Gastbeitrag des Guidants-Experten Dr. Bost

Rein ökonomisch hat das Defizit seinen Ursprung im hohen Konsum und dem geringen Sparaufkommen der amerikanischen Bevölkerung. Finanzieren kann man das Defizit bisher problemlos, ist man im Ausland doch bereit, für die Waren bunt bedruckte Dollarscheine zu akzeptieren. Belegt man nun viele ausländische Waren mit höheren Zöllen, so macht dies die eigenen Produkte noch lange nicht konkurrenzfähiger, fehlt es hier doch entweder an Qualität oder sind die Kosten zu hoch.

Die höheren Importzölle auf chinesische Waren können aber die chinesischen Unternehmen im Inland weniger konkurrenzfähig machen, damit bietet sich aber für viele andere Länder die Chance, mit ihren Produkten in die Bresche zu springen. Sollte dies nicht gelingen, so mag zwar der heimische Produzent mehr absetzen, dies wird aber dann auf Kosten der Konsumenten geschehen, müssen diese doch höhere Preise akzeptieren.

Der wahre Grund für den Handelskrieg dürfte darin bestehen, dass die amerikanische Politik erkennen muss, dass ihre Vorherrschaft sich dem Ende zu neigt.

Schon in der Vergangenheit war zu beobachten, dass diejenigen Länder, welche diese Position je erreicht hatten, stehts alles taten, um einen Umbruch zu verhindern. Keinem Land ist es gelungen. Auch Amerika wird es nicht gelingen, es besteht aber die Chance, den Umbruch zeitlich zu verzögern. Hierfür muss man insbesondere dem aufwärtsstrebenden China Hindernisse in den Weg stellen. Dazu gehören ein Handelskrieg ebenso wie die Konfrontation im südchinesischen Meer oder eine Initiative, nun auch im Iran einen Krieg zu provozieren und damit das Projekt Seidenstraße zumindest teilweise zu blockieren.

Um dies zu erreichen, hat man nun in einem ersten Schritt die Verhandlungen mit Mexiko und Kanada zu einer Einigung gebracht. Die neue Einigung ist quasi ein „Non-Event“, hat man doch lediglich Vorgaben festgezurrt, welche längst erfüllt oder überschritten worden wurden. Es ist de facto keine Verbesserung der US-Wirtschaft gegenüber den Partnerländern entstanden.

Dennoch kann Präsident Trump das Abkommen als Erfolg feiern, konnte er doch eine Klausel einbringen, welche die drei Staaten verpflichtet, ohne die Zustimmung der Partner keine Freihandelsvereinbarungen mit anderen Ländern, welche nicht als marktwirtschaftlich anerkannt sind (und hierzu gehört China) zu treffen. Dies ist für die USA ein wichtiger Schritt, um die chinesische Wirtschaft verstärkt zu isolieren und ihren Vorwärtsdrang zu stoppen.

China hat zuletzt immerhin 16 bilaterale Freihandelsabkommen getroffen. Auch die so genannten Emerging Markets werden Schaden erleiden, selbst wenn sie in dem einen oder anderen Fall für China in die Bresche springen können. Die meisten von ihnen sind nämlich stark in US-Dollar verschuldet und leiden nun unter dem Anstieg des Dollars bzw. der Dollar-Zinsen. Nach Einschätzung der WTO sind diese Länder nämlich auf dem besten Weg, zusammen mit China ihren Weltmarktanteil von 46 % Im Jahr 2015 auf 57 % im Jahr 2030 auszuweiten.

Am Ende des Handelskriegs dürften dennoch alle auf der Verliererseite stehen, die einen mehr die anderen weniger. Fakt ist, alle Länder und Unternehmer werden begriffen haben, dass die USA ein Erpresserland ist und jeder, der nicht kuschen will, muss sich dessen Einfluss so weit wie möglich entziehen. Dies ist zwar für viele Unternehmen nicht von heute auf morgen möglich, die strategische Ausrichtung wird sich für die Zukunft aber deutlich ändern.

Mittel- längerfristig dürften die USA der größte Verlierer ihrer eigenen Politik werden. Man hat begriffen: „Es geht nicht mehr um allgemeine Regeln des freien Handels, um der Marktwirtschaft zum Wohle aller Spielraum zu lassen, es geht um geordnete Handelsströme nach Trumps Gusto. Feste Freihandelsregeln dienen vor allem dazu, Politikern im Interesse der Bürger Grenzen zu setzen. Die Unberechenbarkeit des geregelten Handels nach Gutsherrenart führt dagegen in die ungeordnete Regellosigkeit“, FAZ vom 04. Oktober 2018.

Während also die USA die Nutzung des Dollarreservesystems als Waffe in ihren Handelskriegen verstärken wollen, reagiert der Rest der Welt mit fortschreitenden Bewegungen fort von der Vorherrschaft des US-Dollar. Es werden neue Abrechnungssysteme erstellt und der von den USA lange Zeit durch Kriege (Irak, Libyen) verhinderte Handel von Öl in Fremdwährung dürfte nun auch der Durchbruch gelungen sein.

Sowohl Indien als auch China und Russland werden künftig Öl auch in nicht US-Dollar abrechnen. Dem Anleger sollte dies ebenfalls zu denken geben, er sollte die aktuelle Stärke des US-Dollars aufgrund von Handelskrieg und Devisenrückführung (Steuerreform) nicht überschätzen, bereits jetzt zeichnet sich eine Überhitzung ab. NDR warnt ebenfalls vor zu viel Optimismus, welcher nach ihren Beobachtungen bereits zu beobachten, ist ebenso wie eine Überbewertung. Darüber hinaus bezeichnen sie die US-Währung als sehr verletzlich mit Blick auf das steigende Budgetdefizit und verweisen darüber hinaus darauf, dass der Dollaranstieg deutlich an Momentum verloren hat. Diesen Trend scheinen auch ausländische Regierungen zu erkennen, welche sich immer häufiger von in Dollar gehaltenen Währungsreserven trennen.