• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 15.886,32 Pkt
  • Nasdaq-100 - Kürzel: ND100 - ISIN: US6311011026
    Börse: Nasdaq / Kursstand: 15.027,76 Pkt

So manch einer reibt sich verwundert die Augen. Erholen wir uns nicht gerade von der größten Pandemie seit vielen Jahrzehnten? Haben viele Bereiche der Wirtschaft nicht riesige Verluste verzeichnet? Steht nicht so manches Unternehmen vor dem Ende seiner Existenz?

Die Finanzmärkte zeigen ein gänzlich anderes Bild. Ja, es gab im März 2020 einen dramatischen Crash. Die Aktienmärkte stürzten kurzzeitig so schnell ab wie nie zuvor. Aber das alles war schnell vorbei, wie ein böser Traum. Der Boden war schnell gefunden, alles stieg wieder und jetzt werden bereits seit Monaten regelmäßig wieder neue Rekordhochs verzeichnet.

Der DAX hat gegenüber seinem im März 2020 verzeichneten Tief inzwischen rund 90 Prozent hinzugewonnen. Das Phänomen ist natürlich nicht auf die Aktienmärkte beschränkt. Wohin man auch schaut, alles wird teurer. Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Kunst: Ob wir es glauben wollen oder nicht, wir befinden uns in einem der der größten Booms aller Zeiten.

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DAX-Chart

So manch ein Börsenanfänger fragt sich verwundert, was hier gerade geschieht. Haben die (Finanz-)Märkte völlig die Bodenhaftung verloren? Haben sie sich völlig von der wirtschaftlichen Realität entkoppelt? Befinden wir uns in einer riesigen Blase, die bald platzen muss? Oder ist es vielleicht ganz normal, dass alles immer teurer wird?

Man kann diese Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln beantworten. Aus einer sehr langfristigen Perspektive kann man festhalten: In einem Geldsystem, in dem die Geldmenge langfristig betrachtet exponentiell wächst, ist es kein Wunder, dass auch Kurse und Preise exponentiell steigen. Das heißt nicht, dass es an den Märkten nicht immer wieder zu gigantischen Übertreibungen nach oben und nach unten kommt und die Märkte sich durchaus auch immer wieder von der wirtschaftlichen Realität entkoppeln können. Aber langfristig zeigt der Pfeil immer nach oben.

Seit der Finanzkrise 2008, einer Zeit in der die Realwirtschaft der Eurozone eher verhalten gewachsen ist, hat sich die Geldmenge M1 in der Eurozone beinahe verdreifacht. Wenn drei Mal so viel Geld existiert, kann es da ein Wunder sein, dass auch Vermögenswerte im Preis stark gestiegen sind? Über den Preisanstieg wundern kann man sich eigentlich nur, wenn man der sogenannten Geldillusion unterliegt und nichts von der dramatischen Geldmengenausweitung weiß.

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Die (finanzielle) Flut hebt alle Boote, aber sie hebt nicht alle Boote gleichermaßen. Um von der Flut überhaupt profitieren zu können, muss man etwas besitzen, das teurer werden kann. Wer nichts oder wenig besitzt, wie der Großteil der Bevölkerung, kann auch nicht von der Vermögenspreisinflation profitieren. Wer kein Boot besitzt, wenn die Flut kommt, der geht einfach nur unter.

Aber auch nicht alle Vermögenswerte profitieren gleichermaßen von der Geldmengenausweitung. Rohstoffe etwa sind totes Kapital, sie werfen keine Rendite ab. Aktien von schnell wachsenden Technologieunternehmen hingegen versprechen neben dem nominalen auch noch ein reales Wachstum. An den Finanzmärkten wird nicht die wirtschaftliche Realität von heute, sondern die erwartete Realität von morgen und übermorgen gehandelt. Es ist nicht entscheidend, wie viele Autos Tesla heute verkauft oder ob das Unternehmen heute einen Gewinn erwirtschaftet oder nicht. Entscheidender ist die Frage, ob Tesla vielleicht morgen oder übermorgen eine marktbeherrschende Stellung erreichen kann und dann, irgendwann, zu einer gigantischen Profitmaschine wird.

Während kleine Unternehmer und Unternehmerinnen nach der Corona-Pandemie zum Teil vor den Scherben ihrer Existenz stehen, werden die monopolartigen US-Technologiegiganten immer mächtiger und beherrschen mehr und mehr die Weltwirtschaft. Kann man sich in diesem Umfeld darüber wundern, dass sich der technologielastige Nasdaq-100-Index seit der Finanzkrise ungefähr verfünfzehnfacht hat?

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Nasdaq-100-Chart

Zurück zur entscheidenden Frage: Stecken wir ein einer gigantischen Blase, die früher oder später platzen muss? Oder ist es völlig normal, dass alles immer teurer wird, wenn die Geldmenge keine Konstante ist, sondern immer schneller wächst? Die Antwort muss wohl lauten: Sowohl, als auch. Wenn die Geldmenge absolut betrachtet immer schneller wächst, dann müssen auch die Vermögenspreise immer schneller wachsen. Das bedeutet aber eben nicht, dass es nicht zwischenzeitlich trotzdem zu Übertreibungen nach oben und nach unten kommen kann. Crashs, wie zuletzt im März 2020, gehören einfach dazu. Auch Crashs um 80 Prozent oder mehr können auftreten. Aber wer sehr langfristig denkt, der wird diese Preisrückgänge am ehesten als Chance für den Einstieg betrachten.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars investiert: DAX, Nasdaq-100