Diapason Commodities Management Research - die Analyseabteilung des gleichnamigen Rohstoff-Hedgefonds Diapson - haut auf den Putz und stellt die BIP-Wachstumsdaten Chinas in Frage. Es entfalte sich just zu dem Zeitpunkt der Erscheinung der Analyse eine harte Landung der chinesischen Volkswirtschaft, doch verberge sie sich von der öffentlichen Wahrnehmung, wegen "der einen, schändlichen, statistischen Fiktion des BIP, dass das inszenierte Requisit von Scharlatanen und die falsche Hoffnung der fügsamen Selbigen darstellt."

Im Detail:

  • Das nominale Wirtschaftswachstum habe sich laut Diapson von 17,9% auf 20,6% beschleunigt, was eine Inflationsrate von 10,5% impliziere, die weit über dem offiziellen Ziel von 4% und den offiziell gemeldeten 6,1% liege.
  • Das Frachtaufkommen im Bahnverkehr sei in China zuletzt nur noch um 6,5% gewachsen, und habe sich von den gewöhnlich üblichen 9,5%-10% massiv abgekühlt.
  • Der Stromverbrauch sei um 11,5% in den vergangenen beiden Quartalen gestiegen, während das Wachstum davor im Schnitt noch zwischen 14-14,5% wuchs.
  • Der Exportmarkt entwickle sich schwach. Premier Wen Jiabao signalisierte einen "quasi stabilen Renminbi", womit die Phase der Aufwertung effektiv beendet wird. Damit werden auch die Währungsspekulationen von Dim-Sum-Anleihen in Hong Kong und weitere quasi unattraktiv, für den Moment.
  • Der Aktienmarkt ist in China auf dem niedrigsten Niveau, seitdem westliche Aktienmärkte im März 2009 einen Boden ausbildeten. Industrielle zyklische Rohstoffe wie Kupfer werden liquidiert. Aber auch Stal, Zink, Gummi, Baumwolle, Polyethylen sind 30-40% unter ihren Hochs und fielen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Monaten, wenn nicht mehreren Quartalen.

Diapsons Hedgefondsmanager Sean Corrigan rechnet damit, dass die Bärenmarktrally seit Anfang 2009 zu Ende ist, dass es keine guten Long-Positionen mehr gebe und dass bald die nächste große Liquiditationswelle die Kurse massiv nach unten drücken wird.

Einschätzung: Ein weiterer Bär im Gehege. Ich glaube nicht an ein hard landing in China. China wird irgendwann ein Problem bekommen, denn auch dort gibt es ein Kreditproblem. Das wird aber, nach allem, was ich mitbekomme, erst 2014/15 ernst. Dann wird es interessant sein, zu sehen, wie Chinas Regierung mit den Kreditproblemen umgeht. Die Stimmung ist mieß, keine Frage. Aber gerade das könnte die Basis sein für eine Erholung. Ich rechne zunächst damit, dass wir bis zum Jahresende eine Gegenbewegung sehen werden und bekräftige damit meine Aussage, die ich schon im August gemacht habe: Ich habe im Rohstoff-Report.de am 11. August geschrieben, dass ich zum Jahresende einen deutlich höheren DAX als 5500 Punkte erwarte. (außerdem Kupfer höher als 8200 und WTI höher als 82). Daran halte ich fest. Was die chinesischen Aktien anbelangt:

China A Shares:

Die blaue Linie (2431 Punkte) darf per Wochenschluss nicht unterschritten werden. Dann wäre der Aufwärtstrend seit Winter 2008 kaputt. Wie zu sehen ist, wurde diese Linie in den beiden letzten Wochen (eine Candle steht für den Kursverlauf einer Woche) hart getestet, aber sie hat gehalten. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man glaubt daran, dass der Aufwärtstrend in China zunächst noch weiter geht. Dann gibt es jetzt eine gute Möglichkeit, festlandchinesische Aktien zu kaufen. Wenn nicht, dann fehlt nicht mehr viel, um eine Bestätigung für die bärische Haltung zu bekommen. Man muss nur abwarten.

Die China B Shares sehen unterdessen stärker aus. Sie befinden sich noch deutlich von der entsprechenden wichtigen Unterstützung entfernt:

Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur Rohstoff-Report

Der Rohstoff-Report ist eine Publikation der BörseGo AG