Paris (BoerseGo.de) – Viele Marktteilnehmer fahren derzeit auf Sicht, die Kursrückgänge bzw. Turbulenzen der vergangenen Wochen sind nicht nur Folge der geopolitischen Ereignisse, sondern wirken für viele als Vorboten der oft beschriebenen Konjunkturabschwächung in Europa. Doch das größte Risiko geht in Zukunft von einem möglichen Missmanagement der Zentralbanken aus. Während die Fed den Ausstieg aus dem Quantitative Easing (QE) bewerkstelligt, steht die EZB vor der Frage, ob sie erstmals in ein QE einsteigt. Jedenfalls dürfte mit einem Ende aller aktiven Maßnahmen der europäischen Währungshüter nicht vor zwölf bis 18 Monaten zu rechnen sein, wie Olivier de Berranger, Fondsmanager des ausgewogenen Mischfonds ARTY von Financière de l’Echiquier, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Auch die Bank of Japan (BoJ) werde nun wieder verstärkt am Markt aktiv und kaufe Assets auf, um die lahmende Wirtschaft zu stimulieren und die Inflation Richtung zwei Prozent zu bewegen. So unterschiedlich die Handlungen der Notenbanken derzeit seien, so hätten sie doch eines gemeinsam: Die Akteure bewegten sich auf unbekanntem Territorium – Ausgang ungewiss. Komme es hier zu Fehlern oder Missmanagement, werde sich dies direkt, nachhaltig und negativ auf die Märkte auswirken, so Berranger.

In den vergangenen zwei Jahren seien Hochzinsanleihen europäischer Unternehmen stark nachgefragt worden – vielleicht zu stark. High-Yield-Anleihen von europäischen Unternehmen böten allgemein keine adäquate Risiko-Rendite-Struktur mehr, sehr enge Spreads zeigten dies. Betroffen seien vor allem langlaufende Corporate Bonds mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren. Die europäischen Aktienmärkte hätten ein faires Niveau erreicht – sie seien weder zu teuer noch zu billig, heißt es weiter.

„Aufgrund der Null-Zinspolitik der Notenbanken und der niedrigen Inflationserwartung wird eine hohe Volatilität noch für diverse Quartale (wenn nicht Jahre) der Normalzustand sein, während die Gewinne zurückgehen. Kleinere Schocks und Rückschläge aufgrund geopolitischer Ereignisse dürften häufiger zu beobachten sein – große Kurssprünge erwarten wir aber nicht. In volatilen Seitwärtsmärkten kommt es in Zukunft umso mehr auf die fundamentale Situation der Unternehmen und einen langen Atem an. Somit sind dies zwar durchaus dicke Bretter, die Investoren bohren müssen. Aber: dicke Bretter sind bekanntlich stabiler und halten länger“, so Berranger.