Dass sie überhaupt kam, muss aus heutiger Sicht als Trick gesehen werden. So wurde versucht, Fluchtkapital nach Hause zu holen und die Bürger in Sicherheit zu wiegen, denn die Abgeltungsteuer wird anonym abgeführt.

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Seit 2009 werden Kapitaleinkünfte pauschal mit 25 % plus Solidaritätszuschlag direkt an der Quelle besteuert. Inzwischen sind etliche internationale Steueroasen ausgetrocknet, in diesem Jahr tritt der automatische Informationsaustausch zwischen rund 100 Ländern in Kraft.

Sprich: Man braucht die Abgeltungsteuer nicht mehr...künftig wird es wohl so ablaufen, dass die Banken ihren Kunden die Gewinn-/Verlustermittlung nach Hause schicken und diese dann - wie früher - ihre Spekulationsgewinne in der Einkommensteuererkllärung deklarieren (Kontrollmitteilung geht natürlich ans Finanzamt....)

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Dieses Prozedere kennen alle, die einen Broker im Ausland haben. Denn dieseführen die Abgeltungsteuer nicht für den deutschen Fiskus ab.

Das Gerechtigkeitsargument lautet wie folgt: Arbeitseinkommen werden mit bis zu 42 % plus Soli (plus Kirchensteuer plus Reichensteuer ab 250k) besteuert, und Kapitalerträge nur mit 25 % (ebenso plus Soli etc.)
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Politiker entweder nicht verstehen wie falsch das ist oder es absichtlich verschweigen.

Denn: Dieses Argument zählt nur bei Zinseinkünften!

Dividenden stammen aus versteuerten Gewinnen und die Abgeltungsteuer ist damit eine echte Doppelbesteuerung.
Die effektive Gewinnbelastung liegt bei ausgeschütteten Gewinnen aktuell bei fast 50 % und damit deutlich höher als die Belastung von Arbeitseinkommen (exakt: 30 % plus 26,375 %*0,7=48,46 %).

Würde man nun Dividenden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegen, würde dies bei hohen Einkommen zu einer deutlich über 50 % liegenden Gewinnbelastung führen.
Es ist daher anzunehmen, dass bei einem Ende des Abgeltungsteuerregimes eine Rückkehr entweder zum Halbeinkünfteverfahren folgt oder aber zum alten, komplizierten Körperschaftsteuer-Anrechungsverfahren.

Wie war es vor der Abgeltungsteuer?

Vor dem Abgeltungsteuerregime wurden Kapitaleinkünfte unterschiedlich besteuert. Bei Aktien und Dividenden galt das Halbeinkünfteverfahren, Zinsen und Gewinne aus anderen Wertpapieren mussten voll versteuert werden. Alle Angaben waren vom Steuerpflichtigen selbst im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu machen. Insofern war die Abgeltungsteuer für den (steuerehrlichen) Bürger eine massive Erleichterung, während die Banken die Bürde der Gewinnermittlung tragen mussten.In diesem Punkt kann man sich sicher sein: Das wird auch so bleiben! Nachdem über zwei Jahre lang die IT-Systeme unter hohen Kosten angepasst wurden, werden die Finanzinstitue natürlich auch in Zukunft die Gewinne des Kunden ermitteln.

Das gilt sowohl für Dividenden als auch für Gewinne aus Aktienverkäufen, denn diese sind theoretisch äquivalent (das hat sogar die damalige Bundesregierung im Gesetzentwurf zur Einführung des Halbeinkünfteverfahrens so beschrieben). Denn Kurse sind letztlich abgezinste zukünftige Dividenden.

Wer mit Aktien tradet oder investiert, braucht wahrscheinlich keine Angst vor einem Ende der Abgeltungsteuer haben. Wahrscheinlich würde die Belastung sogar sinken.

Verlierer wären Zinsbezieher (welche Zinsen?) und Derivate-Trader. Hier wird wohl der volle Steuersatz drohen.

Wie sieht es mit dem Gerechtigkeitsargument bei Zinsen aus?

Dass Zinserträge steuerlich besser gestellt werden als Arbeitseinkünfte, könnte man tatsächlich zunächst als ungerecht ansehen.
Dabei ist aber zu bedenken, dass in Höhe der Inflationsrate nur Scheinerträge vorliegen. Dies ist derzeit besonders augenscheinlich bei deutschen Anleihen der Fall. So rentiert eine 10jährige Bundesanleihe aktuell etwa mit 0,28 %. Die Inflationsrate, gemessen am statistischen Warenkorb, dürfte dieses Jahr bei ca.2 % liegen. Real bleibt also praktisch nicht nur kein Ertrag übrig, sondern es es fällt sogar ein Verlust an. Da aber der nominale Ertrag der Besteuerung unterworfen wird, führt schon der Abgeltungsteuerabzug zu einem realen Kaufkraftverlust des der Zinszahlung zugrundeliegenden Vermögens. (Bei anderen Konstellation des Zinses und der Inflationsrate ist dies aber anders).

Das Ende vom Lied wird sein, dass das Aufkommen aus der Abgeltungsteuer (derzeit rund 8 Mrd. EUR im Jahr) ungefähr gleich bleibt...viel Lärm um nichts also

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