die Maßnahmen wieder verschärfen, bleibt abzuwarten, ob der Nachholeffekt so stattfinden kann wie in Deutschland. Deutschland hat ja im Vergleich zum außereuropäischen Ausland auch noch eine andere Besonderheit: Kurzarbeit.

Die Zahl der Arbeitslosen stieg während der Krise um 500.000 an. Im Juni lag der Anstieg nur noch bei 50.000. Möglich machte das die Kurzarbeit. Zusammen mit Kurzarbeitern sind über 10 Mio. Menschen arbeitslos oder unterbeschäftigt (Grafik 2). Das Kunststück liegt nun darin Kurzarbeiter nicht zu Arbeitslosen werden zu lassen.

Einige Firmen haben bereits angekündigt die Kurzarbeit wieder zu beenden. Seit 1. Juli gilt etwa bei VW keine Kurzarbeit mehr. Der Konzern hatte zeitweise 80.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Langfristig hängt es davon ab, ob die Nachfrage wieder anzieht. Ist das nicht der Fall, gibt es Kündigungen.

Bisher ist die Arbeitslosenrate kaum angestiegen (Grafik 3), wenn man es mit anderen Ländern vergleicht. Ein Anstieg von 5 % auf 6,2 % ist im Vergleich gut, wenn man etwa an die USA denkt. Der erste Schock der Krise wurde gut überstanden, besser als in vielen anderen Ländern. Jetzt beginnt die harte Arbeit.


Es müssen neue Jobs geschaffen werden. Wir wissen bereits jetzt, dass viele Unternehmen in den kommenden Monaten zehntausende Mitarbeiter entlassen werden. Man denke nur an Fluglinien, Airbus und Banken. Wenn es hier gelingt schnell ein neues Zuhause für diese Menschen zu finden, dann kann man wirklich von einem Wirtschaftswunder sprechen.

Clemens Schmale


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